Katharina Saalfrank – Du bist ok, so wie du bist

Ich hatte mich im Zuge meiner artgerecht-Ausbildung auch mit einigen Autoren auseinandergesetzt, die „Erziehungsratgeber“ geschrieben haben, obwohl es in all diesen Büchern um Beziehung statt Erziehung geht. An Katharina Saalfrank kommt man in diesem Kontext nicht vorbei und ich finde es einen sehr positiven Schritt, den sie gegangen ist. Weg von der streng schauenden Super-Nanny, hin zu einer lächelnden Person. Du bist ok, so wie du bist ist ihr erstes Buch in diese Richtung und in diesem schreibt sie vom Ende der Erziehung bzw. von Beziehung statt Erziehung.

Leider bringt das Buch nicht viel neues, zumindest nicht, wenn man vorher schon andere Bücher dieser Art gelesen hat. Bei einigen Passagen habe ich mich auch gefragt, ob sie sich nichts „neues“ hätte ausdenken können, hatte ich doch kurz vorher Dein kompetentes Kind von Jesper Juul gelesen. Ein Buch, dass mich tatsächlich begeistert hat. Leider (oder zum Glück, wie man es sehen mag) hat Katharina Saalfrank dieses Buch auch gelesen und ich hatte das Gefühl, dass sie sich sehr stark an ihm orientiert hat. Das ist ja grundsätzlich nicht schlimm, aber es war mir persönlich einfach zu ähnlich.

Nicht destotrotz ist es ein Buch, dass viele wichtige Themen anspricht. Katharina Saalfrank erklärt erst einmal wo wir stehen, warum Erziehung heute so ist wie sie ist und genau das hilft zu reflektieren. Es erklärt vielleicht auch, warum unsere Eltern so gehandelt haben, wie sie gehandelt haben. Oder warum unsere Großeltern unsere Eltern doch noch sehr streng erzogen haben. Nach diesen einleitenden Worten schlägt sie den Bogen, weg von Erziehung hin zu Beziehung. Sie macht den Eltern Mut, ihre Kinder so zu nehmen wie sie sind und das ist sehr wichtig. Wie viele verunsicherte Mütter begegnen einem immer wieder, weil sie denken ihr Kind sei in irgendeiner Weise „falsch“ oder schlecht erzogen.

Im einem der letzten Abschnitte des Buches setzt sie sich mit dem Phänomen ADHS auseinander und fordert auf, diese Diagnose nicht vorschnell zu stellen. Hier bin ich ganz bei ihr, ist es doch so einfach für Eltern und das Umfeld zu sagen, das Kind hat ADHS und dieses Verhalten medikamentös zu behandeln. Leider wird auch heute noch viel zu wenig geschaut, was hinter dem Verhalten steckt. Hierzu hat sie auch ein sehr interessantes Interview mit Professor Dr. Gerald Hüther geführt.

Im letzten Abschnitt schreibt sie über die Schule und das Lernen. Wie kann ein besseres Lernumfeld für Kinder aussehen? Ein aus meiner Sicht interessantes Thema mit dem ich mich bisher kaum auseinandergesetzt hatte. Die Idee von offenen Lernräumen gefällt mir aber und wäre mir als Kind sehr entgegen gekommen.

Alles in allem ist dies eher ein Einstiegsbuch für alle, die Alfie Kohn oder Jesper Juul zu „schwierig“ finden. Hat man die beiden gelesen, liest man nicht viel neues und ist vielleicht wie ich streckenweise auch sehr enttäuscht.

 

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