Jesper Juul – Dein kompetentes Kind

Jesper Juul ist einer der Autoren, die man lesen „muss“, wenn man mit seinen Kindern bedürfnisorientiert leben möchte. Natürlich ist es keine Pflichtlektüre, aber in jedem Fall regen seine Bücher zum Nachdenken an und geben sehr viele sehr gute Beispiele, in welchen man sich mit Sicherheit immer wieder finden kann.

In Dein Kompetentes Kind zeigt Jesper Juul auf, dass Kinder nicht die sind, für die sie lange gehalten wurden. Unfertige Wesen, die erst noch geformt werden müssen und die, kaum in der Pubertät, rebellieren und enge Grenzen benötigen. Er räumt auf mit den Vorurteilen, dass Kinder nicht kooperieren und überhaupt immer gegen alles sind was die Eltern sagen.

Nach einer Einleitung geht er auf die Art ein, wie Kinder und auch Babys mit den Eltern kooperieren und wie sich diese Kooperation zeigen kann. Hierbei verwendet er viele Beispiele, die helfen die Theorie zu verstehen. Oft erkennen wir Eltern gar nicht, dass das Kind gerade kooperiert, denn kooperieren kann durchaus auch bedeuten, dass Kinder scheinbar gegen uns arbeiten. Aber genau hier ist es wichtig zu hinterfragen und genau hinzuschauen. Warum weint ein kleines Kind, wenn es in der Krippe oder bei der Tagesmutter abgegeben werden soll, obwohl doch alles so schön ist. Und warum tut es das nur bei der Mutter und nicht beim Vater? Will es der Mutter die Trennung noch schwerer machen? Hier lohnt es sich genau hinzuschauen und auch als Mutter (oder auch Vater) noch einmal zu hinterfragen, wie man selbst dieser Sache gegenüber steht. Kooperiert mein Kind hier nicht wunderbar, weil es merkt, dass es für mich nicht die perfekte Situation ist?

In einem nächsten Abschnitt spricht Jesper Juul über Selbstgefühl und Seblstvertrauen. Er gibt sehr viele Beispiele, wie das Sebstvertrauen und auch das Selbstgefühl des Kindes zerstört werden kann. Diese Beispiele regen zum Nachdenken an, muss ich mein Kind wirklich immer loben? Wie wird das Lob verstanden und tut das Kind vielleicht irgendwann nur noch bestimmte Dinge um mir zu gefallen und nicht mehr weil es Spaß an der Sache hat? Und wie ist mit den vielen Warnungen, die wir immer wieder ausstoßen? Was macht das mit den Kindern? Das tolle hier ist, dass Jesper Juul Alternativen aufzeigt. So steht man nach diesem Kapitel nicht mit einem Fragezeichen im Gesicht da, sondern kann sich sehr konkret überlegen wie man einige Dinge anders formulieren und handhaben möchte.

Jesper Juul weißt aber immer wieder darauf hin, dass es wichtig ist, auch auf sich selbst zu achten und so ist es nicht nur wichtig das Selbstgefühl und das Selbstvertrauen der eigenen Kinder nicht zu zerstören (man muss es gar nicht unbedingt stärken), sondern das eigene Selbstgefühl neu zu entdecken und aufzubauen und das evtl. zerstörte eigene Selbstvertrauen wieder aufzubauen.

Vielleicht eines der wichtigsten Kapitel beschäftigt sich mit Verantwortung und Macht. Viele Eltern missbrauchen meiner Meinung nach immer noch ihre Machtposition. Sie setzen Dinge durch, die völlig albern sind, wenn man sich überlegt, man würde genau dies gegenüber einer erwachsenen Person durchsetzen. Natürlich brauchen Kinder aber in manchen Situationen ihre Eltern und manchmal ist es wichtig für die Gesundheit und das Wohlergehen des Kindes, dass die Eltern sich durchsetzen. Und es ist genauso wichtig, dass man das Weglassen von Machtausübung nicht mit dem Weglassen der Übernahme der Verantwortung verwechselt.

Für viele Eltern sind heute immer noch die Grenzen eines der zentralen Themen. Man darf sein Kind nicht verwöhnen, man muss Grenzen setzen. Doch muss man das wirklich und wenn ja welche Grenzen sind durchaus sinnvoll? Wichtig ist vor allem, dass man sich als Mensch nicht aufgibt, wenn man Eltern geworden ist. Man sollte schauen wo die eigenen Grenzen sind und welche Bedürfnisse man hat. Diese durchzusetzen ist überhaupt nicht verkehrt und auch hier gibt Jesper Juul in einem eigenen Kapitel sehr viele gute Hinweise und Ratschläge und untermalt alles mit sehr vielen Beispielen.

Für mich noch sehr entfernt, aber sicherlich trotzdem ein wichtiges Kapitel, ist das Kapitel über den Umgang mit dem Teenageralter der Kinder. Plötzlich verändern die Kinder sich, werden unabhängiger und auch verschlossener. Hier müssen Eltern und Kinder neue Wege finden und genau dazu gibt Jesper Juul Anregungen.

Im Abschluss schreibt Jesper Juul über die Eltern als Menschen und wie wichtig es ist nicht nur Eltern, sondern auch weiterhin Partner und Liebende zu sein. Dieser kurze Abschnitt hat mich in jedem Fall auf sein neuestes Buch Liebende bleiben neugierig gemacht.

Für mich war dieses Buch vielleicht kein Augenöffner, denn wir leben schon sehr viel von dem, was Jesper Juul dort beschreibt. Aber es hat mich bestärkt und untermauert mein intuitives Vorgehen. Es ist auf jeden Fall ein Buch, dass ich nicht nur den bindungs- und bedürfnisorientiert lebenden Eltern ans Herz legen möchte. Denn es ist ein Buch, dass uns hilft zu verstehen, warum unsere Kinder manchmal in unseren Augen so schwierig sind und zeigt auf, dass sie das doch gar nicht sein wollen.

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Catherine Ryan Hyde – Wir kommen mit

Ich habe Catherine Ryan Hyde durch mein Kindle Unlimited Abo entdeckt und mag ihre Bücher wirklich sehr gerne. Wir kommen mit ist ein Buch über eine ganz besondere Freundschaft, über die Freundschaft zwischen einem Erwachsenen Mann und zwei Kindern. Es ist die Geschichte einer Freundschaft auf Augenhöhe, etwas besonderes zwischen Kindern und Erwachsenen.

August reist jeden Sommer mit dem Wohnmobil durch den Westen der USA. Diese Reise soll eine ganz besondere sein, denn er möchte den Yellowstone Nationalpark besuchen und dort die Asche seines verstorbenen Sohnes verstreuen. Der Plan war ursprünglich gewesen diese Reise gemeinsam anzutreten und so ist es August extrem wichtig dieses Ziel zu erreichen.

Leider geht sehr schnell sein Wohnmobil kaputt und er landet bei Wes in der Autowerkstatt. Wes ist alleinerziehender Vater zweier Söhne, Seth und Henry und alkoholkrank. Und Wes hat ein Problem, denn seine Alkoholsucht hat ihn wegen wiederholtem Fahren unter Alkoholeinfluss ins Gefängnis gebracht, er muss die Haftstrafe demnächst antreten. Da kommt es ihm sehr gelegen, dass August das Geld für die Reperatur eigentlich gar nicht hat, denn er braucht dieses Geld für das Benzin um überhaupt nach Yellowstone zu gelangen. So macht Wes ihm ein Angebot, dass August annimmt und sich gleich fragt, warum er das tut. Er nimmt die beiden Kinder mit auf seine Reise und bringt sie wieder, wenn Wes seine Strafe abgesessen hat.

Schnell freunden sich der aufgeschlossene 12-jährige Seth und August an. Aber auch Henry hat schnell einen festen Platz in August Herz gewonnen, auch wenn dieser kein Wort spricht und sich sehr verschlossen verhält. Doch August gibt nicht auf und gewinnt nach und nach das Vertrauen des Jungen.

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen, weil mir August sehr sympathisch war. Zu Beginn hatte ich mir ihn als einen kurz vor der Rente stehenden, konservativen Lehrer vorgestellt, musste diese Meinung dann aber im laufe des Buches wieder verwerfen. August hat ein unglaubliches Einfühlungsvermögen und kann das, was viele Leute nicht können. Er nimmt die Kinder an wie sie sind und lässt sie auch so sein. Und das hilft den beiden ungemein.

Und auch Augusts Art zu reisen und sich einfach treiben zu lassen hat mich fasziniert. Er bleibt einfach so lange an einem Ort, bis er ihn satt hat und dann fährt er weiter. Wer mich kennt weiß, dass ich gerne alles bis ins kleinste Detail im Voraus plane und so entgeht mir vielleicht das, was August jeden Sommer erlebt, denn er ist einfach da. Das ist bestimmt etwas sehr wertvolles.

Amulya Malladi – Das Haus der Glücklichen Mütter

IMG_6125In Das Haus der glücklichen Mütter erzählt Amulya Malladi zwei Geschichten, die eng miteinander verbunden sind. Priya und ihr Mann Madhu leben in den USA, haben aber beide indische Wurzeln. Da sie kein eigenes Kind bekommen können, beschließen sie schließlich eine Leihmutter in Indien zu beauftragen. Asha lebt in recht ärmlichen Verhältnissen in einem Dorf in Indien, gemeinsam mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern. Da ihr älterer Sohn sehr intelligent zu sein scheint und sie ihn gerne auf eine gute Schule schicken möchte, entschließt sich Asha Leihmutter zu werden, um das nötige Geld zu verdienen.

Und so wird Asha mit dem Kind von Priya und Madhu schwanger. Die beiden möchten an der Schwangerschaft teilhaben und telefonieren jede zweite Woche mit Asha, wenn diese zu ihren Untersuchungen in das Leihmutterhaus kommt. Asha hat mit diesem Kontakt und dem fremden Baby in ihrem Bauch zu kämpfen. Sie kann sich grade mit der spindeldürren Priya nicht anfreunden und bedauert das Baby, welches bei dieser Person aufwachsen muss. Kurz überlegt sie, ob sie sich nicht einfach mit dem Baby im Bauch aus dem Staub machen soll. Doch sie weiß, dass ihre Familie auf das Geld angewiesen ist und so steht sie alles durch, die Telefonate mit Priya und Madhu, ihren Umzug ins Leihmutterhaus und die Geburt selbst.

Mir hat das Buch recht gut gefallen, vor allem die Darstellung beider Seiten. Mir ging es lange ähnlich wie Asha, Priya war mir einfach nicht sympathisch. Ich stelle es mir auch sehr schwer vor ein Kind auszutragen, welches gar nicht meins ist. Keine Beziehung zu einem Kind aufzubauen, welches neun Monate in einem heranwächst und welches man eine sehr lange Zeit spürt, ist bestimmt nicht einfach.

Auch die Bedingungen unter denen die schwangeren Frauen leben müssen, sind nicht besonders schön. Hinzu kommt, dass in diesem Fall die Leiterin des Leihmutterhauses die Frauen für ihre Zwecke missbraucht und sie erpresst, damit sie bloß immer positiv über das Leihmutterhaus sprechen.

Wer sich also mit diesem Thema auseinandersetzen möchte oder einfach mal ein gut geschriebenes Buch abseits von den üblichen schnulzigen Liebesromanen lesen möchte, ist hier genau richtig.