Julia Dibbern und Nicola Schmidt – Slow Family

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Ich habe das wundervollste Buch gelesen, dass dieses Jahr erschienen ist, zumindest aus meiner Sicht. Julia Dibbern und Nicola Schmidt schreiben in Slow Family – Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern von ihren Erfahrungen und Erlebnissen, die sie mit ihren Kindern gemacht haben. Sie haben ausprobiert und Dinge für gut befunden, sie haben sich mit Menschen umgeben, die ihnen gut getan haben und die ihnen uneingeschränkt geholfen haben. Sie haben das Tempo aus ihrem Leben und somit aus dem Leben ihrer Kinder genommen. Und sie sind glücklich damit. Dabei machen sie nicht alles gleich oder halten sich streng an irgendwelche Regeln oder Vorschriften. Sie geben keine Anweisungen, wie man sich zu verhalten haben muss oder bewerten das ein oder andere Lebensmodell.

Zu Beginn führen Julia und Nicola den Leser in das Thema ein, sie zeigen auf, was die Forschung bisher zustande gebracht hat und entwickeln ihre ganz eigene Familienbedürfnispyramide. Sie plaudern aus dem Nähkästchen und erzählen, wie ihr Weg hin zu einem artgerechten und entspannten Leben mit ihren Kindern war.

Im zweiten Teil des Buchs listen sie die sieben Zutaten auf, die aus ihrer Sicht zu einem einfachen und entspannten Leben mit Kindern dazu gehören und erklären auch, warum es gerade diese Zutaten braucht. Natürlich ist es kein Rezept, es gibt keine Garantie, dass das für jeden Menschen so funktioniert. Aber es ist eine Idee und ein Rahmen, den man ganz für sich ausfüllen kann.

Im dritten Teil schreiben die beiden über das „Slow Village“, also die Gemeinschaft oder das Dorf das es braucht um Kinder großzuziehen. Es sind die einfachen Dinge, die in diesem Kapitel beschrieben werden. Zuerst fragt man sich, ob man darüber wirklich schreiben muss, doch dann kommt man tatsächlich ins Grübeln. Vieles ist für uns heute selbstverständlich, wir nehmen die Menschen um uns rum kaum noch wahr. Wann haben wir das letzte Mal angehalten und ganz bewusst einen Nachbarn oder Bekannten begrüßt und uns ehrlich nach seinem Befinden erkundigt? Wann haben wir das letzte Mal unseren Stolz überwunden und jemand anderen um Hilfe gebeten? Wann haben wir das letzte Mal entspannte Zeit mit Freunden verbracht? Diese und viele andere Fragen wirft dieses Kapitel auf. Und mich zumindest hat es zum Nachdenken angeregt.

In einem vierten Teil geht es um „Slow Nature“, es geht darum zurück zur Natur zu finden. Natur ist für viele Menschen heutzutage etwas gefährliches. Im Wald gibt es Zecken, die Sonne könnte zu stark sein, der Regen zu nass, der Winter zu kalt. Außerdem kann man sich draußen dreckig machen oder verletzen. Na und! Geht raus, geht in die Natur, genau das fordern Julia und Nicola und haben damit absolut recht. Ich war als Kind gerne und viel draußen, ich war das dreckigste Kind, dass nach Hause kam, aber ich habe es in schöner Erinnerung. Möchte ich, dass meine Tochter nur daheim sitzt oder noch schlimmer von einer Aktivität zur nächsten hetzt wenn sie alt genug ist? Eigentlich nicht. Viel lieber möchte ich mit ihr raus gehen, im Dreck wühlen, Kastanien sammeln, auf Bäume klettern, barfuß durch den Schnee laufen und so viel mehr. Es gibt kaum etwas auf das ich mich mehr freue.

Im fünften Teil geht es um das „Slow Family Life“. Wie bekomme ich in dieser hektischen Welt ein wenig mehr Entspannung und Ruhe in meinen Alltag. Das ist gar nicht so leicht und auch Julia und Nicola und ihre Familien sind da nicht perfekt. Aber sie haben ein paar Strategien entwickelt, die helfen nicht völlig gestresst durchs Leben zu gehen, dabei aber nicht alles auf die leichte Schulter zu nehmen. Es sind einfache Dinge, wie das frühzeitige losgehen. Sie raten aber auch, manchmal einfach die Dinge etwas lockerer zu sehen. Wie schlimm ist es, wenn das Kind mal einen Abend nicht die Zähne putzt, wir dafür aber keinen Machtkampf ausgefochten habe= Es schadet niemandem, im Gegenteil, die Situation ist danach eventuell nicht noch verfahrener.

In mir wirkt dieses Buch unheimlich nach. Es enthält keine Geheimnisse oder genaue Anleitungen, was ich in meinem Leben ändern muss, damit ich entspannt bin. Aber es enthält einen Haufen Ideen, die in meinem Kopf herumwirbeln. Und es enthält sehr viele Berichte von Julia und Nicola und ihren Bekannten. Man erfährt, was sie alles probiert haben und auch woran sie kläglich gescheitert sind.

Es ist ein Buch, dass jeder Mensch lesen sollte, der sein Leben mit Kindern teilt. Es ist ein Buch, das wachrüttelt und den Menschen hoffentlich ein wenig die Augen öffnet. Die Welt ist nicht böse, gehen wir also raus und erleben sie.

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2 Gedanken zu “Julia Dibbern und Nicola Schmidt – Slow Family

  1. Pingback: Behind the Screens #2 – Culala liest

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