Sebastian Fitzek – Das Kind

Sebastian Fitzeks Das Kind ist nun schon das dritte Buch, dass ich von ihm lese. So wirklich warm werde ich mit ihm irgendwie nicht, auch wenn die Bücher wirklich gut geschrieben sind. Und dieses Buch hat mich sogar nervlich doch etwas mitgenommen, behandelt es doch ein sehr schlimmes Thema.

Robert Stern wird zu einer merkwürdigen Verabredung gebeten. Seine Exfreundin Carina möchte ihn auf einem alten Fabrikgelände treffen, denn sie braucht dringend seine Hilfe. In ihrer Begleitung ist der zehnjährige Simon, der einen Hirntumor hat und über kurz oder lang sterben wird. Simon ist fest überzeugt, dass er ein Mörder ist und hofft in Robert Stern einen Anwalt zu finden, der ihn vertritt, denn er ist fest entschlossen sich der Polizei zu stellen. Doch die Geschichte ist merkwürdig, denn der Mord fand vor 12 Jahren statt, Simon glaubt wiedergeboren zu sein. Robert Stern glaubt dem Jungen nicht und ist auch dann noch nicht wirklich überzeugt, als sie die Leiche finden, die seit 12 Jahren in dem verlassenen Fabrikgebäude liegt.

Doch dann taucht plötzlich ein Video vom Tod seines Sohnes auf, der mit zwei Tagen am plötzlichen Kindstod gestorben ist. Doch nicht mit dem Tod endet das Video, sondern mit einer Aufnahme eines Jungen, der genauso alt ist wie Robert Sterns Sohn heute und er genauso aussieht wie Robert Stern als Kind. Eine verzerrte Stimme kommentiert das Video und fordert ihn auf den wahren Mörder zu finden. Im Gegenzug würde er Kontakt zu seinem Sohn bekommen.

Robert Stern beginnt mit Hilfe seines ehemaligen Klienten Andi Borchert zu ermitteln. In ihm findet er einen treuen Verbündeten, der vor nichts zurückschreckt und selbst ziemlich viel Dreck am Stecken hat. Doch dem Geheimnis um Simon und seiner Wiedergeburt kommt er erstmal nicht näher, viel mehr bringt er sich und alle anderen in Lebensgefahr.

Das Buch bringt Abgründe hervor, die mir bisher so nicht bewusst waren, oder die ich wahrscheinlich viel mehr bewusst verdrängt habe. Fitzek beschreibt die Kinderschänder-Szene sehr detailliert und vor allem die perversen Taktiken, um an Kinder zu kommen. Anscheinend gibt es wirklich Eltern, die ihre Kinder an solche Schweine für ein paar Euros verkaufen. Ich frag mich manchmal wie böse die Welt noch werden kann und warum man sowas machen muss.

Alles in allem hat mich auch hier das Ende wieder etwas enttäuscht, so ging es mir ja schon bei Amokspiel. Plötzlich löst sich alles auf und natürlich erklärt sich alles durch ganz viele Zufälle. Für meinen Geschmack sind das einfach zu viele Zufälle, das ist etwas schade. Trotzdem hat dieses Buch es geschafft mich zu fesseln und in mich teilweise sehr nervös gemacht.

Katrin Koppold – Aussicht auf Sternschnuppen

Da ich Aussicht auf Sternschnuppen von Katrin Koppol gerade erst an einen wundervollen Menschen verschenkt hatte, musste ich es unbedingt nochmal lesen. Schon beim ersten Lesen der Reihe war mir Helga die liebste, denn sie ist so schön normal, zumindest aus meiner Sicht.

Helga und ihr Freund Guiseppe leben ein ziemlich langweiliges Leben, zumindest wenn man Helgas Schwestern fragen würde. Aber in deren Augen ist Helga sowieso sehr konservativ und langweilig und könnte gerne etwas spontaner sein. Und genau das ist sie, als sie in Guiseppes Handy die Nachricht von einer Angela findet, die sich mit Guiseppe in Italien treffen will und sich auf ihn freut. Guiseppe aber hatte erzählt, dass er nur für ein paar Tage auf Grund einer Dienstreise nach Italien muss. Kurz nachdem dieser zum Flughafen aufgebrochen ist beschließt Helga ihm zu folgen und ihn zur Rede zu stellen. Doch die Verfolgung wird zu einem richtigen Roadtripp, denn es gehen keine Flieger mehr, da eine Aschewolke den gesamten Luftraum blockiert. Helga sieht gerade noch am Flughafen wie Guiseppe und Angela mit einer älteren Dame in einem Cabrio davonbrausen.

Schnell macht sie sich auf die Suche nach einem Mietwagen und bekommt den allerletzten verfügbaren. Aber nur zur Hälfte, denn sie bekommt gleichzeitig einen Mitfahrer. Nils ist ein bekannter deutscher Schauspieler, den natürlich alle außer Helga kennen. Und genau mit ihm teilt sie sich das Auto. Doch Nils ist so gar nicht ihr Fall, er raucht, muss ständig anhalten um zu essen und überhaupt scheint er ein sehr unangenehmer und eingebildeter Typ zu sein. Doch auch Nils findet Helga komisch. Relativ schnell geraten die beiden immer wieder aneinander. Doch sie kommen sich auf ihrer Reise durch die Alpen auch näher.

Die Dialoge zwischen Helga und Nils sind herrlich und irgendwo erkenne ich mich in Helga auch wieder. Ich würde zwar sagen, dass ich nicht ganz so „langweilig“ wie Helga bin, aber oft auch so konservativ (leider). Auch ich hätte Nils am Anfang doof gefunden, dabei ist er wirklich ein toller Typ. Aber zum Glück erkennt Helga das auch irgendwann und öffnet sich.

Ich mag Katrins Schreibstil und ihre Ideen für Bücher. Ich glaube dieses ist eines der Bücher, dass ich wirklich schon oft und immer wieder sehr gerne verschenkt habe. Es ist einfach ein Buch, dass einen für ein paar Stunden mit auf eine verrückte Reise nimmt. Man hat Spaß beim lesen und fühlt sich gut. Man leidet mit Helga mit und möchte so oft rufen „Tu es bitte nicht.“ Zum Glück gibt es ja noch drei weitere Bände. Und auch wenn ich die schon gelesen habe, muss ich sie unbedingt nochmal lesen.

Ich lese sehr selten Bücher zweimal, hier hat es sich aber gelohnt, denn ich hatte tatsächlich schon wieder einiges vergessen. Ich wusste zwar noch wie es ausgeht, aber die Geschichte der älteren Dame war mir komplett entfallen, dabei ist das so eine schöne Nebenhandlung. Hätte ich nur mehr Zeit zum lesen, würde ich sicherlich noch mehr Bücher doppelt lesen.

Jean Liedloff – Au der Suche nach dem verlorenen Glück

Ich weiß nicht, ob ich vorher schon ein Buch gelesen habe, dass mich so oft hat nicken lassen, weil ich die dort beschriebenen Aussagen zu 100% teile wie Auf der Suche nach dem verlorenen Glück von Jean Liedloff.  Der Untertitel „Gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit“ beschreibt vielleicht sogar noch viel besser um was es in diesem Buch geht.

Jean Liedloff lebte selbst einige Jahre bei den Yequana-Indianern und erkannte sehr schnell, dass ihr glückliches Leben im Umgang mit ihren Kindern begründet liegt. Sie zeigt in ihrem Buch auf, dass die Yequana auf die natürlichen Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen, etwas was wir in der westlichen Welt völlig verlernt haben.

Liedloff entwickelte das Kontinuum-Konzept, nachdem kleine Kinder und Babys eigentlich nicht viel brauchen um sich zu gesunden und glücklichen Erwachsenen zu entwickeln. Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist der ständige Körperkontakt des Kindes zu seiner Bezugsperson bzw. zu seinen Bezugspersonen. Die Yequana tragen ihre Kinder fast dauerhaft am Körper, sie stillen nach Bedarf und sie schlafen mit den Kindern in einem Bett. Das ist in der westlichen Welt, und zum Erscheinungsdatum des Buches noch mehr, etwas was völlig verloren gegangen ist. Eigentlich wünschen sich fast alle Eltern ein ruhiges Baby, dass man in Kinderwagen, Laufstall oder Bett ablegen kann und das nach festen Zeiten fest vorgegebene Protionen Milch trinkt. Auch das ist etwas überspitzt, aber leider doch noch immer die Erwartung vieler Menschen. Hierzu schreibt Liedloff:

Babies sind in der Tat zu einer Art Feind geworden, den die Mutter besiegen muss.

Jeder, der seine Kinder auch nur ein wenig bedürfnisorientiert wachsen lassen möchte, sollte dieses Buch lesen. Einfach zu lesen ist es nicht, denn es ist in der Tat Fachliteratur und so habe ich mich an manchen Stellen etwas schwer getan (Morgens um sechs Uhr in der Bahn…). Aber es ist auch ein Buch, dass einem so viel gibt und das Mut macht, dass der Weg, den ich gehe, genau der ist, der meine Tochter glücklich machen wird. Und um allen Gegnern, die meinen dass die Kinder verwöhnt werden, den Wind aus den Segeln zu  nehmen, folgendes Zitat:

Überbeschützt und geschwächt ist ein Kind, dem ständig von einer übereifrigen Mutter die Initative entrissen wurde; nicht aber das Kind, das in den ersten wichtigen Monaten, als es dies brauchte, auf Armen getragen worden ist.

Mella Dumont – Rosenmond

Mit Rosenmond schließt Mella Dumont die Colors of Life-Reihe ab. Nachdem der letzte Teil schon relativ dramatisch geendet hat, war ich gespannt, wie sie nun alles zu einem Ende bringen möchte und ob es für alle gut ausgeht. Außerdem war ich gespannt darauf, was noch über Lina erzählt werden würde.

Dieser Teil knüpft ziemlich genau da an, wo der alte aufgehört hat, wenige Tage nach dem Überfall auf die Mahler-Frauen. Doch diesmal wird gezielt Valerie das Opfer eines Wagner-Mitglieds und kann nur knapp einem Koma entkommen. Doch ihr gelingt es den Mann zu täuschen und zu überwältigen und ihn mit Hilfe von Lina und Leo, die aus Trier schnell nach Metz gefahren kommen, umzudrehen.

Überhaupt vertieft sich in diesem Teil die Freundschaft zwischen Valerie und Lina sehr, was mich zuerst etwas irritiert hat. Lina kam mir immer sehr jung vor, Valerie ist eine erwachsene Frau, die mitten im Leben steht, ihr eigenes Unternehmen leitet und ihre zweite Hochzeit plant. Doch warum sollten sich nicht grade auch zwei so unterschiedliche Frauen anfreunden und warum müssen Alter und Erfahrung ein Hindernis sein? Sind sie in diesem Fall nicht und genau das macht die Freundschaft auch wieder aus, denn beide profitieren von der anderen.

Leo und auch der Rest der Wagners bleibt in diesem Teil sehr schwach und im Hintergrund. Bis auf Linas Vater, der nochmal so richtig auffährt, was am Ende vielleicht sogar ein wenig übertrieben ist. Aber es passt auch wieder zu der ganzen Geschichte rund um die beiden Clans.

Alles in allem bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich mit dem Ende der Reihe zufrieden bin. Was mir aber am Ende gut gefällt ist, dass es doch sehr offen gehalten ist und nicht gesagt wird, dass ab nun alles gut ist und alle glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende lebten. Was mich aber wirklich am Ende gestört hat ist die Geburtsszene. Warum musste die in dieser Form mit in das Buch? Verarbeitet Mella Dumont damit etwas? Warum muss Zoés Start ins Leben so dramatisch und brutal sein?

Und trotzdem hat mir das Buch gut gefallen, denn ich habe sowohl Lina als auch Valerie und natürlich auch Angie ins Herz geschlossen. So ist es schön sie wieder ein Stück auf ihrem Weg begleitet zu haben und zu wissen, dass starke Frauen gemeinsam ganz schön viel schaffen können, übersinnliche Fähigkeiten hin oder her.

Jesper Juul – Dein kompetentes Kind

Jesper Juul ist einer der Autoren, die man lesen „muss“, wenn man mit seinen Kindern bedürfnisorientiert leben möchte. Natürlich ist es keine Pflichtlektüre, aber in jedem Fall regen seine Bücher zum Nachdenken an und geben sehr viele sehr gute Beispiele, in welchen man sich mit Sicherheit immer wieder finden kann.

In Dein Kompetentes Kind zeigt Jesper Juul auf, dass Kinder nicht die sind, für die sie lange gehalten wurden. Unfertige Wesen, die erst noch geformt werden müssen und die, kaum in der Pubertät, rebellieren und enge Grenzen benötigen. Er räumt auf mit den Vorurteilen, dass Kinder nicht kooperieren und überhaupt immer gegen alles sind was die Eltern sagen.

Nach einer Einleitung geht er auf die Art ein, wie Kinder und auch Babys mit den Eltern kooperieren und wie sich diese Kooperation zeigen kann. Hierbei verwendet er viele Beispiele, die helfen die Theorie zu verstehen. Oft erkennen wir Eltern gar nicht, dass das Kind gerade kooperiert, denn kooperieren kann durchaus auch bedeuten, dass Kinder scheinbar gegen uns arbeiten. Aber genau hier ist es wichtig zu hinterfragen und genau hinzuschauen. Warum weint ein kleines Kind, wenn es in der Krippe oder bei der Tagesmutter abgegeben werden soll, obwohl doch alles so schön ist. Und warum tut es das nur bei der Mutter und nicht beim Vater? Will es der Mutter die Trennung noch schwerer machen? Hier lohnt es sich genau hinzuschauen und auch als Mutter (oder auch Vater) noch einmal zu hinterfragen, wie man selbst dieser Sache gegenüber steht. Kooperiert mein Kind hier nicht wunderbar, weil es merkt, dass es für mich nicht die perfekte Situation ist?

In einem nächsten Abschnitt spricht Jesper Juul über Selbstgefühl und Seblstvertrauen. Er gibt sehr viele Beispiele, wie das Sebstvertrauen und auch das Selbstgefühl des Kindes zerstört werden kann. Diese Beispiele regen zum Nachdenken an, muss ich mein Kind wirklich immer loben? Wie wird das Lob verstanden und tut das Kind vielleicht irgendwann nur noch bestimmte Dinge um mir zu gefallen und nicht mehr weil es Spaß an der Sache hat? Und wie ist mit den vielen Warnungen, die wir immer wieder ausstoßen? Was macht das mit den Kindern? Das tolle hier ist, dass Jesper Juul Alternativen aufzeigt. So steht man nach diesem Kapitel nicht mit einem Fragezeichen im Gesicht da, sondern kann sich sehr konkret überlegen wie man einige Dinge anders formulieren und handhaben möchte.

Jesper Juul weißt aber immer wieder darauf hin, dass es wichtig ist, auch auf sich selbst zu achten und so ist es nicht nur wichtig das Selbstgefühl und das Selbstvertrauen der eigenen Kinder nicht zu zerstören (man muss es gar nicht unbedingt stärken), sondern das eigene Selbstgefühl neu zu entdecken und aufzubauen und das evtl. zerstörte eigene Selbstvertrauen wieder aufzubauen.

Vielleicht eines der wichtigsten Kapitel beschäftigt sich mit Verantwortung und Macht. Viele Eltern missbrauchen meiner Meinung nach immer noch ihre Machtposition. Sie setzen Dinge durch, die völlig albern sind, wenn man sich überlegt, man würde genau dies gegenüber einer erwachsenen Person durchsetzen. Natürlich brauchen Kinder aber in manchen Situationen ihre Eltern und manchmal ist es wichtig für die Gesundheit und das Wohlergehen des Kindes, dass die Eltern sich durchsetzen. Und es ist genauso wichtig, dass man das Weglassen von Machtausübung nicht mit dem Weglassen der Übernahme der Verantwortung verwechselt.

Für viele Eltern sind heute immer noch die Grenzen eines der zentralen Themen. Man darf sein Kind nicht verwöhnen, man muss Grenzen setzen. Doch muss man das wirklich und wenn ja welche Grenzen sind durchaus sinnvoll? Wichtig ist vor allem, dass man sich als Mensch nicht aufgibt, wenn man Eltern geworden ist. Man sollte schauen wo die eigenen Grenzen sind und welche Bedürfnisse man hat. Diese durchzusetzen ist überhaupt nicht verkehrt und auch hier gibt Jesper Juul in einem eigenen Kapitel sehr viele gute Hinweise und Ratschläge und untermalt alles mit sehr vielen Beispielen.

Für mich noch sehr entfernt, aber sicherlich trotzdem ein wichtiges Kapitel, ist das Kapitel über den Umgang mit dem Teenageralter der Kinder. Plötzlich verändern die Kinder sich, werden unabhängiger und auch verschlossener. Hier müssen Eltern und Kinder neue Wege finden und genau dazu gibt Jesper Juul Anregungen.

Im Abschluss schreibt Jesper Juul über die Eltern als Menschen und wie wichtig es ist nicht nur Eltern, sondern auch weiterhin Partner und Liebende zu sein. Dieser kurze Abschnitt hat mich in jedem Fall auf sein neuestes Buch Liebende bleiben neugierig gemacht.

Für mich war dieses Buch vielleicht kein Augenöffner, denn wir leben schon sehr viel von dem, was Jesper Juul dort beschreibt. Aber es hat mich bestärkt und untermauert mein intuitives Vorgehen. Es ist auf jeden Fall ein Buch, dass ich nicht nur den bindungs- und bedürfnisorientiert lebenden Eltern ans Herz legen möchte. Denn es ist ein Buch, dass uns hilft zu verstehen, warum unsere Kinder manchmal in unseren Augen so schwierig sind und zeigt auf, dass sie das doch gar nicht sein wollen.

Catherine Ryan Hyde – Wir kommen mit

Ich habe Catherine Ryan Hyde durch mein Kindle Unlimited Abo entdeckt und mag ihre Bücher wirklich sehr gerne. Wir kommen mit ist ein Buch über eine ganz besondere Freundschaft, über die Freundschaft zwischen einem Erwachsenen Mann und zwei Kindern. Es ist die Geschichte einer Freundschaft auf Augenhöhe, etwas besonderes zwischen Kindern und Erwachsenen.

August reist jeden Sommer mit dem Wohnmobil durch den Westen der USA. Diese Reise soll eine ganz besondere sein, denn er möchte den Yellowstone Nationalpark besuchen und dort die Asche seines verstorbenen Sohnes verstreuen. Der Plan war ursprünglich gewesen diese Reise gemeinsam anzutreten und so ist es August extrem wichtig dieses Ziel zu erreichen.

Leider geht sehr schnell sein Wohnmobil kaputt und er landet bei Wes in der Autowerkstatt. Wes ist alleinerziehender Vater zweier Söhne, Seth und Henry und alkoholkrank. Und Wes hat ein Problem, denn seine Alkoholsucht hat ihn wegen wiederholtem Fahren unter Alkoholeinfluss ins Gefängnis gebracht, er muss die Haftstrafe demnächst antreten. Da kommt es ihm sehr gelegen, dass August das Geld für die Reperatur eigentlich gar nicht hat, denn er braucht dieses Geld für das Benzin um überhaupt nach Yellowstone zu gelangen. So macht Wes ihm ein Angebot, dass August annimmt und sich gleich fragt, warum er das tut. Er nimmt die beiden Kinder mit auf seine Reise und bringt sie wieder, wenn Wes seine Strafe abgesessen hat.

Schnell freunden sich der aufgeschlossene 12-jährige Seth und August an. Aber auch Henry hat schnell einen festen Platz in August Herz gewonnen, auch wenn dieser kein Wort spricht und sich sehr verschlossen verhält. Doch August gibt nicht auf und gewinnt nach und nach das Vertrauen des Jungen.

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen, weil mir August sehr sympathisch war. Zu Beginn hatte ich mir ihn als einen kurz vor der Rente stehenden, konservativen Lehrer vorgestellt, musste diese Meinung dann aber im laufe des Buches wieder verwerfen. August hat ein unglaubliches Einfühlungsvermögen und kann das, was viele Leute nicht können. Er nimmt die Kinder an wie sie sind und lässt sie auch so sein. Und das hilft den beiden ungemein.

Und auch Augusts Art zu reisen und sich einfach treiben zu lassen hat mich fasziniert. Er bleibt einfach so lange an einem Ort, bis er ihn satt hat und dann fährt er weiter. Wer mich kennt weiß, dass ich gerne alles bis ins kleinste Detail im Voraus plane und so entgeht mir vielleicht das, was August jeden Sommer erlebt, denn er ist einfach da. Das ist bestimmt etwas sehr wertvolles.

Amulya Malladi – Das Haus der Glücklichen Mütter

IMG_6125In Das Haus der glücklichen Mütter erzählt Amulya Malladi zwei Geschichten, die eng miteinander verbunden sind. Priya und ihr Mann Madhu leben in den USA, haben aber beide indische Wurzeln. Da sie kein eigenes Kind bekommen können, beschließen sie schließlich eine Leihmutter in Indien zu beauftragen. Asha lebt in recht ärmlichen Verhältnissen in einem Dorf in Indien, gemeinsam mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern. Da ihr älterer Sohn sehr intelligent zu sein scheint und sie ihn gerne auf eine gute Schule schicken möchte, entschließt sich Asha Leihmutter zu werden, um das nötige Geld zu verdienen.

Und so wird Asha mit dem Kind von Priya und Madhu schwanger. Die beiden möchten an der Schwangerschaft teilhaben und telefonieren jede zweite Woche mit Asha, wenn diese zu ihren Untersuchungen in das Leihmutterhaus kommt. Asha hat mit diesem Kontakt und dem fremden Baby in ihrem Bauch zu kämpfen. Sie kann sich grade mit der spindeldürren Priya nicht anfreunden und bedauert das Baby, welches bei dieser Person aufwachsen muss. Kurz überlegt sie, ob sie sich nicht einfach mit dem Baby im Bauch aus dem Staub machen soll. Doch sie weiß, dass ihre Familie auf das Geld angewiesen ist und so steht sie alles durch, die Telefonate mit Priya und Madhu, ihren Umzug ins Leihmutterhaus und die Geburt selbst.

Mir hat das Buch recht gut gefallen, vor allem die Darstellung beider Seiten. Mir ging es lange ähnlich wie Asha, Priya war mir einfach nicht sympathisch. Ich stelle es mir auch sehr schwer vor ein Kind auszutragen, welches gar nicht meins ist. Keine Beziehung zu einem Kind aufzubauen, welches neun Monate in einem heranwächst und welches man eine sehr lange Zeit spürt, ist bestimmt nicht einfach.

Auch die Bedingungen unter denen die schwangeren Frauen leben müssen, sind nicht besonders schön. Hinzu kommt, dass in diesem Fall die Leiterin des Leihmutterhauses die Frauen für ihre Zwecke missbraucht und sie erpresst, damit sie bloß immer positiv über das Leihmutterhaus sprechen.

Wer sich also mit diesem Thema auseinandersetzen möchte oder einfach mal ein gut geschriebenes Buch abseits von den üblichen schnulzigen Liebesromanen lesen möchte, ist hier genau richtig.

Steena Holmes – Emmas Rückkehr

Nachdem Steena Holmes über das Verschwinden von Emma geschrieben hat, beschreibt sie in Emmas Rückkehr wie es der Familie ergeht, nachdem Emma wieder daheim ist. Sehr schnell fragt man sich, ob es der Familie jetzt wieder besser geht, denn natürlich ist nicht gleich alles wieder gut und beim alten. Megan ist immer noch überängstlich und lässt ihre drei Töchter nirgendwo alleine hin gehen. Eigentlich ist sie ständig mit den Kindern zusammen und hält vor allem Emma an einer sehr kurzen Leine. Ihre anderen beiden Töchter gehen dabei mal wieder unter. Und auch für ihren Mann und ihre angeknackste Beziehung hat sie keine Zeit.

Aber auch für Emma ist es sehr schwer, denn sie wird unvermittelt aus der Umgebung gerissen, die sie als Heimat angesehen hat. Ab sofort hat sie zwar ihre Eltern und ihre Schwestern wieder, jedoch sind ihre Oma und ihr Opa weg. Megan versucht alles, damit Emma die beiden vergisst und drängt sie damit noch mehr in die Ecke. Für Emma sind ihre beiden Entführer, wenn man Jack, also den Opa, überhaupt so nennen kann, Menschen, die sie sehr liebt und die ihr Sicherheit geben. Glücklicherweise sieht Peter dass und setzt sich über Megans strenge Regeln hinweg.

Sicherlich ist es nicht leicht, wenn ein Kind verschwindet und genauso schwer, wenn es dann wieder auftaucht. Beide Seiten müssen sich wieder aneinander gewöhnen. Ständig muss man mit der Angst leben, dass es wieder passieren kann, auch wenn das sehr unwahrscheinlich ist. Mit der Gewissheit zu leben, dass da andere Menschen sind, die dem Kind eventuell mehr bedeuten als man selbst, ist sicherlich für alle Eltern sehr schwer. Vielen Eltern fällt es ja heute schn schwer ihre Kinder ihnen bekannten Personen anzuvertrauen und zu wissen, dass diese für die Kinder wichtig sind.

Doch ich kann auch verstehen, dass es für ein Kind wie Emma nicht verständlich ist, dass diese Menschen böse sind, denn so hat sie sie nicht erlebt. Natürlich wird sie es mit ihren fünf Jahren verstehen, wenn man ihr erklärt, dass sie nicht das Recht dazu hatten sie einfach bei sich zu behalten. Trotzdem sind es aus ihrer Sicht liebevolle Menschen, die sich immer gut um sie gekümmert haben. Hinzu kommt, dass sie zum Zeitpunkt der Entführung erst drei Jahre alt war, man sagt allgemein, dass sich Kinder nicht mehr an Geschehnisse vor ihrem dritten Geburtstag erinnern können. Umso erstaunlicher finde ich es, dass Emma sofort ihre Eltern wiedererkennt und ohne Widerspruch mit ihnen geht und ihr altes Leben aufnimmt.

Leid tun mir vor allem die beiden älteren Kinder, die nicht nur in den Jahren des Verschwindens unter einer Mutter leiden mussten, die völlig besessen von ihrer Idee war, das verlorene Kind wieder zu finden, sondern die auch jetzt immer noch in den Hintergrund gestellt werden. Immer wieder zeigen beide auf sehr direkte oder indirekte Art, dass sie sich vernachlässigt fühlen und unter der Situation leiden, jedoch sieht Megan das nicht und ist nicht bereit zu handeln. Sehr schade, so verliert sie am Ende vielleicht alle drei Kinder.

Was mich leider, wie auch schon im ersten Teil, gestört hat sind die logischen Fehler. Einiges kann ich durchgehen lassen, aber die Geschichte von Megan und ihrer Freundin Laurie total zu ändern von Band eins zu Band zwei finde ich schon sehr schwach. Auch sonst konnte mich die Art zu schreiben nicht wirklich überzeugen. Die Idee ist gut und das Thema sicherlich wichtig, aber es hätte besser aufbereitet werden können.

Virginia Fox – Das Drachenmädchen

IMG_6121Die liebe Virginia Fox hat mir ihr neuestes Buch Das Drachenmädchen vorab zugesandt, damit ich es lesen und rezensieren darf. Das ist total toll, denn Virginia gehört zu einer meiner liebsten Autorinnen. Ihren ersten Roman Die Drachenschwestern habe ich schon dreimal gelesen und bin jetzt bereit ihn auch ein viertes Mal zu lesen, genauso wie die anderen Teile der Reihe. Ich bin ein riesen Fan der Drachen und habe mich deswegen unheimlich gefreut endlich wieder auf den Hof der Drachenschwestern zurückzukehren.

Luna-Maie ist mittlerweile kein Baby mehr, sondern ein Mädchen von 15 Jahren. Sie kann sich immer noch in einen Drachen verwandeln und das nun auch viel besser kontrollieren, als es ihr noch als Baby möglich gewesen ist. Doch fest steht, diese Fähigkeit wird irgendwann in der Pubertät verschwinden. Das kann sie sich nicht vorstellen, wie wird es sein, wenn sie nie wieder fliegen können wird. Zusammen mit Ramiro, der ja eigentlich Sierras persönlicher Drache ist, sucht sie nach einer Lösung.

Doch erstmal wird alles nur noch komplizierter, denn ihr Vater findet heraus, was sie ist und findet das alles gar nicht gut. Er ist entsetzt, dass seine Tochter sich in ein Monster verwandeln kann und dass sowohl seine Frau als auch seine Tochter ihm diese Tatsache verschwiegen haben. Doch nicht nur dass, er weiß auch von der Existenz der anderen Drachen und hat Schwierigkeiten sich anzpassen. Die gute Beziehung von Vater und Tochter geht in die Brüche.

Und dann ist da noch Ben, der Schulschwarm, auf den auch Luna-Maie steht, was sie aber nie zugeben würde. Und deswegen ist sie auch etwas verwirrt, als er plötzlich Interesse an ihr bekundet und versucht so viel wie möglich über sie herauszufinden. Dabei hat er ein Geheimnis, dass bei ihr gut aufgehoben wäre.

Ich bin total begeistert von der Fortsetzung und ganz traurig, dass ich sie so schnell ausgelesen hatte. Es ist schön die drei Drachenschwestern wiederzuerleben, auch wenn sie nur eine kleine Rolle spielen. Und natürlich die Drachen, die sich in den paar Jahren (ein Wimpernschlag in Drachenleben) kein bisschen verändert haben. Lance ist immer noch mein absoluter Liebling. Ich hatte nur erwartet, dass Luna-Maie nicht mehr das einzige Kind auf dem Hof ist. Aber wer weiß was da noch alles kommt.

Die Geschichte um Luna-Maie und ihre Drachenkräfte ist spannend und lässt nochmal einen ganz neuen Blick auf die Drachengeschichte werfen. Ich kann gut ihre Zerrissenheit verstehen, ist doch alles unklar für sie. Und dann auch noch so ein Streit mit ihrem Vater, der für sie immer eine wichtige Stütze in ihrem Leben war.

Das Buch ist ein Jugendbuch, ist aber auch für einen Erwachsenen gut zu lesen. Ich habs auf jeden Fall gerne gelesen und hoffe ganz fest, dass da noch ein Band oder zwei kommen werden. Einige Dinge sind auch noch nicht komplett aufgelöst, Stoff für weitere Bände ist noch da. Ich werde sie auf jeden Fall lesen, mehrmals.

Jutta Speidel und Bruno Maccallini – Wir haben gar kein Auto

Jutta Speidel und ihr Lebensgefährte Bruno Maccallini haben die wahnsinnige Idee in nur zehn Tagen mit dem Rad einmal quer über die Alpen zu fahren, genauer gesagt von München nach Merano. Ihre Erlebnisse halten sie in Wir haben gar kein Auto fest und dies auf eine sehr interessante Weise. Beide beschreiben den jeweiligen Reisetag aus ihrer Sicht und tauschen sich auch bis zur Fertigstellung nicht über ihre Texte aus. So bekommt man teilweise das Gefühl, dass die beiden nicht zur selben Zeit die selbe Strecke gefahren sind.

Jutta Speidel schreibt so wie sie spricht, sie erzählt von kleinen Begegnungen und von wunderschönen Flecken, an denen sie vorbeigeradelt sind. Es ist herrlich mitzuerleben, wie sie sich über ihren dauertelefonierenden und mit der Technik der Kamera kämpfenden Italiener herzieht. Dies aber immer wieder in einer liebevollen Art, auch wenn das dem ein oder anderen vielleicht schon zu viel der Information ist.

Bruno Maccallini dagegen schreibt kaum etwas über die Strecke oder über Menschen, denen sie begegnet sind. Manchmal fragt man sich, ob er einfach große Teile der Strecke verschlafen hat oder geistig abwesend war. Dafür schildert er dann ausgiebig, wie lange er und wie lange seine Lebensgefährtin im Bad braucht, nur um sich rechtfertigen zu können, dass er gar nicht so langsam ist wie sie behauptet.

Ich muss ehrlich sagen, dass mir die Teile von Bruno Maccallini nicht gut gefallen haben, vielleicht lag es zum Teil auch daran, dass sie immer nach denen von Jutta Speidel kamen und eben teilweise eine Wiederholung darstellten. Die Art von Jutta Speidel zu erzählen hat mir definitiv mehr zugesagt. Sie erzählt mit Witz und Ironie und lässt den Leser mit die Berge hoch und runter fahren.

Lust selbst einmal solch eine Tour zu machen hab ich nach dem Buch nicht, auch wenn es zeigt, dass man diese auch als völlig ungeübter Fahrer bewältigen kann. Mir reicht es hier im flachen Taunus die Berge mit dem Rad bezwingen zu müssen.