Steena Holmes – Emmas Rückkehr

Nachdem Steena Holmes über das Verschwinden von Emma geschrieben hat, beschreibt sie in Emmas Rückkehr wie es der Familie ergeht, nachdem Emma wieder daheim ist. Sehr schnell fragt man sich, ob es der Familie jetzt wieder besser geht, denn natürlich ist nicht gleich alles wieder gut und beim alten. Megan ist immer noch überängstlich und lässt ihre drei Töchter nirgendwo alleine hin gehen. Eigentlich ist sie ständig mit den Kindern zusammen und hält vor allem Emma an einer sehr kurzen Leine. Ihre anderen beiden Töchter gehen dabei mal wieder unter. Und auch für ihren Mann und ihre angeknackste Beziehung hat sie keine Zeit.

Aber auch für Emma ist es sehr schwer, denn sie wird unvermittelt aus der Umgebung gerissen, die sie als Heimat angesehen hat. Ab sofort hat sie zwar ihre Eltern und ihre Schwestern wieder, jedoch sind ihre Oma und ihr Opa weg. Megan versucht alles, damit Emma die beiden vergisst und drängt sie damit noch mehr in die Ecke. Für Emma sind ihre beiden Entführer, wenn man Jack, also den Opa, überhaupt so nennen kann, Menschen, die sie sehr liebt und die ihr Sicherheit geben. Glücklicherweise sieht Peter dass und setzt sich über Megans strenge Regeln hinweg.

Sicherlich ist es nicht leicht, wenn ein Kind verschwindet und genauso schwer, wenn es dann wieder auftaucht. Beide Seiten müssen sich wieder aneinander gewöhnen. Ständig muss man mit der Angst leben, dass es wieder passieren kann, auch wenn das sehr unwahrscheinlich ist. Mit der Gewissheit zu leben, dass da andere Menschen sind, die dem Kind eventuell mehr bedeuten als man selbst, ist sicherlich für alle Eltern sehr schwer. Vielen Eltern fällt es ja heute schn schwer ihre Kinder ihnen bekannten Personen anzuvertrauen und zu wissen, dass diese für die Kinder wichtig sind.

Doch ich kann auch verstehen, dass es für ein Kind wie Emma nicht verständlich ist, dass diese Menschen böse sind, denn so hat sie sie nicht erlebt. Natürlich wird sie es mit ihren fünf Jahren verstehen, wenn man ihr erklärt, dass sie nicht das Recht dazu hatten sie einfach bei sich zu behalten. Trotzdem sind es aus ihrer Sicht liebevolle Menschen, die sich immer gut um sie gekümmert haben. Hinzu kommt, dass sie zum Zeitpunkt der Entführung erst drei Jahre alt war, man sagt allgemein, dass sich Kinder nicht mehr an Geschehnisse vor ihrem dritten Geburtstag erinnern können. Umso erstaunlicher finde ich es, dass Emma sofort ihre Eltern wiedererkennt und ohne Widerspruch mit ihnen geht und ihr altes Leben aufnimmt.

Leid tun mir vor allem die beiden älteren Kinder, die nicht nur in den Jahren des Verschwindens unter einer Mutter leiden mussten, die völlig besessen von ihrer Idee war, das verlorene Kind wieder zu finden, sondern die auch jetzt immer noch in den Hintergrund gestellt werden. Immer wieder zeigen beide auf sehr direkte oder indirekte Art, dass sie sich vernachlässigt fühlen und unter der Situation leiden, jedoch sieht Megan das nicht und ist nicht bereit zu handeln. Sehr schade, so verliert sie am Ende vielleicht alle drei Kinder.

Was mich leider, wie auch schon im ersten Teil, gestört hat sind die logischen Fehler. Einiges kann ich durchgehen lassen, aber die Geschichte von Megan und ihrer Freundin Laurie total zu ändern von Band eins zu Band zwei finde ich schon sehr schwach. Auch sonst konnte mich die Art zu schreiben nicht wirklich überzeugen. Die Idee ist gut und das Thema sicherlich wichtig, aber es hätte besser aufbereitet werden können.

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Virginia Fox – Das Drachenmädchen

IMG_6121Die liebe Virginia Fox hat mir ihr neuestes Buch Das Drachenmädchen vorab zugesandt, damit ich es lesen und rezensieren darf. Das ist total toll, denn Virginia gehört zu einer meiner liebsten Autorinnen. Ihren ersten Roman Die Drachenschwestern habe ich schon dreimal gelesen und bin jetzt bereit ihn auch ein viertes Mal zu lesen, genauso wie die anderen Teile der Reihe. Ich bin ein riesen Fan der Drachen und habe mich deswegen unheimlich gefreut endlich wieder auf den Hof der Drachenschwestern zurückzukehren.

Luna-Maie ist mittlerweile kein Baby mehr, sondern ein Mädchen von 15 Jahren. Sie kann sich immer noch in einen Drachen verwandeln und das nun auch viel besser kontrollieren, als es ihr noch als Baby möglich gewesen ist. Doch fest steht, diese Fähigkeit wird irgendwann in der Pubertät verschwinden. Das kann sie sich nicht vorstellen, wie wird es sein, wenn sie nie wieder fliegen können wird. Zusammen mit Ramiro, der ja eigentlich Sierras persönlicher Drache ist, sucht sie nach einer Lösung.

Doch erstmal wird alles nur noch komplizierter, denn ihr Vater findet heraus, was sie ist und findet das alles gar nicht gut. Er ist entsetzt, dass seine Tochter sich in ein Monster verwandeln kann und dass sowohl seine Frau als auch seine Tochter ihm diese Tatsache verschwiegen haben. Doch nicht nur dass, er weiß auch von der Existenz der anderen Drachen und hat Schwierigkeiten sich anzpassen. Die gute Beziehung von Vater und Tochter geht in die Brüche.

Und dann ist da noch Ben, der Schulschwarm, auf den auch Luna-Maie steht, was sie aber nie zugeben würde. Und deswegen ist sie auch etwas verwirrt, als er plötzlich Interesse an ihr bekundet und versucht so viel wie möglich über sie herauszufinden. Dabei hat er ein Geheimnis, dass bei ihr gut aufgehoben wäre.

Ich bin total begeistert von der Fortsetzung und ganz traurig, dass ich sie so schnell ausgelesen hatte. Es ist schön die drei Drachenschwestern wiederzuerleben, auch wenn sie nur eine kleine Rolle spielen. Und natürlich die Drachen, die sich in den paar Jahren (ein Wimpernschlag in Drachenleben) kein bisschen verändert haben. Lance ist immer noch mein absoluter Liebling. Ich hatte nur erwartet, dass Luna-Maie nicht mehr das einzige Kind auf dem Hof ist. Aber wer weiß was da noch alles kommt.

Die Geschichte um Luna-Maie und ihre Drachenkräfte ist spannend und lässt nochmal einen ganz neuen Blick auf die Drachengeschichte werfen. Ich kann gut ihre Zerrissenheit verstehen, ist doch alles unklar für sie. Und dann auch noch so ein Streit mit ihrem Vater, der für sie immer eine wichtige Stütze in ihrem Leben war.

Das Buch ist ein Jugendbuch, ist aber auch für einen Erwachsenen gut zu lesen. Ich habs auf jeden Fall gerne gelesen und hoffe ganz fest, dass da noch ein Band oder zwei kommen werden. Einige Dinge sind auch noch nicht komplett aufgelöst, Stoff für weitere Bände ist noch da. Ich werde sie auf jeden Fall lesen, mehrmals.

Jutta Speidel und Bruno Maccallini – Wir haben gar kein Auto

Jutta Speidel und ihr Lebensgefährte Bruno Maccallini haben die wahnsinnige Idee in nur zehn Tagen mit dem Rad einmal quer über die Alpen zu fahren, genauer gesagt von München nach Merano. Ihre Erlebnisse halten sie in Wir haben gar kein Auto fest und dies auf eine sehr interessante Weise. Beide beschreiben den jeweiligen Reisetag aus ihrer Sicht und tauschen sich auch bis zur Fertigstellung nicht über ihre Texte aus. So bekommt man teilweise das Gefühl, dass die beiden nicht zur selben Zeit die selbe Strecke gefahren sind.

Jutta Speidel schreibt so wie sie spricht, sie erzählt von kleinen Begegnungen und von wunderschönen Flecken, an denen sie vorbeigeradelt sind. Es ist herrlich mitzuerleben, wie sie sich über ihren dauertelefonierenden und mit der Technik der Kamera kämpfenden Italiener herzieht. Dies aber immer wieder in einer liebevollen Art, auch wenn das dem ein oder anderen vielleicht schon zu viel der Information ist.

Bruno Maccallini dagegen schreibt kaum etwas über die Strecke oder über Menschen, denen sie begegnet sind. Manchmal fragt man sich, ob er einfach große Teile der Strecke verschlafen hat oder geistig abwesend war. Dafür schildert er dann ausgiebig, wie lange er und wie lange seine Lebensgefährtin im Bad braucht, nur um sich rechtfertigen zu können, dass er gar nicht so langsam ist wie sie behauptet.

Ich muss ehrlich sagen, dass mir die Teile von Bruno Maccallini nicht gut gefallen haben, vielleicht lag es zum Teil auch daran, dass sie immer nach denen von Jutta Speidel kamen und eben teilweise eine Wiederholung darstellten. Die Art von Jutta Speidel zu erzählen hat mir definitiv mehr zugesagt. Sie erzählt mit Witz und Ironie und lässt den Leser mit die Berge hoch und runter fahren.

Lust selbst einmal solch eine Tour zu machen hab ich nach dem Buch nicht, auch wenn es zeigt, dass man diese auch als völlig ungeübter Fahrer bewältigen kann. Mir reicht es hier im flachen Taunus die Berge mit dem Rad bezwingen zu müssen.

Steena Holmes – Wo ist Emma?

IMG_6123In Wo ist Emma? erzählt Steena Holmes zwei Geschichten parallel. Einmal erzählt sie die Geschichte von Megan und ihrer Familie, welche vor zwei Jahren ihre jüngste Tochter Emma durch eine Entführung verloren hat. Megans ganzes Leben dreht sich nur noch darum die verlorene Tochter wieder zu finden und zu verhindern, dass einem anderen Kind etwas ähnliches passieren kann. Sie führt ein „Sicherer-Wege-Programm“ an der Schule ihrer beiden älteren Töchter ein und hält vor Kindern Vorträge, wie sie sich verhalten müssen, wenn sie von einem fremden Menschen angesprochen werden. Ihre beiden älteren Töchter lässt sie niemals alleine irgendwo hin gehen, vernachlässigt sie aber sonst fast komplett. Sie nimmt kaum noch Anteil am Familienleben und sieht nicht, wie es ihren Töchtern und ihrem Mann geht. Immer wieder sieht sie sich von ihrer Familie gezwungen Emma aufzugeben. Doch das kann und will sie nicht und riskiert so auch den Rest ihrer Familie zu verlieren.

Parallel erzählt Steena Holmes die Geschichte von Dottie und Jack, die ihre Enkeltochter Emmie bei sich haben und mit ihr zurückgezogen auf dem Land leben. Emmies Mutter, die Tochter der beiden, nimmt Drogen und lebt auf der Straße und so sehen die beiden es als ihre Pflicht an dem Kind eine bessere Zukunft zu bieten. Leider geht es Dottie immer schlechter und sie beginnt immer wieder Dinge zu vergessen. Eins jedoch vergisst sie nie, Emmie muss beschützt und behütet werden und darf nicht mit ihrem Großvater in die Stadt fahren um dort seine Freunde zu treffen. Auch hat Emmie keine eigenen Freunde und lebt alleine mit den Großeltern und dem Hund.

Schnell wird dem Leser klar, dass Emmie die vermisste Emma sein muss. Man erfährt nicht, warum Dottie Emmie/Emma entführt hat, kann aber im Verlauf des Buches immer wieder verstehen, warum sie sich so an die Kleine klammern. Sie versuchen dem Kind ein möglichst schönes Leben zu ermöglichen und verwöhnen sie so gut es geht. Trotzdem isolieren sie sie sehr stark und brauchen sehr lange, bis sie Emmie erlauben Kontakt zu anderen aufzunehmen.

Viel dramatischer ist jedoch die Geschichte um Megan. Wie gut kann ich es verstehen, dass sie zerrissen ist und um jeden Preis ihre Tochter wiederfinden möchte. Ein Alptraum, den kein Elternteil durchleben möchte. Und es ist sicherlich ganz normal, dass sie dabei ihre Familie vernachlässigt, auch wenn man zuerst fragen möchte, wie sie nur so sein kann und warum sie nicht sehen kann, dass ihr Mann und die beiden anderen Töchter leiden. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie es ist in solch einer Situation zu sein und nicht zu wissen, was mit dem eigenen Kind passiert ist.

Was ich nur sehr schade finde, ist das Angst machen. Denn mit ihrem Trieb alle Kinder vor bösen Menschen zu schützen, macht Megan den Kindern Angst. Leider ist es heute immer noch weit verbreitet Kindern vor fast allem Angst zu machen und sie einzuschüchtern. Es ist so viel wertvoller ihnen Mut zu machen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Vertraut euren Kindern und gebt ihnen die Sicherheit, dass sie in solchen Situationen stark sein können.

Alles in allem ist es ein nettes Buch, das mich ein wenig an die Geschichten von Jody Picoult erinnert, wobei es vom Schreibstil lange nicht dort heranreicht. Schade finde ich nur, dass immer wieder logische Fehler passieren, so ändert sich das Alter der beiden älteren Mädchen immer mal wieder im Buch und ein Tisch wird doppelt abgeräumt. Warum fällt sowas nicht zumidest dem Lektor auf?

Paula Diederichs – Unser Baby schreit so viel!

IMG_6119Um die Zeit mit unserem kleinen Brülläffchen etwas aufzuarbeiten und auf der Suche nach einem guten Buch für Betroffene bin ich auf Unser Baby schreit so viel! von Paula Diederichs gestoßen. Paula Diederichs hatte selbst eine Tochter, die ein Schreibaby war und ihr so den Weg gewiesen hat. Heute ist sie Expertin für den Umgang mit Schreibabys und leitet drei Schreibaby-Ambulanzen in Berlin. Sie hat eine spezielle Krisenintervention für Eltern und Kind entwickelt, deren Effizienz wissenschaftlich belegt ist. Wenn ich mich richtig erinnere, arbeitete unsere nette Hilfe des Kreises auch nach dieser Methode.

Ihr Buch beginnt Paula Diederichs mit mutmachenden Worten an die Eltern und im speziellen an die Mutter. Sie ermuntert die Eltern dazu Hilfe anzunehmen und zu suchen. Sie betont immer wieder, dass nicht die Eltern etwas verkehrt machen, sondern eher unsere Gesellschaft, die von den Eltern erwartet, dass sie stark sind und funktionieren. Sie zeigt auf, wie man mit gutgemeinten Ratschlägen und den ständigen Besserwissern umgehen kann.

In einem weiteren Abschnitt schreibt sie über das Hilfesystem und wie dieses auch versagen kann. Sie zeigt auf wo betroffene Eltern Hilfe bekommen können und dass es ganz normal ist, dass man manchmal einfach nicht mehr kann, aggressiv oder gereizt ist und das genau hierfür geschulte Helfer zur Verfügung stehen.

Des weiteren schreibt sie über den Babyschlaf, die verschiedenen Schlafphasen und dass Babys anders schlafen. Außerdem geht sie auf den Unterschied von Weinen und Schreien ein, für mich ein ganz wichtiger Punkt, den ich auch immer anspreche, wenn ich auf das Thema Schreibaby angesprochen werde. Natürlich schreien alle Babys, aber ein Schreibaby schreit in einer ganz anderen Qualität als das normale Durchschnittsbaby.

Paula Diederichs versucht Gründe aufzuzeigen, die das Schreien verursacht haben können. Hierbei kann es sich um eine belastende Schwangerschaft oder eine traumatische Geburt handeln, aber auch um Koliken oder Blokaden. Das ist von Kind zu Kind verschieden und sicherlich kann man niemals pauschal sagen, dass ein Kind aus genau diesem einen Grund schreit. Ich war skeptisch diesem Kapitel gegenüber, aber am Ende versöhnt, denn man geht als Betroffene nicht mit Schuldgefühlen heraus.

Immer wieder ermuntert Paula Diederichs die Eltern dazu an sich zu denken, sich Entspannungstechniken anzueignen und nach Möglichkeiten zu suchen sich auch einmal vom Kind zu trennen und wieder ein paar ruhige Minuten für sich zu haben. Immer wieder betont sie, dass dies wichtig und normal ist und keinesfalls zeigt, dass die Eltern versagt haben.

Im Anhang ist an Bildern Schritt für Schritt erklärt, wie man eine Babymassage durchführen kann. Diese kann beim Baby für etwas Entspannung sorgen, denn das Schreien ist eine sehr anstrengende Sache und beansprucht die Muskeln sehr.

Alles in allem ist es ein sehr gutes Buch, dass Mut macht und ganz auf der Seite der betroffenen Eltern steht. Es ist auf jeden Fall ein Buch, dass ich betroffenen Eltern ans Herz legen kann, denn hier werden die Bedürfnisse aller berücksichtigt. Denn auch einem Schreibaby helfen entspannte Eltern sehr.

Marnie Schaefers – Ein Leben mit dir ist nicht genug

IMG_6138In Ein Leben mit dir ist nicht genug erzählt Marnie Schaefers die Geschichte von Finn. Er ist gutaussehend, hat reiche Eltern und coole Freunde. Sein Leben ist eine einzige Party und Finn denkt nicht über Morgen nach. Das ändert sich aber schlagartig, als sein Bruder Colin bei einem Autounfall ums Leben kommt und kurz darauf ein alter Schulfreund verunglückt und in Folge dessen im Koma liegt. Finn kommt damit nicht zurecht und wird depressiv. Es wird schnell so schlimm, dass er in eine Kinder- und Jugendpsychatrie eingewiesen wird.

Immer wieder sieht Finn vor seinem inneren Auge die Leiche einer jungen Frau. Er hat das Gefühl sie zu kennen, weiß jedoch nicht woher oder warum er sie immer wieder sieht. Sein Therapeut ist der Meinung, dass er Finn an den Ort seiner Wahnvorstellungen schicken muss, damit er sich mit eigenen Augen versichern kann, dass es die junge Frau nicht gibt. Und so macht sich Finn auf den Weg nach Rainwood Falls und trifft dort Jill. Und in ihr erkennt er die junge Frau aus seinen Phantasien wieder. Doch was hat es damit auf sich? Finn bricht aus seiner Welt aus und versucht gemeinsam mit Jill zu ergründen, was sie verbindet.

Die Geschichte hatte durchaus Potential, doch leider hat sie sich nicht ganz so entwickelt, wie ich es mir vorgestellt hatte. Finn ist mir leider auch kein bisschen sympathisch geworden und so konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen was Jill überhaupt an ihm findet. Leider ist auch die Geschichte um die Wächter und Jill und ihre Familie ein wenig zu viel. Teile bleiben bis zum Ende im Dunkeln, etwa das Verschwinden von Jills Eltern.

Trotz allem behandelt das Buch ein wichtiges Thema, denn es geht um einen jungen Mann, der abstürzt und in der Psychatrie landet. Marnie Schaefers schafft es zum Glück im Buch ein sehr positives Bild der Kinder- und Jugendpsychatrie zu zeichnen und lässt Finn auch immer wieder ewähnen, dass seine Freunde dort doch eigentlich nette und normale Menschen sind, die eben in ihrem Leben etwas erlebt haben, dass sie verletzt oder verstört hat. Es ist so wichtig davon wegzukommen, dass Depressionen oder ähnliche Krankheiten etwas peinliches sind. Es ist schlimm genug für die Betroffenen.

Alfie Kohn – Liebe und Eigenständigkeit

IMG_6107Liebe und Eigenständigkeit von Alfie Kohn wird gerne als das Einstiegswerk genannt, wenn es um bedingungslose Elternschaft geht. Und deswegen habe ich nun auch mit diesem Buch angefangen. Ganz wichtig bei der Einordnung aller Dinge, über die Alfie Kohn schreibt, ist sicherlich folgender Satz, den er selbst im Anhang schreibt:

Der Inhalt dieses Buches ist zwangsläufig davon beeinflusst, dass ich ein weißer Amerikaner aus der Mittelschicht bin.

Und genau in diesem Kontext sollte man dieses Buch auch lesen und sich immer wieder vor Augen führen, dass Amerikaner viel mehr loben und viel freundlicher, man könnte fast sagen künstlich überfreundlich, im Umgang miteinander sind.

In seinem Buch möchte Alfie Kohn Eltern dazu ermutigen aus den alten und sehr weit verbreiteten Erziehungsmustern auszubrechen. Er spricht über die Liebe, die Eltern ihreren Kindern geben dürfen, ohne sie an Bedingungen zu knüpfen. Dabei gibt er viele Beispiele, wie das gelingen kann und zeigt auch aus seinem Alltag auf, wo er vielleicht heute noch versagt oder was seine Kinder ihn gelehrt haben.

Ein Kernthema des Buches ist die Art der Erziehung und der Umgang mit vermeintlichem Fehlverhalten des Kindes. Viele Erwachsene glauben, dass es wirkungsvoll ist möglichst streng und unliebevoll mit dem Kind umzugehen, dass einen Fehler gemacht hat. Sie sagen dem Kind, dass sie es weniger mögen, weil es etwas getan hat oder sie schicken es weg. Sie verhängen Strafen und unterdrücken die Kinder. Natürlich nicht alle und natürlich nicht alle in dem Maße. Doch trotzdem ist das weit verbreitet. „Wenn du jetzt nicht [beliebige Tätigkeit einsetzen] machst, dann darfst du nachher kein Fernsehn schauen.“ ist ein Satz, den viele Eltern nutzen. Alfie Kohn zeigt auf, wie es anders gehen kann, wie wir miteinander umgehen können und auch ausdrücken können, dass uns etwas missfällt oder wir es überhaupt nicht mögen, ohne gleich zwei Fronten aufzubauen, den anderen zu beleidigen oder ihm mit Liebesentzug zu drohen.

Alfie Kohn spricht auch viel über das Lob und was es mit Kindern macht, wenn sie immer und immer wieder für eine Sache gelobt werden. „Das hast du schön gemalt“ zum Beispiel, er hinterfragt, ob man sowas sagen muss und erklärt, dass Kinder ein gewisses Verhalten nur noch zeigen, weil sie ein Lob bekommen und somit die Anerkennung und Aufmerksamkeit des Erwachsenen. Um bei dem Malbeispiel zu bleiben, das Kind malt vielleicht irgendwann nicht mehr unbedingt nur noch, weil es gerne malt, sondern weil es weiß, dass seine Eltern das gut finden. Dabei gibt es andere Wege damit umzugehen. Und nein, Lob ist nicht verkehrt oder verboten und ein Lob verbunden mit ehrlicher Freude, weil ein Kind etwas geschafft hat, dass es vorher nicht geschafft hat ist toll.

Im weiteren Verlauf des Buches zeigt Alfie Kohn die Grundsätze bedingungsloser Elternliebe auf, ohne dabei eine genaue Schritt-für-Schritt Anleitung zu geben. Er regt die Eltern zum Nachdenken an und gibt ihnen einen Leitfaden, an dem sie sich entlanghangeln können.

Immer wieder plädiert er dafür die Kinder anzuhören, innezuhalten und zu fragen, was das Kind möchte, warum es sich gerade so verhält wie es sich verhält und die Meinung des Kindes ernst zu nehmen. Denn genau dann entsteht eine Beziehung auf Augenhöhe in der jeder das sein kann was er ist, Eltern oder Kind. Eine Beziehung ohne Erwartungen, ohne Druck und ohne Bestrafungen, aber dafür mit ganz viel Liebe.

Vieles aus dem Buch war für mich nicht neu, denn ich bin in großen Teilen genau so aufgewachsen und lebe mit meiner Tochter ebenso. Trotzdem war es nicht schlecht noch einmal über all das zu lesen und es zu verinnerlichen. Und es tat gut sich bestätigt zu fühlen, dass der Weg den ich gehe und auch der Weg den alle meine Eltern gegangen sind, ein Weg ist der am Ende liebende und zufriedene Menschen hervorbringt.

Marion Zimmer-Bradley – Die Nebel von Avalon

IMG_6116Es ist eines der Bücher, von dem viele sagen, dass man es gelesen haben muss, Die Nebel von Avalon von Marion Zimmer-Bradley. Bisher hatte ich es noch nicht gelesen und so habe ich die Gelegenheit genutzt und es aus dem offenen Bücherregal im Bahnhof mitgenommen. Und seitdem habe ich es zur Arbeit und wieder zurück geschleppt und mich auf meiner fast 90-minütigen Bahnfahrt durch die Seiten gequält. Irgendwann hatte ich so weit gelesen, dass ich es nicht abbrechen wollte, das mache ich sowieso sehr ungern. Außerdem hatte ich immer noch die Hoffnung, dass der spannende Teil nun endlich kommen mag.

Zimmer-Bradley erzählt in diesem Buch die Artussage aus Sicht seiner Halbschwester Morgaine. Diese ist Priesterin von Avalon, Anhängerin der alten Naturreligion und wird im Laufe des Buches eine wichtige Ratgeberin sowohl für Artus als auch seine Königin Gwenwhyfar. Doch Morgaine ist durchtrieben und verfolgt ihre eigenen Pläne, sie kämpft gegen das Christentum und gegen die Christianisierung von Britannien. Erscheint sie am Anfang noch jung und naiv wird sie im Verlauf des Buches immer hartherziger und skrupelloser, das macht sie nicht gerade sympathischer.

Aus meiner Sicht erfährt man in diesem Buch nicht viel über Artus, seine Tafelrunde und deren Taten, welche ja eigentlich die Sage um ihn und die Runde ausmachen. Viel mehr wird hier lang und breit der Kampf zwischen Naturreligion und Christentum ausgebreitet. Die Charaktere bleiben alle sehr flach und sind sehr stereotyp. Das ist schade, denn man hätte sicherlich mehr aus den einzelnen Personen machen können bzw. die Geschichte auf die wesentlich wichtigen Personen beschränken können.

Positiv aufgefallen ist mir, dass Morgaine immer wieder betont, dass alle Götter ein Gott sind und dass die große Mutter-Göttin und der christliche Gott einer sind. Das ist heute eine wichtige Botschaft und eine, die mir gefällt. Denn aus meiner Sicht sind auch heute alle Götter ein Gott, nur dass ich meinen Gott vielleicht anders anspreche und bezeichne, als andere Menschen in anderen Kulturen und Religionen es tun.

Was mich aber leider am meisten an dem Buch gestört hat ist das viele Blabla, anders kann ich es nicht bezeichnen. Für mich las sich das Buch an vielen Stellen nicht flüssig und ich musste mich sehr oft auf das lesen konzentrieren. Ich weiß nicht wie oft meine Gedanken abgeschweift sind, weil ich das Gefühl hatte, dass sich doch wieder alles wiederholt und Morgaine mal wieder über die gleichen Dinge philosophiert. Ich lese wirklich gerne dicke Bücher und habe auch erstmal kein Problem, wenn ein Buch über 1000 Seiten hat. Hier habe ich aber den Eindruck gewonnen, dass man das wesentlich kürzer hätte fassen können.

Ich bin ein wenig enttäuscht, dass mir das Buch so schlecht gefallen hat, hatte ich doch viel mehr erwartet. Ich habe nach der Lektüre nicht das Gefühl wirklich viel mehr über Artus und die Tafelrunde zu wissen, das ist schade.

Einzig die Widmung, die ich in dem Buch gefunden habe, fand ich sehr toll. Da fragt man sich gleich wer denn die beiden Personen sind, also derjenige dem das Buch geschenkt wurde und die schenkende Tante (Bild folgt).