Hannah Siebern – Barfuß auf Wolken

Endlich hat Hannah Siebern einen neuen Teil für ihre Barfuß-Reihe geschrieben. Barfuß auf Wolken ist vielleicht der bislang traurigste Teil, aber auch ein wunderschöner. Wie schon in den vorherigen Bänden knüpft diese Geschichte auch durch die Hauptperson an die anderen Teile an. Diesmal wird die Geschichte von Saskia erzählt, der Schwester von Chrissie aus Teil drei. Und auch die Geschichte von Timo, der mit Schuld am schlimmen Mobbing an Chrissie gewesen ist.

Saskia ist glücklich mit Matze, sie wohnen zusammen in einer schönen Wohnung und haben sich zwei Katzen angeschafft. Alles ist toll, wenn da nur nicht Matzes Bruder Timo wäre. Den mag Saskia nämlich gar nicht und das beruht auf Gegenseitigkeit. Timo ist überheblich und lässt Saskia und auch Matze spüren, dass er sich für etwas besseres hält. Doch Timo ist nun eben Matzes Bruder und so begegnen Saskia und er sich immer wieder.

Da Matze sehr unter den Differenzen leidet, beschließt er die zwei noch einmal zusammen zu bringen. Timo geht unglaublich gerne wandern und so liegt es nahe, dass Matze und Saskia ihn auf eine Wandertour in die Alpen begleiten. Kaum ist der Plan geschmiedet, machen sie sich schon auf den Weg. Doch der Ausflug läuft überhaupt nicht nach Plan, zumindest nicht nach dem Plan, den Matze hatte. Erst lehnt Saskia seinen Heiratsantrag ab und dann kommt es zu einem schlimmen Unfall. Plötzlich ist nichts mehr wie es war und Saskia erkennt, dass Timo doch eine wichtige Person in ihrem Leben ist.

Schon die drei Vorgänger Bände waren sehr emotional und haben mich gefesselt. Dieser ist vielleicht der beste Teil der Reihe. Zuerst dachte ich, es ist vorhersehbar, dann wieder nicht. Ich war hin und hergerissen und konnte Saskias Gefühle nur zu gut verstehen. Aber auch Timo ist eine tragische Figur und man bekommt sehr schnell Mitleid mit dem jungen Mann. Das sich am Ende auch nicht alles zum Guten wendet passt zum Buch und ist konsequent. Für mich eine absolute Leseempfehlung für alle, die auf diese Art Bücher stehen.

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Kerstin Gier – Gegensätze ziehen sich aus

Im dritten Teil der Mütter-Mafia-Reihe Gegensätze ziehen sich aus bringt Kerstin Gier die Geschichte um die vier Freundinnen zu einem Ende, vorerst zumindest, denn so manches bleibt auch am Ende noch offen und hat Potential für ein weiteres Buch. Ich würde mir zumindest eins wünschen, denn diese Bücher sind lustig und kurzweilig.

Die vier Frauen haben eine verrückte Idee, sie wollen gemeinsam einen Schuhladen eröffnen, denn genau sowas fehlt noch in der Insektensiedlung. Und so machen die vier sich auf die Suche nach einem geeigneten Objekt und stellen Finanzierungspläne auf. Dank Lorenz neuer Freundin Paris bekommen die vier schnell Kontakt zu einem italienischen Schuhdesigner und so die ersten Schuhe für ihren Laden.

Doch auch in ihrem Privatleben geht es bei allen vieren turbulent weiter. Mimi und ihr Mann Ronnie haben wieder zueinander gefunden und diskutieren das Thema Kind erneut. Adoption oder ein erneuter Versuch, beides steht im Raum. Und dann probieren sie das Thema Kind einfach mit einem Projektkind der bonzigen Supermütter aus. Aber auch in Annes und Trudies leben hat sich einiges getan. Anne ist glücklich mit Jo, dem die vier im letzten Band geholfen haben sein Haus und seine Tochter zurückzubekommen. Und Trudi ist nach der Trennung von ihrem letzten Lebensgefährten wieder auf Freiersfüßen.

Constanze hat natürlich für alle ihre Freundinnen ein offenes Ohr und ist bereit allen bei jedem Problem zu jeder Zeit zu helfen. Doch da sind ja auch noch ihre eignen Probleme, Paris und Lorenz bekommen Zwillinge und Anton möchte mit ihr zusammen ziehen. Das geht für sie alles etwas zu schnell und sie rudert zurück. Das kommt natürlich grade bei Anton nicht gut an. Und auch mit den Kindern ist es nicht einfach, Antons Tochter Emily ist gegen Constanze und ärgert Julius ununterbrochen. Außerdem hat Nelly ihren ersten Freund und der ist nicht Annes Sohn Max, sondern Kevin Klose, der mit Tatoos übersäht ist und zwei Kampfhunde hat.

Vielleicht ist dieser Teil der schwächste der drei, trotzdem ist er immer noch kurzweilig und amüsant. Auch hier gibt es wieder ein neues Element, Ratschläge der Pain an ihre Leser. Das hat mir nicht so gut gefallen und da es am Ende eines jeden Kapitels kam, dachte ich schon die Forumseinträge der Super-Muttis würden hier fehlen. Doch die sind da, zum Glück, denn die sind einfach nur traurig-komisch.

Kerstin Gier – Die Patin

Nachdem mir schon Die Mütter-Mafia von Kerstin Gier so gut gefallen hatte, musste ich natürlich die beiden Nachfolger lesen. Band zwei in der Reihe ist Die Patin. Auch hier dreht sich wieder alles um Constanzes Leben, jedoch ist sie in diesem Teil sehr viel gefestigter und auch nicht mehr ganz so trottelig wie im ersten Teil. Außerdem hadert sie nicht mehr mit ihrem Schicksal, sondern ist eigentlich sehr froh, dass sie Lorenz los ist. Denn nun hat sie ein schönes Haus und neue Freundinnen, die ihr gut tun. Und außerdem ist da ja noch Anton, der unheimlich gut aussieht und einen Jaguar fährt. Hätte er nur nicht so eine arogante Mutter und eine Tochter, die Constanze nicht ausstehen kann.

Doch nicht für alle Mitglieder der Mütter-Mafia läuft es so gut wie für Constanze. Mimi verliert recht schnell wieder das Kind und stürzt in ein tiefes Tal. Auch Anne geht es nicht besonders gut, ihr Mann hat mal wieder ein Verhältnis mit seiner Praktikantin und dazu liegt ihr dementer Vater im Sterben. Nur für Trudi läuft es super, denn die hat mal wieder den Mann ihrer Träume gefunden.

Doch zum Glück bleiben die vier nicht mit ihren simplen Problemen alleine, sondern dürfen als Mütter-Mafia, deren Patin Constanze ist, wider aktiv werden. Denn da gibt es diesen armen Lehrer, dessen Tochter bei der völlig eingebildeten Ex-Frau lebt und die einen ganz fiesen neuen Mann hat. Und da es dem Kind augenscheinlich nicht gut geht werden Constanze und die anderen aktiv.

Wie auch schon im ersten Band lässt Constanze kein Fettnäpfchen aus, geht ohne Unterwäsche zum Date mit Anton und trifft dort auf seine Eltern und deren beste Freunde. Sie behauptet vor Antons Tochter Rettungsschwimmerin und Schleswig-Hollsteinische Vize-Schachmeisterin gewesen zu sein, dabei kann sie weder schwimmen noch Schach spielen. Natürlich bringen sie diese Aussagen in ziemlich skurile Situationen und irgendwann richtig in Schwierigkeiten.

Zum Glück werden auch hier wieder Auszüge aus dem Forum der Super-Mütter aus Constanzes Nachbarschaft abgedruckt. Das traurige daran ist, dass es tatsächlich solche Frauen gibt, die sich gegenseitig versuchen fertig zu machen und dabei völlig übersehen, wie es ihren Kindern geht und was die eigentlich wirklich wollen. Neu in diesem Band sind die Auszüge aus Nellys Tagebuch, die einen schönen Einblick in ihre Welt geben.

Überhaupt gefällt es mir, welches Verhältnis Constanze zu ihren Kindern hat. Da kann sich so manche Mutter eine Scheibe abschneiden. Trotz Nellys pubertären Gehabe kommen die beiden gut miteinander klar und können über die Jungs sprechen, die Nelly gut oder eben auch nicht gut findet.

Auch diesen Teil kann ich weiterempfehlen, er ist wie der Vorgänger sehr lustig und kurzweilig, fast zu kurz.

Virginia Fox – Rocky Mountain Gold

Bald erscheint schon Virginias neuer Roman in der Rocky Mountain-Reihe und so wird es Zeit für mich endlich meine Rezension zu Rocky Mountain Gold zu schreiben, das ich schon vor einer Weile ausgelesen habe.

Zelda ist in Independence aufgewachsen und nach dem Tod ihrer großen Liebe Cruz und den vielen üblen Gerüchten um sie beide mit ihren Eltern von dort weggezogen. Doch dann bekommt sie das Angebot eine eigenen Apotheke in Independence zu führen und kehrt wieder zurück. Kaum dort angekommen muss sie feststellen, dass Cruz gar nicht tot ist, sondern sehr lebendig ebenfalls wieder in Independence wohnt. Zelda ist darüber überhaupt nicht begeistert, vor allem nicht, dass sie ihm immer wieder begegnet. Cruz hingegen ist sehr erfreut Zelda wiedergefunden zu haben, findet er sie doch immer noch so attraktiv wie damals.

Glücklicherweise schaffen es Zeldas neue Freundinnen Jaz und Paula sie davon zu überzeugen, dass Cruz gar nicht so übel und vor allem lebendig ist. Zelda lässt sich auf Treffen mit ihm ein, vorangig aber nur, um die mysteriösen Umstände seines Todes zu untersuchen. Dabei stoßen die beiden auf ein sehr gut gehütetes Geheimnis von Cruz Tante, welche zurückgezogen in den Bergen in der Nähe von Independence lebt.

Zelda stürzt sich sofort kopfüber und auch ein wenig kopflos ins Abendteuer und riskiert dabei mehrmals ihr Leben. Cruz hingegen würde die Sache lieber auf sich beruhen lassen und hat mit Zeldas Engagement so seine Schwierigkeiten. Das hindert die beiden jedoch zum Glück nicht daran sich langsam wieder näher zu kommen.

Es ist jedesmal wieder schön nach Independence zurückzukehren. Es ist auch nicht verwunderlich, dass mittlerweile bei der Beschreibung des Romans Sätze wie „Für alle Gilmore Girls Fans…“ oder so ähnlich fallen, denn Independence könnte Stars Hollow sein. Und auch viele der Figuren könnten sich in beiden Orten sehr wohl fühlen.

Wie es so oft bei Reihen mit unterschiedlichen Hauptpersonen ist, manche mag man, manche nicht und so erging es mir in der Reihe auch schon, dass mir eine Hauptperson nicht besonders sympathisch war. Das ist aber bei Zelda nicht der Fall, alleine ihre Zerstreutheit macht sie liebenswert. Cruz wäre nun nicht unbedingt mein Typ, aber für Zelda scheint er genau der richtige zu sein.

Schön war es auch mehr von Jaz zu lesen und somit auf gewisse Weise wieder an den Anfang der Reihe zurückzukehren. Jedesmal, wenn ich einen neuen Band anfange, hoffe ich so viel wie möglich über die anderen Figuren zu erfahren. Wie ging es mit wem weiter, wer ist mittlerweile schwanger oder mit Kind, wer möchte heiraten, wer hat sich getrennt und wer ist neu. Deswegen sind für diese Bücher sicherlich auch die Szenen im Diner so wichtig, sitzt man doch dann auch immer mit dort drin.

Wie schön wäre es, wenn man wirklich dort hinreisen könnte. Und anschließend dann nach Stars Hollow, mein Leben wäre perfekt…

Jesper Juul – Nein aus Liebe: Klare Eltern – starke Kinder

Ein Büchlein, dass man schnell gelesen hat ist Nein aus Liebe von Jesper Juul. Mit seinen schlanken 120 Seiten hatte ich es an einem Tag auf dem Hin- und Rückweg in der Bahn gelesen. Und doch steckt in dem Buch so viel drin, so viel, dass ich jetzt kaum aufhören kann „Aha“ zu sagen.

„Nein!“ zu Kindern zu sagen fällt dem einen schwer, dem anderen besonders leicht. Viele Eltern finden es wichtig, dass die Kinder auf ein strenges „Nein!“ auch hören. Und dann gibt es wiederum die Eltern, die nie nein sagen können, obwohl sie das eigentlich wollen.

Dieses Buch hilft zu erkennen, wie man „Nein!“ sagen kann, ohne den anderen (und das muss nicht unbedingt das Kind sein) zu verletzen oder seine Integrität zu verletzen. Es hilft zu verstehen warum Kinder „Nein!“ sagen und wie sie es oft sagen. Und es hilft auch zu unterscheiden, wann man wirklich „Nein!“ sagen kann und wann man es vielleicht lieber lassen sollte. Ganz wichtig auch, ohne ein ehrliches und echtes „Nein!“ kann es auch kein ehrliches und echtes „Ja!“ geben.

Das Buch ermutigt Eltern dazu, trotz aller Beziehung und trotz allem horchen auf die Bedürfnisse des Kindes auch die eigenen Bedürfnisse nicht zu vergessen und hinten anzustellen. Es zeigt, dass man durchaus sagen kann, was man mag und was nicht und auch dem Kind sehr deutlich machen, dass man etwas von ihm erwartet. Und das alles ohne den berühmten erhobenen Zeigefinger.

Für mich aber am allerwichtigsten in diesem Buch: Der kurze Abschnitt zum autonomen Kind. Den Begriff hatte ich zwar vorher schonmal gehört, mich aber noch nie damit auseinander gesetzt. Doch der Abschnitt war ein Augenöffner, denn ich scheine genau so ein Kind hier daheim zu haben. Und seitdem denke ich, achso, deswegen ist sie so. Jetzt verstehe ich so vieles besser. Wunderbar.

Ich mag Jesper Juul, wie wahrscheinlich sehr viele Eltern. Seine Bücher sind flüssig und einfach zu lesen und geben so viele Denkanstöße ohne aufzuzeigen, was man bisher alles vielleicht falsch gemacht haben könnte.

Katharina Saalfrank – Du bist ok, so wie du bist

Ich hatte mich im Zuge meiner artgerecht-Ausbildung auch mit einigen Autoren auseinandergesetzt, die „Erziehungsratgeber“ geschrieben haben, obwohl es in all diesen Büchern um Beziehung statt Erziehung geht. An Katharina Saalfrank kommt man in diesem Kontext nicht vorbei und ich finde es einen sehr positiven Schritt, den sie gegangen ist. Weg von der streng schauenden Super-Nanny, hin zu einer lächelnden Person. Du bist ok, so wie du bist ist ihr erstes Buch in diese Richtung und in diesem schreibt sie vom Ende der Erziehung bzw. von Beziehung statt Erziehung.

Leider bringt das Buch nicht viel neues, zumindest nicht, wenn man vorher schon andere Bücher dieser Art gelesen hat. Bei einigen Passagen habe ich mich auch gefragt, ob sie sich nichts „neues“ hätte ausdenken können, hatte ich doch kurz vorher Dein kompetentes Kind von Jesper Juul gelesen. Ein Buch, dass mich tatsächlich begeistert hat. Leider (oder zum Glück, wie man es sehen mag) hat Katharina Saalfrank dieses Buch auch gelesen und ich hatte das Gefühl, dass sie sich sehr stark an ihm orientiert hat. Das ist ja grundsätzlich nicht schlimm, aber es war mir persönlich einfach zu ähnlich.

Nicht destotrotz ist es ein Buch, dass viele wichtige Themen anspricht. Katharina Saalfrank erklärt erst einmal wo wir stehen, warum Erziehung heute so ist wie sie ist und genau das hilft zu reflektieren. Es erklärt vielleicht auch, warum unsere Eltern so gehandelt haben, wie sie gehandelt haben. Oder warum unsere Großeltern unsere Eltern doch noch sehr streng erzogen haben. Nach diesen einleitenden Worten schlägt sie den Bogen, weg von Erziehung hin zu Beziehung. Sie macht den Eltern Mut, ihre Kinder so zu nehmen wie sie sind und das ist sehr wichtig. Wie viele verunsicherte Mütter begegnen einem immer wieder, weil sie denken ihr Kind sei in irgendeiner Weise „falsch“ oder schlecht erzogen.

Im einem der letzten Abschnitte des Buches setzt sie sich mit dem Phänomen ADHS auseinander und fordert auf, diese Diagnose nicht vorschnell zu stellen. Hier bin ich ganz bei ihr, ist es doch so einfach für Eltern und das Umfeld zu sagen, das Kind hat ADHS und dieses Verhalten medikamentös zu behandeln. Leider wird auch heute noch viel zu wenig geschaut, was hinter dem Verhalten steckt. Hierzu hat sie auch ein sehr interessantes Interview mit Professor Dr. Gerald Hüther geführt.

Im letzten Abschnitt schreibt sie über die Schule und das Lernen. Wie kann ein besseres Lernumfeld für Kinder aussehen? Ein aus meiner Sicht interessantes Thema mit dem ich mich bisher kaum auseinandergesetzt hatte. Die Idee von offenen Lernräumen gefällt mir aber und wäre mir als Kind sehr entgegen gekommen.

Alles in allem ist dies eher ein Einstiegsbuch für alle, die Alfie Kohn oder Jesper Juul zu „schwierig“ finden. Hat man die beiden gelesen, liest man nicht viel neues und ist vielleicht wie ich streckenweise auch sehr enttäuscht.