Michelle Schrenk – Kein Himmel ohne Sterne

Als ich Kein Himmel ohne Sterne anfing zu lesen, dachte ich kurz, dass ich das Buch schon gelesen hatte, da ich mir sicher bin, dass es ein weiteres Buch von Michelle Schrenk gibt, in welchem die Hauptprotagonistin mitten auf der Straße liegt und nicht genau weiß warum. Nach wenigen Seiten war ich mir dann aber sicher, dass ich es noch nicht gelesen hatte.

Emma lebt in Berlin, nachdem sie drei Jahre zuvor Hals über Kopf aus Nürnberg weggezogen ist. Sie hat sich in Berlin ein neues Leben aufgebaut und unternimmt viel mit ihrem guten Freund Alex. Doch als ihr Bekannter Albrecht, ein älterer Herr, dem sie immer wieder vorliest, stirbt, erkennt sie, dass ihre Vergangenheit sie nicht loslässt und sie zurück nach Nürnberg muss um ihre ehemals beste Freundin Amelie aber vor allem ihre große Liebe Jannik wiederzusehen.

In Nürnberg angekommen nimmt Emma all ihren Mut zusammen und ruft zuerst Amelie an. Die empfängt sie mit offenen Armen und stellt auch den Kontakt zu Jannik her. Und mit ihm ist es fast so, als wäre sie nicht weggewesen. Noch dazu wohnt dieser nun an einem Ort, der ein ganz besonderer für die beiden ist. Emmas Gefühle spielen verrückt, doch eigentlich sagt ihr Verstand ihr, dass sie nicht mehr nach Nürnberg zurückkehren soll und die Vergangenheit ruhen lassen soll.

Ich hatte das Buch unglaublich schnell durchgelesen. Es hat auch nur knapp 200 Seiten und die fliegen nur so vorbei. Ich wollte unbedingt wissen, was denn nun genau der Ausschlag für Emmas Flucht aus Nürnberg war. Als ich es zum Ende des Buches hin erfuhr, hat es mich doch ganz schön mitgenommen und ich konnte Emmas Reaktion sehr gut nachvollziehen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht genauso reagiert hätte.

Was mir an den Büchern von Michelle Schrenk immer sehr gut gefällt ist die Liebe zu Nürnberg, die sie in den Büchern zum Ausdruck bringt. Sie beschreibt den Ort mit solch einer Wärme, dass man sich in die Straßen Nürnbergs wünscht und gerne mit Emma und Amelie eine Cola trinken mag.

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Sebastian Fitzek – Das Kind

Sebastian Fitzeks Das Kind ist nun schon das dritte Buch, dass ich von ihm lese. So wirklich warm werde ich mit ihm irgendwie nicht, auch wenn die Bücher wirklich gut geschrieben sind. Und dieses Buch hat mich sogar nervlich doch etwas mitgenommen, behandelt es doch ein sehr schlimmes Thema.

Robert Stern wird zu einer merkwürdigen Verabredung gebeten. Seine Exfreundin Carina möchte ihn auf einem alten Fabrikgelände treffen, denn sie braucht dringend seine Hilfe. In ihrer Begleitung ist der zehnjährige Simon, der einen Hirntumor hat und über kurz oder lang sterben wird. Simon ist fest überzeugt, dass er ein Mörder ist und hofft in Robert Stern einen Anwalt zu finden, der ihn vertritt, denn er ist fest entschlossen sich der Polizei zu stellen. Doch die Geschichte ist merkwürdig, denn der Mord fand vor 12 Jahren statt, Simon glaubt wiedergeboren zu sein. Robert Stern glaubt dem Jungen nicht und ist auch dann noch nicht wirklich überzeugt, als sie die Leiche finden, die seit 12 Jahren in dem verlassenen Fabrikgebäude liegt.

Doch dann taucht plötzlich ein Video vom Tod seines Sohnes auf, der mit zwei Tagen am plötzlichen Kindstod gestorben ist. Doch nicht mit dem Tod endet das Video, sondern mit einer Aufnahme eines Jungen, der genauso alt ist wie Robert Sterns Sohn heute und er genauso aussieht wie Robert Stern als Kind. Eine verzerrte Stimme kommentiert das Video und fordert ihn auf den wahren Mörder zu finden. Im Gegenzug würde er Kontakt zu seinem Sohn bekommen.

Robert Stern beginnt mit Hilfe seines ehemaligen Klienten Andi Borchert zu ermitteln. In ihm findet er einen treuen Verbündeten, der vor nichts zurückschreckt und selbst ziemlich viel Dreck am Stecken hat. Doch dem Geheimnis um Simon und seiner Wiedergeburt kommt er erstmal nicht näher, viel mehr bringt er sich und alle anderen in Lebensgefahr.

Das Buch bringt Abgründe hervor, die mir bisher so nicht bewusst waren, oder die ich wahrscheinlich viel mehr bewusst verdrängt habe. Fitzek beschreibt die Kinderschänder-Szene sehr detailliert und vor allem die perversen Taktiken, um an Kinder zu kommen. Anscheinend gibt es wirklich Eltern, die ihre Kinder an solche Schweine für ein paar Euros verkaufen. Ich frag mich manchmal wie böse die Welt noch werden kann und warum man sowas machen muss.

Alles in allem hat mich auch hier das Ende wieder etwas enttäuscht, so ging es mir ja schon bei Amokspiel. Plötzlich löst sich alles auf und natürlich erklärt sich alles durch ganz viele Zufälle. Für meinen Geschmack sind das einfach zu viele Zufälle, das ist etwas schade. Trotzdem hat dieses Buch es geschafft mich zu fesseln und in mich teilweise sehr nervös gemacht.

Katrin Koppold – Aussicht auf Sternschnuppen

Da ich Aussicht auf Sternschnuppen von Katrin Koppol gerade erst an einen wundervollen Menschen verschenkt hatte, musste ich es unbedingt nochmal lesen. Schon beim ersten Lesen der Reihe war mir Helga die liebste, denn sie ist so schön normal, zumindest aus meiner Sicht.

Helga und ihr Freund Guiseppe leben ein ziemlich langweiliges Leben, zumindest wenn man Helgas Schwestern fragen würde. Aber in deren Augen ist Helga sowieso sehr konservativ und langweilig und könnte gerne etwas spontaner sein. Und genau das ist sie, als sie in Guiseppes Handy die Nachricht von einer Angela findet, die sich mit Guiseppe in Italien treffen will und sich auf ihn freut. Guiseppe aber hatte erzählt, dass er nur für ein paar Tage auf Grund einer Dienstreise nach Italien muss. Kurz nachdem dieser zum Flughafen aufgebrochen ist beschließt Helga ihm zu folgen und ihn zur Rede zu stellen. Doch die Verfolgung wird zu einem richtigen Roadtripp, denn es gehen keine Flieger mehr, da eine Aschewolke den gesamten Luftraum blockiert. Helga sieht gerade noch am Flughafen wie Guiseppe und Angela mit einer älteren Dame in einem Cabrio davonbrausen.

Schnell macht sie sich auf die Suche nach einem Mietwagen und bekommt den allerletzten verfügbaren. Aber nur zur Hälfte, denn sie bekommt gleichzeitig einen Mitfahrer. Nils ist ein bekannter deutscher Schauspieler, den natürlich alle außer Helga kennen. Und genau mit ihm teilt sie sich das Auto. Doch Nils ist so gar nicht ihr Fall, er raucht, muss ständig anhalten um zu essen und überhaupt scheint er ein sehr unangenehmer und eingebildeter Typ zu sein. Doch auch Nils findet Helga komisch. Relativ schnell geraten die beiden immer wieder aneinander. Doch sie kommen sich auf ihrer Reise durch die Alpen auch näher.

Die Dialoge zwischen Helga und Nils sind herrlich und irgendwo erkenne ich mich in Helga auch wieder. Ich würde zwar sagen, dass ich nicht ganz so „langweilig“ wie Helga bin, aber oft auch so konservativ (leider). Auch ich hätte Nils am Anfang doof gefunden, dabei ist er wirklich ein toller Typ. Aber zum Glück erkennt Helga das auch irgendwann und öffnet sich.

Ich mag Katrins Schreibstil und ihre Ideen für Bücher. Ich glaube dieses ist eines der Bücher, dass ich wirklich schon oft und immer wieder sehr gerne verschenkt habe. Es ist einfach ein Buch, dass einen für ein paar Stunden mit auf eine verrückte Reise nimmt. Man hat Spaß beim lesen und fühlt sich gut. Man leidet mit Helga mit und möchte so oft rufen „Tu es bitte nicht.“ Zum Glück gibt es ja noch drei weitere Bände. Und auch wenn ich die schon gelesen habe, muss ich sie unbedingt nochmal lesen.

Ich lese sehr selten Bücher zweimal, hier hat es sich aber gelohnt, denn ich hatte tatsächlich schon wieder einiges vergessen. Ich wusste zwar noch wie es ausgeht, aber die Geschichte der älteren Dame war mir komplett entfallen, dabei ist das so eine schöne Nebenhandlung. Hätte ich nur mehr Zeit zum lesen, würde ich sicherlich noch mehr Bücher doppelt lesen.

Jean Liedloff – Au der Suche nach dem verlorenen Glück

Ich weiß nicht, ob ich vorher schon ein Buch gelesen habe, dass mich so oft hat nicken lassen, weil ich die dort beschriebenen Aussagen zu 100% teile wie Auf der Suche nach dem verlorenen Glück von Jean Liedloff.  Der Untertitel „Gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit“ beschreibt vielleicht sogar noch viel besser um was es in diesem Buch geht.

Jean Liedloff lebte selbst einige Jahre bei den Yequana-Indianern und erkannte sehr schnell, dass ihr glückliches Leben im Umgang mit ihren Kindern begründet liegt. Sie zeigt in ihrem Buch auf, dass die Yequana auf die natürlichen Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen, etwas was wir in der westlichen Welt völlig verlernt haben.

Liedloff entwickelte das Kontinuum-Konzept, nachdem kleine Kinder und Babys eigentlich nicht viel brauchen um sich zu gesunden und glücklichen Erwachsenen zu entwickeln. Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist der ständige Körperkontakt des Kindes zu seiner Bezugsperson bzw. zu seinen Bezugspersonen. Die Yequana tragen ihre Kinder fast dauerhaft am Körper, sie stillen nach Bedarf und sie schlafen mit den Kindern in einem Bett. Das ist in der westlichen Welt, und zum Erscheinungsdatum des Buches noch mehr, etwas was völlig verloren gegangen ist. Eigentlich wünschen sich fast alle Eltern ein ruhiges Baby, dass man in Kinderwagen, Laufstall oder Bett ablegen kann und das nach festen Zeiten fest vorgegebene Protionen Milch trinkt. Auch das ist etwas überspitzt, aber leider doch noch immer die Erwartung vieler Menschen. Hierzu schreibt Liedloff:

Babies sind in der Tat zu einer Art Feind geworden, den die Mutter besiegen muss.

Jeder, der seine Kinder auch nur ein wenig bedürfnisorientiert wachsen lassen möchte, sollte dieses Buch lesen. Einfach zu lesen ist es nicht, denn es ist in der Tat Fachliteratur und so habe ich mich an manchen Stellen etwas schwer getan (Morgens um sechs Uhr in der Bahn…). Aber es ist auch ein Buch, dass einem so viel gibt und das Mut macht, dass der Weg, den ich gehe, genau der ist, der meine Tochter glücklich machen wird. Und um allen Gegnern, die meinen dass die Kinder verwöhnt werden, den Wind aus den Segeln zu  nehmen, folgendes Zitat:

Überbeschützt und geschwächt ist ein Kind, dem ständig von einer übereifrigen Mutter die Initative entrissen wurde; nicht aber das Kind, das in den ersten wichtigen Monaten, als es dies brauchte, auf Armen getragen worden ist.

Mella Dumont – Rosenmond

Mit Rosenmond schließt Mella Dumont die Colors of Life-Reihe ab. Nachdem der letzte Teil schon relativ dramatisch geendet hat, war ich gespannt, wie sie nun alles zu einem Ende bringen möchte und ob es für alle gut ausgeht. Außerdem war ich gespannt darauf, was noch über Lina erzählt werden würde.

Dieser Teil knüpft ziemlich genau da an, wo der alte aufgehört hat, wenige Tage nach dem Überfall auf die Mahler-Frauen. Doch diesmal wird gezielt Valerie das Opfer eines Wagner-Mitglieds und kann nur knapp einem Koma entkommen. Doch ihr gelingt es den Mann zu täuschen und zu überwältigen und ihn mit Hilfe von Lina und Leo, die aus Trier schnell nach Metz gefahren kommen, umzudrehen.

Überhaupt vertieft sich in diesem Teil die Freundschaft zwischen Valerie und Lina sehr, was mich zuerst etwas irritiert hat. Lina kam mir immer sehr jung vor, Valerie ist eine erwachsene Frau, die mitten im Leben steht, ihr eigenes Unternehmen leitet und ihre zweite Hochzeit plant. Doch warum sollten sich nicht grade auch zwei so unterschiedliche Frauen anfreunden und warum müssen Alter und Erfahrung ein Hindernis sein? Sind sie in diesem Fall nicht und genau das macht die Freundschaft auch wieder aus, denn beide profitieren von der anderen.

Leo und auch der Rest der Wagners bleibt in diesem Teil sehr schwach und im Hintergrund. Bis auf Linas Vater, der nochmal so richtig auffährt, was am Ende vielleicht sogar ein wenig übertrieben ist. Aber es passt auch wieder zu der ganzen Geschichte rund um die beiden Clans.

Alles in allem bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich mit dem Ende der Reihe zufrieden bin. Was mir aber am Ende gut gefällt ist, dass es doch sehr offen gehalten ist und nicht gesagt wird, dass ab nun alles gut ist und alle glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende lebten. Was mich aber wirklich am Ende gestört hat ist die Geburtsszene. Warum musste die in dieser Form mit in das Buch? Verarbeitet Mella Dumont damit etwas? Warum muss Zoés Start ins Leben so dramatisch und brutal sein?

Und trotzdem hat mir das Buch gut gefallen, denn ich habe sowohl Lina als auch Valerie und natürlich auch Angie ins Herz geschlossen. So ist es schön sie wieder ein Stück auf ihrem Weg begleitet zu haben und zu wissen, dass starke Frauen gemeinsam ganz schön viel schaffen können, übersinnliche Fähigkeiten hin oder her.