Alfie Kohn – Liebe und Eigenständigkeit

IMG_6107Liebe und Eigenständigkeit von Alfie Kohn wird gerne als das Einstiegswerk genannt, wenn es um bedingungslose Elternschaft geht. Und deswegen habe ich nun auch mit diesem Buch angefangen. Ganz wichtig bei der Einordnung aller Dinge, über die Alfie Kohn schreibt, ist sicherlich folgender Satz, den er selbst im Anhang schreibt:

Der Inhalt dieses Buches ist zwangsläufig davon beeinflusst, dass ich ein weißer Amerikaner aus der Mittelschicht bin.

Und genau in diesem Kontext sollte man dieses Buch auch lesen und sich immer wieder vor Augen führen, dass Amerikaner viel mehr loben und viel freundlicher, man könnte fast sagen künstlich überfreundlich, im Umgang miteinander sind.

In seinem Buch möchte Alfie Kohn Eltern dazu ermutigen aus den alten und sehr weit verbreiteten Erziehungsmustern auszubrechen. Er spricht über die Liebe, die Eltern ihreren Kindern geben dürfen, ohne sie an Bedingungen zu knüpfen. Dabei gibt er viele Beispiele, wie das gelingen kann und zeigt auch aus seinem Alltag auf, wo er vielleicht heute noch versagt oder was seine Kinder ihn gelehrt haben.

Ein Kernthema des Buches ist die Art der Erziehung und der Umgang mit vermeintlichem Fehlverhalten des Kindes. Viele Erwachsene glauben, dass es wirkungsvoll ist möglichst streng und unliebevoll mit dem Kind umzugehen, dass einen Fehler gemacht hat. Sie sagen dem Kind, dass sie es weniger mögen, weil es etwas getan hat oder sie schicken es weg. Sie verhängen Strafen und unterdrücken die Kinder. Natürlich nicht alle und natürlich nicht alle in dem Maße. Doch trotzdem ist das weit verbreitet. „Wenn du jetzt nicht [beliebige Tätigkeit einsetzen] machst, dann darfst du nachher kein Fernsehn schauen.“ ist ein Satz, den viele Eltern nutzen. Alfie Kohn zeigt auf, wie es anders gehen kann, wie wir miteinander umgehen können und auch ausdrücken können, dass uns etwas missfällt oder wir es überhaupt nicht mögen, ohne gleich zwei Fronten aufzubauen, den anderen zu beleidigen oder ihm mit Liebesentzug zu drohen.

Alfie Kohn spricht auch viel über das Lob und was es mit Kindern macht, wenn sie immer und immer wieder für eine Sache gelobt werden. „Das hast du schön gemalt“ zum Beispiel, er hinterfragt, ob man sowas sagen muss und erklärt, dass Kinder ein gewisses Verhalten nur noch zeigen, weil sie ein Lob bekommen und somit die Anerkennung und Aufmerksamkeit des Erwachsenen. Um bei dem Malbeispiel zu bleiben, das Kind malt vielleicht irgendwann nicht mehr unbedingt nur noch, weil es gerne malt, sondern weil es weiß, dass seine Eltern das gut finden. Dabei gibt es andere Wege damit umzugehen. Und nein, Lob ist nicht verkehrt oder verboten und ein Lob verbunden mit ehrlicher Freude, weil ein Kind etwas geschafft hat, dass es vorher nicht geschafft hat ist toll.

Im weiteren Verlauf des Buches zeigt Alfie Kohn die Grundsätze bedingungsloser Elternliebe auf, ohne dabei eine genaue Schritt-für-Schritt Anleitung zu geben. Er regt die Eltern zum Nachdenken an und gibt ihnen einen Leitfaden, an dem sie sich entlanghangeln können.

Immer wieder plädiert er dafür die Kinder anzuhören, innezuhalten und zu fragen, was das Kind möchte, warum es sich gerade so verhält wie es sich verhält und die Meinung des Kindes ernst zu nehmen. Denn genau dann entsteht eine Beziehung auf Augenhöhe in der jeder das sein kann was er ist, Eltern oder Kind. Eine Beziehung ohne Erwartungen, ohne Druck und ohne Bestrafungen, aber dafür mit ganz viel Liebe.

Vieles aus dem Buch war für mich nicht neu, denn ich bin in großen Teilen genau so aufgewachsen und lebe mit meiner Tochter ebenso. Trotzdem war es nicht schlecht noch einmal über all das zu lesen und es zu verinnerlichen. Und es tat gut sich bestätigt zu fühlen, dass der Weg den ich gehe und auch der Weg den alle meine Eltern gegangen sind, ein Weg ist der am Ende liebende und zufriedene Menschen hervorbringt.

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