J. Vellguth – Der Duft von Büchern und Kaffee

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Wer Bücher und Kaffee mag wird Der Duft von Büchern und Kaffee von J. Vellguth mögen und schon beim Lesen des Titels diesen besonderen Duft in der Nase haben. So zumindest ging es mir, als ich diesen Titel entdeckt hatte und so musste ich mir das Buch ausleihen. Gelesen habe ich es auf dem Kindle, also komplett ohne Bücherduft.

Amy arbeitet in einer Buchhandlung und ist sehr glücklich darüber diesen Job bekommen zu haben. Sie hat keine besonders schöne Vergangenheit und versucht diese auch zu vergessen. Das einzige, dass sie aus ihrer Vergangenheit mitbringt ist ihr Hund, der sie treu überall hin begleitet. Amy fühlt sich in dem Buchladen wohl, sie liebt Bücher und besonders deren Duft. Außerdem hofft sie, dass sie irgendwann den Laden von der älteren Dame übernehmen darf, die ihn führt.

Doch dann taucht Ryan auf, der Enkel der Ladenbesitzerin und mit ihm ein merkwürdiger Brief. Derjenige, der die bessere Idee für den Laden hat, soll ihn bekommen. Ryan hat auch direkt eine Idee, er ist Musiker und möchte aus dem Laden eine Pianobar machen. Amy bekommt es mit der Angst zu tun, erinnert Ryans Outfit mit der zerissenen Hose und der Lederjacke doch zu sehr an die Männer aus ihrer Vergangenheit.

Doch ganz kann sich Amy nicht gegen Ryans Charme verwehren, vor allem nicht, weil er eine Kaffeemaschine und einen Milchschäumer im Gepäck hat und einen wundervollen Kaffee zaubern kann. Bald schon riecht es in dem Buchladen nicht mehr nur noch nach Büchern, sondern auch nach Kaffee und das lockt zusätzliche Kundschaft an. Doch Amy ist das nicht wirklich recht, sie möchte den Laden so behalten wie er ist.

Langsam nähern sich aber Ryan und sie an und es kommt wie es eben in solchen Büchern kommen muss, sie landen zusammen im Bett. Doch hinterher ist nicht alles toll, denn beide werden von ihrer Vergangenheit eingeholt. Während Amy beschließt sich zu öffnen und mit ihrer Vergangenheit abzuschließen, verheimlicht Ryan ihr seine Probleme und plötzlich sind sie sich wieder völlig fremd.

Es ist ein Liebesroman wie es viele dieser Art gibt, jedoch ist er schnell und angenehm zu lesen. Ryan und Amy sind mir nicht unbedingt sympathisch, aber ich mag Buchhandlungen und ich mag Menschen, die Bücher mögen. Außerdem mag ich Kaffee und so hatte das Buch doch für mich eine super Mischung.

Natürlich möchte man oft schreien und sagen: „Jetzt reißt euch doch mal zusammen und seid ehrlich miteinander“, aber genau das geht nicht und macht ja auch das Buch aus. Und wer weiß, wie man selbst in solchen Situationen reagieren würde.

Michelle Schrenk – Weihnachtswünsche und andere Katastrophen

img_5836In Weihnachtswünsche und andere Katastrophen lässt Michelle Schrenk Marie ihre ganz persönliche Weihnachtsgeschichte erzählen. Marie mag Weihnachten nicht mehr, schon in ihrer Kindheit war es nie schön, da der Weihnachtsmann ihr keine Wünsche erfüllt hat. Dabei handelte es sich bei ihr meist nicht um Materielles, sondern um zwischenmenschliches. Eltern, die sie lieben und wahrnehmen zum Beispiel. Doch in diesem Jahr ist alles noch viel schlimmer, denn das Christkind hat ihr den Mann ausgespannt, mit dem sie alt werden wollte.Natürlich nicht das echte Christkind, sondern nur die Frau, die in diesem Jahr in Nürnberg das Christkind verkörpert.

Marie ist frustriert und auch verbittert. Und deswegen kommt sie auf die nicht gerade schlaue Idee eine ganze Flasche Wein alleine zu trinken und sich danach auf die Straße zu legen. Zum Glück kommt ein junger Mann vorbei, der sie dort aufsammelt. Er hat ein schönes Gesicht, wie ein Lebkuchen, Marie nennt ihn den Lebkuchenmann. Und dem begegnet sie plötzlich wieder, als sie in ein kleines Weihnachtsdorf reist um die Biografie von einem Herrn Klaus zu schreiben.

Doch schnell stellt sich raus, der Lebkuchenmann Niklas ist ein echter Weiberheld und so nimmt Marie schnell Abstand von ihm. Dazu kommt, dass Herr Klaus nie Zeit für sie hat und sie so noch nicht mal arbeiten kann. Doch dann begegnet sie einem netten älteren Herren, der ihr sagt, dass man für seine Wünsche selbst verantwortlich ist.

Das Buch ist ein schönes Weihnachtsmärchen, auch wenn es erstmal nicht nach einem Märchen klingt. Marie erscheint oft ein bisschen naiv und urteilt sehr schnell über Menschen. Das ist etwas schade, passt aber so zu der Geschichte. Es wäre auch alles viel zu einfach, wenn sie nicht immer alles überstürzen würde. In gewisser Weise macht sie das sogar liebenswert.

Ich habe mir erst ein wenig schwer mit den „Märchenelementen“ getan, welche erwachsene Frau glaubt noch an den Weihnachtsmann (mal davon abgesehen, dass der eine Erfindung eines großen Getränkeherstellers ist und doch jedes Weihnachten für die Kinder das Christkind kommt). Aber vielleicht ist es auch richtig, dass man auch als Erwachsener noch ein wenig an den Zauber glauben kann, den eine Zeit wie Weihnachten mit sich bringt. Das ist etwas, dass das Weihnachtsfest, neben der frohen Botschaft, zu etwas besonderem macht.

Katrin Koppold – Zimtzauber

img_5846Meine Lieblingsautorin Katrin Koppold hat ein Weihnachtsbuch geschrieben. In Zimtzauber erzählt sie die Geschichte von Elisa, der Schwester von Tom, den wir aus Mondscheinblues kennen. Elisa arbeitet in einer kleinen Buchhandlung und ist damit glücklich. Jedoch macht ihr ihre Chefin zu schaffen, denn die mag die Buchhandlung gar nicht und ist eigentlich nur auf Gewinn aus. Und genau an dem Tag als die Chefin vorbeischaut verirrt sich eine Taube in den Kamin, die einzige verlässliche Wärmequelle des Ladens. Schnell muss ein Schornsteinfeger her, der die Taube dort herausholt. Der Schornsteinfeger kommt und bringt Elisa leider überhaupt kein Glück, sondern haufenweise Pech. Und das alles nur, weil sie ihn versehentlich mit einem Besen ko geschlagen hat.

Auf der Scheidungsparty ihrer Kollegin Elke sagt ihr eine Wahrsagerin schließlich voraus, dass sie so lange vom Pech verfolgt wird, bis sie dem armen Mann etwas gutes getan hat. Und so macht sich Elisa auf den Weg herauszufinden wer der Schornsteinfeger ist und wo der sich gerade aufhält. So kommt es, dass sie ihn in seinem Weihnachtsurlaub überfällt und mit aller Macht versucht einen Gefallen zu tun. Natürlich will das nicht gelingen und Mark, der Schornsteinfeger, ist von der aufdringlichen Fremden mehr als nur genervt.

Leider ist das Buch sehr kurz geworden, ich hätte mir ein paar Seiten mehr gewünscht, vor allem auch, weil ich den Schreibstil von Katrin Koppold so gerne mag. Schön war es zumindest Nina und Tom in dem Buch wiederzutreffen, ich hätte aber nichts dagegen gehabt auch die Schwestern aus der Sternschnuppen-Reihe wiederzutreffen. Aber vielleicht kommt das ja in einem der nächsten Bücher, denn das kündigt Katrin Koppold schon in den Danksagungen an. Ich bin gespannt und hoffe, dass sie ganz schnell weiterschreibt und uns noch viele tolle Bücher schenkt. Ich verschenke jetzt erstmal zwei ihrer Bücher zu Weihnachten.

Nicholas Drayson – Kleine Vogelkunde Ostafrikas

img_5849Ich liebe Vögel und so hat mich dieser Buchtitel doch sehr gelockt. Und tatsächlich erfährt man in Kleine Vogelkunde Ostafrikas von Nicholas Drayson auch so allerhand über die dort heimische Vogelwelt. Doch viel mehr geht es um Mr. Malik, ein älterer Herr, der sein geregeltes Leben liebt. Er ist älteren Semsters, hat sich zur Ruhe gesetzt und die Geschäfte seiner Tochter Petula überlassen. Jeden Dienstag Vormittag nimmt er an der Vogelwanderung teil, welche von Rose Mbakwa geleitet wird. Und in Rose ist Mr. Malik verschossen, doch das kann er kaum sich selbst gegenüber zugeben. Und so himmelt er Rose nur aus der Ferne an und überlegt immer wieder, wie er eine Einladung zu einem Ball formulieren kann.

Doch plötzlich wird er zum Handeln gezwungen, denn sein alter Freund oder Feind aus Schultagen, Harry Khan, taucht in Nairobi auf und beginnt Rose zu umwerben. Und auch er möchte Rose zu dem Ball einladen. Schnell ist klar, es kann nur einer eine Einladung aussprechen, denn sonst würde Rose in Verlegenheit gebracht werden. Im Club findet sich eine Lösung für dieses Problem, ein Wettstreit wird ausgerufen. Der Gewinner darf Rose zum Ball einladen.

Und so beginnen Mr. Malik und Harry Khan Vögel zu zählen, denn genau darum geht es in dem Wettstreit. Von jeder Art wird ein Exemplar gewertet, es geht also darum möglichst viele Arten zu finden. Die Regeln sind streng, keine Hilfsmittel erlaubt. Mr. Malik geht relativ gelassen an die Sache ran, ja vielleicht sogar etwas naiv. So kommt es auch, dass ihm im Verlauf des Buches sein Auto gestohlen wird und kaum das er es wieder hat von Verbrechern die Scheibe und die Reifen zerschossen werden.

Es ist ein kurzweiliges Buch um einen netten Protagonisten. Mr. Malik ist eigen, aber auf eine ganz besondere Art. Manchmal möchte man fast schreien, weil er sich so wenig Mühe gibt den Wettstreit zu gewinnen. Aber genau das ist seine Art und genau das muss man als Leser akzeptieren.

Nebenbei erfährt man einiges über die Vogelwelt Ostafrikas. Mir war überhaupt nicht bewusst was für schöne Vögel dort leben und in welch eine Vielzahl sie dort vorkommen. Eigentlich hatte ich immer vor mal in den Amazonas oder nach Australien zu reisen um Papageien oder Nymphensittiche in freier Wildbahn zu sehen. Jetzt hätte ich noch ein Ziel mehr, die Vögel dort sind sicherlich auch eine Reise wert.

Rafael Eigner – Kammerflimmern und Klabusterbeeren

img_5847Noch ein Buch, mit dem ich mir etwas schwer getan habe, war Kammerflimmern und Klabusterbeeren von Rafael Eigner. Eigentlich ist es eine schöne Geschichte, die er dort erzählt und auch der Einblick in das Leben eines Notarztes in der Notaufnahme ist spannend, doch so ganz warm bin ich mit den beiden Protagonisten Benny und Ricky nicht geworden.

Benny wacht nach einer Nacht mit zu viel Alkohol in seinem Bett mit einer frisch genähten Wunde an der Stirn auf. In seinem Bad findet er eine blutige Slipeinlage, seine Klamotten liegen ordentlich gefaltet auf einem Stuhl, das letzte Kaffeepad ist verbraucht und sein Buch ist weg. Außerdem findet er einen kurzen Brief von einer Ricky, kann sich aber auf nichts einen Reim machen, da er sich an nichts mehr erinnern kann. Seine Vermieterin und sein Freund Dobro, die beide in den Wohnungen unter ihm wohnen, können ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Doch Benny erfährt erst nach einigen Wochen was genau passiert ist, denn so lange dauert es bis Ricky sich bei ihm meldet.

Aus einem ersten langen Telefonat mitten in der Nacht und mit zu viel Alkohol entspinnt sich zwischen den beiden eine Liebesgeschichte. Doch die beiden sind nicht an einem Ort, denn Ricky ist erst vor kurzem von Stuttgart nach Mallorca gezogen. So telefonieren die beiden und tauschen fast dauerhaft Nachrichten aus, Benny hat eigentlich nur noch sein Handy in der Hand.

Nebenbei erfährt man einiges über Bennys Leben als Arzt in der Notaufnahme. Manchmal finde ich es ein wenig grenzwertig, wie er mit den Patienten umgeht. Wahrscheinlich braucht es aber eine gehörige Portion Humor um dort zu arbeiten. Nicht unbedingt wegen der schlimmen Fälle sondern wegen all der Menschen, die nicht mehr erkennen, dass ihr Wehwehchen kein Fall für die Notaufnahme ist.

Leider bin ich mit Benny und Ricky und vor allem dem Humor der beiden nicht so richtig warm geworden. Benny hat auch zwei sehr widersprüchliche Seiten. Zum einen ist er der lustige Clown, der jedem einen blöden Spruch reindrückt. Zum anderen ist er aber sehr sentimental, liest viel, spielt romantische Lieder auf der Gitarre und singt. Das passt manchmal nicht so ganz zusammen.

Alles in allem ist es ein nettes Buch, das durch die vielen Textnachrichten ein bisschen länglich geworden ist. Mir hat es eindeutig zu lange gedauert, bis Rafael Eigner auf den Punkt gekommen ist. Viele der Nachrichten hätten auch nicht sein müssen. Sicherlich gibt es aber viele Menschen, denen gerade das gefällt, ich gehöre eher nicht dazu.

Petra Dalquen – Küssen Inder anders?

img_5848Ein Buch, an dem ich wirklich lange gelesen habe war Küssen Inder anders? von Petra Dalquen. Ich hatte etwas ganz anderes erwartet anhand des Klappentextes, mir war nicht klar, dass es um Frauen geht, die schon in Rente sind. Finde ich an sich nicht schlimm, gibt dem Buch aber eine ganz andere Richtung. Nach dem Lesen des Klappentextes hatte ich sehr junge Frauen erwartet.

Doch ganz so schlecht war das Buch nicht, ich brauchte nur eine Weile um hereinzukommen und das hat gedauert. Anscheinend lese ich langsamer, wenn mir ein Buch nicht gefällt, oder es fühlt sich langsamer an. Der erste Teil des Buches, in dem der Leser die Frauen kennenlernt und einiges über sie erfährt war auch sehr hölzern geschrieben. Die Damen wollten mir auf den ersten Blick nicht sympathisch werden.

Die sechs Freundinnen Babette, Leo, Joe, Anna-Marie, Francine und Bernarda treffen sich regelmäßig zum Karten spielen. Anscheinend spielen sie um Geld, das in eine gemeinsame Kasse fließt und es scheint einiges an Geld zu sein. Am Ende der Spielrunde wird das Geld auf den Kopf gehauen. Die letzte muss eine Aufgabe erfüllen und darf dann bestimmen, was mit dem Geld passiert. Diesmal ist es Francine und sie beschließt sich und dem Großteil der Gruppe einen großen Wunsch zu erfüllen, eine Yogarundreise durch Indien. Alle sind begeistert, nur Bernarda nicht.

Bernarda ist eine sehr unsympathische Frau, bei der man sich fragt, warum sie sich eigentlich mit Menschen umgibt, die sie absolut nicht leiden kann. Im Laufe des Buchs erfährt man schließlich was Bernarda in ihrem Leben passiert ist und sie ändert sich schlagartig. Für mich nicht ganz glaubwürdig. Trotzdem entwickelt sich ihre Geschichte zu einer der schönsten des Buches.

Auch Francine hat ein Geheimnis, das sie lange vor ihren Freundinnen geheim hält. Das ist ein bisschen schade, denn ich bin der Meinung, dass sie ihre guten Freundinnen schon viel früher viel intensiver an ihrer Seite gebraucht hätte. Leider haben aber viele Menschen mittlerweile solch eine Einstellung. Sie wollen alles mit sich alleine ausmachen und ja niemanden mit ihren Sorgen belasten oder gar um Hilfe bitten.

Alles in allem ist es ein nettes Buch an dem sicherlich Menschen, die selbst Yoga machen und sich in diesem Bereich auch etwas besser auskennen, ihren Spaß haben. Leider ist der Schreibstil etwas hölzern und die Figuren sind sehr stereotyp und bleiben flach. Das ist schade, man hätte sicherlich mehr aus der Geschichte machen können.

Lea Streisand – Im Sommer wieder Fahrrad

In Im Sommer wieder Fahrrad erzählt Lea Streisand von dem Jahr in dem sie Krebs hatte. Gleichzeitig erzählt sie aber auch die Geschichte ihrer Großmutter, die von allen nur Mütterchen genannt wird. Mütterchen ist Leas Vorbild, denn Mütterchen hat immer gemacht was sie wollte. Sie erlebte zwei Weltkriege, wurde Schauspielerin und später Regieassistentin, zog zwei Töchter größtenteils alleine groß und starb schließlich mit über 90 Jahren an Demenz.

Nach Mütterchens Tod löst Lea mit ihrer Mutter und ihrer Tante deren Wohnung auf. Alles was Erinnerungen enthält sammelt Lea zusammen, denn schon lange hat sie die Idee über ihre Großmutter zu schreiben. So kommt sie auch zu einem Koffer voller Briefe und Reisetagebücher, die in das Buch einfließen.

Doch Lea Streisand erzählt nicht nur die Geschichte ihrer Großmutter, sie erzählt auch von ihrer Krebserkrankung. Und da nimmt sie kein Blatt vor den Mund, sagt wie es war und wie bescheiden sich das alles anfühlt. Sie schreibt darüber, dass sie das Mitleid und die Hilflosigkeit ihrer Bekannten und Freunde schwer ertragen konnte. Und darüber wie einsam es ist krank zu sein, wie schwer es ist durchs Leben zu kommen, wenn man plötzlich auf Grund einer Krankheit kein Einkommen mehr hat. Und wie wenig man plötzlich noch über seinen eigenen Körper bestimmen kann. Immer wieder kommen Krankenschwestern und Ärzte, nehmen Blut ab und führen die unterschiedlichsten Untersuchungen durch.

Zuerst hatte ich Bedenken wegen der Mischung, die beiden Themen sind nun doch sehr unterschiedlich. Ich hatte befürchtet, dass es immer wieder Sprünge geben würde und die zwei Geschichten eigentlich nebeneinander erzählt würden. Doch genau das ist nicht der Fall, es geling Lea Streisand die beiden Geschichten zu verweben, es gelingt ihr ihr Leben und Leiden ganz natürlich mit dem Leben ihrer Großmutter zu verbinden.

Das Cover des Buchs gefällt mir sehr gut, ich nehme an, dass es ein Bild der Großmutter zeigt. Und genauso habe ich mir die Frau vorgestellt, es gibt die Stimmung wieder, die Lea Streisand im Buch beschreibt. Lediglich den Preis von 20 Euro finde ich selbst für ein Hardcover mit verhältnis wenigen Seiten doch sehr teuer.

Nele Neuhaus – Wer Wind sät

img_5812-kopieEndlich habe ich mal wieder einen Nele Neuhaus-Krimi gelesen, diesmal Wer Wind sät. Wie immer ein Krimi, der mir sehr gut gefallen hat, auch wenn ich diesmal sehr früh den Verdacht hatte, dass ich den wahren Mörder kenne. Und tatsächlich war es am Ende auch so. Schade eigentlich, denn bisher ist es Nele Neuhaus immer gelungen so zu schreiben, dass mir völlig unklar war, wer nun was getan hat.

Diesmal ermitteln Pia und Bodenstein im Dunstkreis einer Bürgerinitative, die sich gegen den Bau von Windrädern im Vordertaunus einsetzt. Gerade für Bodenstein wird es kein leichter Fall, denn der engste und älteste Freund seines Vaters ist das zweite Mordopfer. Aber auch Bodensteins Eltern sind in der Bürgerinitiative aktiv und fürchten kurzzeitig um ihr Leben, denn der verstorbene Freund hat ihnen eine Wiese vermacht, die für die Baufirma des Windparks von Interesse ist und für viel Geld gekauft werden soll.

Nele Neuhaus erzählt aber nicht nur aus der Sicht von Pia und Bodenstein, sondern auch der Mitglieder der Bürgerinitative und ihren Familien. Alle hängen irgendwo mit drin hat man das Gefühl, kann es aber nicht richtig greifen. Was bezweckt Jannis mit seiner Hetze gegen die Baufirma? Warum ist Ricky so naiv und lügt aber gleichzeitig ohne mit der Wimper zu zucken? Und was hat Nika zu verheimlichen? Es werden viele Fragen aufgeworfen, auf die man nur nach und nach eine Antwort findet.

Diesmal stürzt Bodenstein meiner Meinung nach auch ab, er lässt sich treiben, nimmt seine Arbeit nicht ernst genug und geht vor allem nicht auf die Sorgen und Ängste seiner Eltern ein. Außerdem verliebt er sich ziemlich unglücklich, aber das hat er ja auch im vorigen Band schon.

Alles in allem ist es ein typischer Nele Neuhaus-Taunuskrimi und das ist auch gut so, denn genau deswegen mag ich diese Bücher so gerne. Pia wird mir mit jedem Buch sympathischer, Bodenstein irgendwie nicht. Muss er ja aber auch nicht. Ich freu mich auf jeden Fall auf die nächsten Bände und bin sehr gespannt, wie es mit den beiden so weitergeht, denn man erfährt auch in jedem Band etwas über ihre Geschichte.

Virginia Fox – Rocky Mountain Race

img_5808-kopieVirginia Fox hört nicht auf die Rocky Mountain-Reihe zu schreiben und das finde ich gut. Mit Rocky Mountain Race ist der mittlerweile achte Band der Reihe erschienen. Leider gehört dieser für mich zu den schwächeren Teilen, aber das ist sicher geschmacksache.

Becca, die wir aus dem vorherigen Band als Schwester von Hank kennen, spielt in diesem Band die Hauptrolle. Sie soll das große Rodeo in Independenc eröffnen, ist sie doch eine Berümtheit im Rodeosport, eher gesagt im Barrel Racing. Becca hat nur mäßig Lust das Rodeo zu eröffnen, macht sie doch gerade sowieso eine Pause und plant eigentlich auch aufzuhören. Hinzu kommt, dass ihr Ex-Freund Adrian nach Independence gezogen ist. Er hatte sie sechs Jahre zuvor ganz plötzlich verlassen, nun hat er ein zehnjähriges Kind. Becca versucht ihm aus dem Weg zu gehen, was ihr aber nicht wirklich gelingt, denn er wirkt nach wie vor anziehend auf sie.

Doch ihre Beziehung zu Adrian soll nicht ihre einzige Sorge bleiben. Schon lange bekommt sie immer wieder Drohungen von Tierschützern, die der Meinung sind, dass Becca ihr Pferd Roxie mit dem Barrel Racing quält. Bisher hielt sich das ganze in Grenzen, sie bekam Drohbriefe oder ihr Auto oder der Pferdeanhänger wurden beschmiert. Nun nimmt das ganze aber eine neue Dimension an, denn die Tierschützer scheinen ihr ernsthaft schaden zu wollen.

Nebenher, und das ist auch etwas, dass mich diesmal wirklich gestört hat, wird die Geschichte von Melissa und Toby weitererzählt. Die beiden sind sich in vorherigen Teilen schon näher gekommen und ich hatte gehofft, dass sie in einem der Folgebände die Hauptrollen übernehmen werden. Dem ist aber nicht so. Irgendwie passt es für meinen Geschmack nicht wirklich rein. Bisher handelte jeder Teil von einem Paar, es wurde eine Geschichte erzählt und das war auch gut so. Meist wurden die Protagonisten der Folgebände am Ende des Buchs eingeführt. So sollte es bitte auch bleiben.

Alles in allem ist es aber wieder ein tolles Buch von einer tollen Autorin. Ich mag die Welt, die sie erschaffen hat und freue mich mit jedem Band nach Independence zurückzukehren und auch zu erfahren, wie es den ganzen anderen bekannten Personen ergangen ist.

Julia Dibbern und Nicola Schmidt – Slow Family

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Ich habe das wundervollste Buch gelesen, dass dieses Jahr erschienen ist, zumindest aus meiner Sicht. Julia Dibbern und Nicola Schmidt schreiben in Slow Family – Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern von ihren Erfahrungen und Erlebnissen, die sie mit ihren Kindern gemacht haben. Sie haben ausprobiert und Dinge für gut befunden, sie haben sich mit Menschen umgeben, die ihnen gut getan haben und die ihnen uneingeschränkt geholfen haben. Sie haben das Tempo aus ihrem Leben und somit aus dem Leben ihrer Kinder genommen. Und sie sind glücklich damit. Dabei machen sie nicht alles gleich oder halten sich streng an irgendwelche Regeln oder Vorschriften. Sie geben keine Anweisungen, wie man sich zu verhalten haben muss oder bewerten das ein oder andere Lebensmodell.

Zu Beginn führen Julia und Nicola den Leser in das Thema ein, sie zeigen auf, was die Forschung bisher zustande gebracht hat und entwickeln ihre ganz eigene Familienbedürfnispyramide. Sie plaudern aus dem Nähkästchen und erzählen, wie ihr Weg hin zu einem artgerechten und entspannten Leben mit ihren Kindern war.

Im zweiten Teil des Buchs listen sie die sieben Zutaten auf, die aus ihrer Sicht zu einem einfachen und entspannten Leben mit Kindern dazu gehören und erklären auch, warum es gerade diese Zutaten braucht. Natürlich ist es kein Rezept, es gibt keine Garantie, dass das für jeden Menschen so funktioniert. Aber es ist eine Idee und ein Rahmen, den man ganz für sich ausfüllen kann.

Im dritten Teil schreiben die beiden über das „Slow Village“, also die Gemeinschaft oder das Dorf das es braucht um Kinder großzuziehen. Es sind die einfachen Dinge, die in diesem Kapitel beschrieben werden. Zuerst fragt man sich, ob man darüber wirklich schreiben muss, doch dann kommt man tatsächlich ins Grübeln. Vieles ist für uns heute selbstverständlich, wir nehmen die Menschen um uns rum kaum noch wahr. Wann haben wir das letzte Mal angehalten und ganz bewusst einen Nachbarn oder Bekannten begrüßt und uns ehrlich nach seinem Befinden erkundigt? Wann haben wir das letzte Mal unseren Stolz überwunden und jemand anderen um Hilfe gebeten? Wann haben wir das letzte Mal entspannte Zeit mit Freunden verbracht? Diese und viele andere Fragen wirft dieses Kapitel auf. Und mich zumindest hat es zum Nachdenken angeregt.

In einem vierten Teil geht es um „Slow Nature“, es geht darum zurück zur Natur zu finden. Natur ist für viele Menschen heutzutage etwas gefährliches. Im Wald gibt es Zecken, die Sonne könnte zu stark sein, der Regen zu nass, der Winter zu kalt. Außerdem kann man sich draußen dreckig machen oder verletzen. Na und! Geht raus, geht in die Natur, genau das fordern Julia und Nicola und haben damit absolut recht. Ich war als Kind gerne und viel draußen, ich war das dreckigste Kind, dass nach Hause kam, aber ich habe es in schöner Erinnerung. Möchte ich, dass meine Tochter nur daheim sitzt oder noch schlimmer von einer Aktivität zur nächsten hetzt wenn sie alt genug ist? Eigentlich nicht. Viel lieber möchte ich mit ihr raus gehen, im Dreck wühlen, Kastanien sammeln, auf Bäume klettern, barfuß durch den Schnee laufen und so viel mehr. Es gibt kaum etwas auf das ich mich mehr freue.

Im fünften Teil geht es um das „Slow Family Life“. Wie bekomme ich in dieser hektischen Welt ein wenig mehr Entspannung und Ruhe in meinen Alltag. Das ist gar nicht so leicht und auch Julia und Nicola und ihre Familien sind da nicht perfekt. Aber sie haben ein paar Strategien entwickelt, die helfen nicht völlig gestresst durchs Leben zu gehen, dabei aber nicht alles auf die leichte Schulter zu nehmen. Es sind einfache Dinge, wie das frühzeitige losgehen. Sie raten aber auch, manchmal einfach die Dinge etwas lockerer zu sehen. Wie schlimm ist es, wenn das Kind mal einen Abend nicht die Zähne putzt, wir dafür aber keinen Machtkampf ausgefochten habe= Es schadet niemandem, im Gegenteil, die Situation ist danach eventuell nicht noch verfahrener.

In mir wirkt dieses Buch unheimlich nach. Es enthält keine Geheimnisse oder genaue Anleitungen, was ich in meinem Leben ändern muss, damit ich entspannt bin. Aber es enthält einen Haufen Ideen, die in meinem Kopf herumwirbeln. Und es enthält sehr viele Berichte von Julia und Nicola und ihren Bekannten. Man erfährt, was sie alles probiert haben und auch woran sie kläglich gescheitert sind.

Es ist ein Buch, dass jeder Mensch lesen sollte, der sein Leben mit Kindern teilt. Es ist ein Buch, das wachrüttelt und den Menschen hoffentlich ein wenig die Augen öffnet. Die Welt ist nicht böse, gehen wir also raus und erleben sie.