Sebastian Fitzek – Die Therapie

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Ich bin ja eher ein Schisser was Bücher und Filme angeht. Bei Filmen noch viel mehr als bei Büchern und deswegen hab ich mich jetzt doch mal an Sebastian Fitzek gewagt, denn überall hört man nur Gutes über ihn. Und so habe ich mit seinem ersten Buch begonnen, Die Therapie . Und ich muss sagen, es war gar nicht so gruselig, dafür aber sehr spannend.

Als Viktor mit seiner Tochter Josy bei einem Alerlogen ist verschwindet sie plötzlich auf sehr mysteriöse Weise. In der Praxis hat niemand Josys Verschwinden bemerkt, einige der Anwesenden behaupten gar, dass Viktor ohne sie gekommen ist. Josys Verschwinden lässt Viktor nicht mehr los, doch vier Jahre später beschließt er damit abzuschließen und lässt sich auf ein Interview der Bunten ein. Um dieses zu bearbeiten zieht er sich mit seinem Hund in sein Ferienhaus auf Parkum zurück. Doch lange bleibt er dort nicht alleine. Eine junge Frau die sich Anna Spiegel nennt taucht bei ihm auf und möchte von ihm behandelt werden, obwohl er gar nicht mehr praktiziert. Doch als er hört, was sie zu erzählen hat, entscheidet er sich diesen Fall anzunehmen. Plötzlich ist wieder Hoffnung da Josy lebend zu finden.

Das Buch hat mich recht schnell gepackt und ich wollte wissen, wie Annas Geschichte weitergeht und was sie alles mit Josy erlebt hat. Natürlich schwebte die ganze Zeit die Frage im Raum, was nun mit Josy geschehen war. Aber auch Annas Geschichte möchte man ergründen. Warum schafft sie es auf merkwürdige Weise immer wieder plötzlich aufzutauchen und genauso plötzlich wieder zu verschwinden. Und was an ihrer Geschichte ist wahr und welcher Teil ist erfunden?

Ich weiß noch nicht, ob ich von Sebastian Fitzek so begeistert bin, wie es andere sind, gut gefallen hat mir dieses Buch aber schon. Zur Zeit lese ich das zweite Buch, dass er veröffentlicht hat, auch das sehr spannend. Für mich sind beides aber Bücher, die ich nicht Abends vorm einschlafen lesen könnte. Auch wenn sie nicht so unheimlich oder gruselig sind wie ich dachte, aufwühlend sind sie in jedem Fall.

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Irene Dische – Großmama packt aus

img_5734In ihrem Buch Großmama packt aus erzählt Irene Dische die Geschichte ihrer Familie und somit ihre eigene. Jedoch nicht aus ihrer Sicht oder einer neutralen dritten Person, sondern aus der Sicht ihrer Großmutter. Die Idee ist originell, wirft bei mir aber die Frage auf, wie viel von dieser „Geschichte“ ist nun Wahrheit und wie viel ist dazu erfunden?

Die Großmutter erzählt, wie sie ihren Mann Carl kennenlernte, ganz romantisch bei einer Beinamputation im ersten Weltkrieg. Schnell wird ihr klar, dass sie diesen Mann heiraten möchte, auch wenn er einige „Mängel“ hat, denn er kommt aus Oberschleßien und ist Jude. Doch er konvertiert und so ist vorerst alles gut. Doch schnell wird klar, dass auch ein konvertierter Jude nicht vor den Nazis sicher ist und auch die gemeinsame Tochter Renate nicht auf Dauer ihre Herkunft verstecken kann. Und so flieht erst Carl in die USA und baut dort ein neues Leben auf. Doch das gelingt ihm nicht wirklich, erst seiner Frau gelingt es ihnen ein gutes Leben dort aufzubauen.

Auch Renate fasst Fuß, kommt auf Umwegen auf die Columbia, lernt dort ihren ersten Mann und Vater ihrer Kinder kennen und wird Pathologin. Die Kinder wachsen in recht ungeordneten Verhältnissen und in der Pathologie auf. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die angeblich ängstliche Irene mit 17 Jahren von daheim ausbricht und ohne Geld und Plan durch die Welt reist. Mehr als einmal springt sie dabei dem Tod von der Schippe.

Einzige Konstante ist die treue Haushälterin Liesel, die ihren Herrschaften nach dem Krieg in die USA gefolgt ist. Sie behält den Überblick und ist oft die letzte Rettung in schwierigen Situationen.

Zu Beginn musste ich mich an den Schreibstil gewöhnen und war mir zuerst auch nicht sicher, ob mir dieses Buch überhaupt zusagt. Doch je weiter ich gelesen hatte, desto mehr tauchte ich in die Familie und ihre Geschichte ein. Ich wollte wissen, wie es mit den einzelnen Personen weitergehen würde und wie sie es schafften ihre Lebensziele zu verwirklichen.

Der Umgang in der Familie ist auf eine merkwürdige Art unliebevoll liebevoll. Sie sind ruppig, dulden Schläge, Fremdgehen und böse Worte. Trotzdem halten sie zusammen und sind in schwierige Situationen immer füreinander da. Es ist merkwürdig und gleichzeitig toll, es ist verwirrend und doch ganz klar und es ist eine besondere Familiengeschichte.

 

#Leseparty – Die Alternative zur Frankfurter Buchmesse 2016

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Für alle, die nicht oder nur an wenigen Tagen auf der Frankfurter Buchmesse sein können, gibt es in diesem Jahr wieder eine Leseparty. Veranstaltet wird sie von Jess von Primaballerina’s Books und Petzi von Die Liebe zu den Büchern. Nähere Informationen und Updates bekommt man hier.

Diesen Beitrag werde ich immer wieder aktualisieren, sofern ich es neben Arbeit und Kind eben schaffe 🙂

 

Mit welchem Buch startet ihr in die #Leseparty? Welche Bücher nehmt ihr euch vor?

Ich starte mit den beiden Büchern, die ich gerade lese. Das ist zum einen Grossmama packt aus von Irene Dische. Ein Buch, dass ich von der Frau des Patenonkels meines Mannes bekommen habe. Ihr Kommentar: „Komisch, berührend, ein tolles Buch.“ Bis jetzt kann ich dem zustimmen, auch wenn der Erzählstil eigenwillig ist.

Zum anderen lese ich zur Zeit vor dem Einschlafen Nellys Lächeln von Ki-Ela. Hier brauchte ich eine Weile um rein zu kommen, irgendwie hat mir die Sprache nicht wirklich zugesagt und Nelly gefällt mir nicht. Aber so langsam nimmt das Buch Fahrt auf und ich möchte wissen wie es weitergeht.

 

Welche drei Bücher wollt ihr euch demnächst unbedingt kaufen?

Puh, schwierig. Ich würde gerne auf jeden Fall noch die anderen Bücher von Karl-Ove Knausgard lesen. Ich denke davon werde ich mir entweder eins demnächst kaufen oder auf die Weihnachtswunschliste setzen.

Den neuen Harry Potter muss ich auch haben, den werde ich spätestens zu Weihnachten kaufen und dann evtl. meinem Mann schenken. Denn der mag Harry Potter genauso gerne wie ich.

Außerdem werde ich mir demnächst Slow Family von Julia Dibbern und Nicola Schmidt kaufen. Ich habe von Julia Dibbern bereits ihr erstes Buch „Geborgene Babys“ gelesen und daraus sehr viel mitgenommen. Manche nennen es öko, ich nenne es back to the roots. Meinem Kind tut es gut, mir tut es gut, dem Mann tut es gut. Für uns passt es also und so freue ich mich auf das neue Buch.

 

Sonntag Abend und ich beginne mit der ersten Frage von Freitag. Irgendwie war dieses Wochenende doch zu viel los, richtig viel gelesen habe ich auch nicht. Trotzdem sollen die Fragen hier nicht unbeantwortet bleiben.

Heute wollen wir von euch wissen, welches Buch euch zuletzt so richtig begeistert hat?

Zuletzt hat mich 28 Tage lang von David Safir so richtig von den Socken gehauen. Ein Buch, dass ich nicht aus der Hand legen konnte, aber immer mal wieder weglegen musste, weil es mich so mitgenommen hat. Sehr, sehr empfehlenswert.

Lest ihr auch gerne Liebesromane oder Bücher für’s Herz? Oder ist das gar nichts für euch? Was könnt ihr hier besonders empfehlen?

Absolut, ich brauche zwischendrin immer wieder so einen Liebesschmöker fürs Herz. Besonders gut gefallen haben mir die Bücher von Katrin Koppold, damit hab ich sogar meine Schwester zum lesen gebracht und zum Bücher kaufen. Auch die Bücher von Virginia Fox gefallen mir in der Hinsicht sehr gut. Beides Autorinnen, die ich wirklich sehr ans Herz legen kann.

Was lest ihr gerade? Beschreibt eure aktuelle Lektüre mit max. drei Stichwörtern.

Freitag habe ich vor allem Großmutter packt aus von Irene Dische gelesen. In drei Worten: offen, ehrlich, merkwürdig.

Da das Gastland der #fbm16 die Niederlande/Flandern sind, wollen wir wissen: könnt ihr Bücher empfehlen, die in den Niederlanden spielen? Oder Bücher von niederländischen Autoren? Falls ihr noch Buchempfehlungen für die passenden Bücher braucht, werdet ihr hier sicher fündig.

Ich habe zuletzt Brüder für immer vom niederländischen Autor Rindert Krumhout gelesen. Das hat mir ganz gut gefallen. Ein niederländisches Buch besitzen wir sogar auch, ein Bilderbuch von Nijntje (in Deutschland bekannt als Miffi). Das hat das Kind zur Taufe von meiner niederländischen Freundin geschenkt bekommen. Ihr könnt euch vorstellen wie lustig es ist, wenn der Mann oder ich es vorlesen. Wir haben nämlich nur sehr rudimentäre niederländisch Kenntnisse.

Habt ihr besondere Lesemacken oder Lesegewohnheiten? 

Eigentlich nicht, ich lese gerne bis zum Ende eines Kapitels bevor ich das Buch weglege. Das würde ich jetzt aber nicht als Lesemacke oder -gewohnheit bezeichnen.

Welchen Blog (egal ob Buch oder anderer Blog) habt ihr während der #Leseparty neu für euch entdeckt?

Ich bin überhaupt nich dazu gekommen richtig zu lesen. Auf einigen hab ich vorbeigeschaut. Da die Seite mit der Teilnehmerliste ja aber glücklicherweise nicht Sonntag verschwindet, habe ich noch ganz viel Zeit bei den anderen Teilnehmern vorbeizuschauen und mich umzuschauen.

Welche Bücher wollt ihr 2016 noch unbedingt lesen, die sich aber bereits schon auf eurem SuB befinden?

Ich habe mir einige Nele Neuhaus Bücher gekauft, die würde ich sehr gerne noch lesen. Und den neuesten Band von Virginia Fox

Lest ihr denn auch Selfpublisher? Wenn ja – welche? Wenn nein – wieso nicht?

Ja, ich lese über Kindle Unlimited und da sind einige Selfpublisher dabei. Und ich muss sagen, dass ich da schon wirklich sehr tolle Bücher entdeckt habe. Ich möchte gerne jedem eine Chance geben, vielleicht ging es denjenigen ja wie J.K. Rowling und ihre Bücher wurden überall abgelehnt.

Leseparty-Endspurt! Wie viel habt ihr gelesen?

Viel zu wenig für meinen Geschmack. Dafür hab ich ganz viel Zeit mit dem Kind verbracht und das ist viel mehr wert.

David Safir – 28 Tage lang

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Ich habe lange nicht mehr ein Buch gelesen, dass mich so emotional mitgenommen hat wie 28 Tage lang von David Safir. David Safir kennen viele sicherlich durch die lustigen Romane, wie „Jesus liebt mich“. Doch in diesem Buch, das übrigens ein Jugendbuch ist, schreibt er über den dunkelsten Teil unserer Geschichte.

Warschau 1942, Mira lebt mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Hannah im Gettho. Ihre Mutter hat sich nach dem Selbstmord des Vaters aufgegeben und so ist es an Mira dafür zu sorgen, dass die Familie überlebt. Ihr gelingt es immer wieder die Getthomauer zu überwinden und im polnischen Teil Essen zu ergattern. Doch dann verschlimmert sich die Lage, die Bewohner des Getthos sollen deportiert werden, die SS tötet wahllos und aus Spaß Juden und jeder ist sich selbst der Nächste.

Und so muss Mira sich entscheiden, was für ein Mensch sie sein möchte. Kann sie einem anderen Menschen Leid zufügen oder ihn sogar umbringen, nur um ihr Überleben zu sichern? Wie weit kann sie gehen, um ihre Schwester zu beschützen? Und wie kann sie ihren Freund Daniel davon überzeugen, dass es sich lohnt am Leben zu bleiben.

David Safir gibt einem das Gefühl neben Mira durch das Gettho zu laufen. Er beschreibt Situationen so, als wäre er dabei gewesen. Und genau diese Beschreibungen gehen unter die Haut und lassen einen erzittern. Immer wieder stellt sich mir die Frage, wie kann es passieren, dass Menschen so grausam werden können? Wie kann man so ein Mensch werden.

Mira ist keine Heldin und genau das macht die Geschichte so perfekt. Sie zweifelt und hat Angst, sie hat Skrupel und verhält sich sicherlich in der ein oder anderen Situation falsch. Und genau das macht sie für mich so real.

Dieses Buch sollte jeder lesen, dieses Buch rüttelt wach. Gerade jetzt ist vieles aktueller als es seit langem war. Was für ein Mensch will ich sein?

Emma C. Moore – Finian Blue Summers

IMG_5722.JPGAls ich anfing Finian Blue Summers von Emma C. Moore zu lesen, rechnete ich mit einem netten Teenie-Liebesroman, etwas Seichtes für Abends vorm schlafen gehen. Doch das ist das Buch nur bedingt. Es erzählt die Geschichte von Rayne, einer jungen Frau, die mit ihrem Geigenspiel berühmt geworden ist. Doch Rayne ist ganz anders als alle Mädchen in ihrem Alter, denn sie ist so gar nicht selbstständig. Ihr Vater bestimmt alles für sie, ja sie hat ihm sogar für fast alles eine Vollmacht erteilt. Als jedoch ihre Großmutter stirbt fängt Rayne an zu rebellieren. Zuerst probiert sie es mit schreien, doch das hilft überhaupt nicht. Und so beschließt sie zu schweigen und kein Wort mehr zu sagen. Ihr Vater steckt sie kurzerhand in eine psychatrische Anstalt und dort lernt sie Finian kennen, der dort ein Praktikum absolviert.

Finian ist ganz anders als die anderen Pflegepersonen, er behandelt Rayne wie einen Menschen und nicht wie ein taubstummes Ding. Schnell fasst sie Vertrauen zu ihm und beginnt über Post-It-Zettelchen mit ihm zu kommunizieren. Finian erzählt Rayne von seiner Familie, Rayne erzählt ihm dafür von ihrer Großmutter und deren Haus, das sie eigentlich geerbt hat und welches ihr Vater verkaufen will. Finian beschließt kurzerhand Rayne dort hin zu bringen und so machen die beiden sich auf den Weg.

Es ist schnell klar, dass zwischen den beiden eine ganz besondere Anziehungskraft herscht, der sie sich nur mit Mühe entziehen können. Immer wieder weißt vor allem Finian Rayne zurück, die das nicht versteht und die Schuld bei sich sucht. Doch Finian verbirgt etwas vor ihr.

Das Buch erzählt nicht nur die Liebesgeschichte der beiden, sondern auch die Entwicklung von Rayne. Sie kommt immer weiter aus ihrer Isolation heraus und lernt für sich selbst zu sorgen. Sie beginnt ihr Leben zu hinterfragen und stellt sich aktiv gegen ihren Vater.

Besonders das Ende des Buchs ist schön, jedoch möchte ich dazu nichts verraten, denn das nimmt sonst ja dem ganzen Buch seinen Zauber. Für mich war es ein absolut lesenswertes Buch, das mich positiv überrascht hat.

 

Christoph Rehage – Neuschweinstein

img_5717Als ich die Leseprobe zu Neuschweinstein von Christoph Rehage begonnen hatte zu lesen, wurde mir sehr schnell klar, dass mich hier kein Buch wie Hummeldumm erwartet, sondern wirklich ein Tagebuch einer Reise mit zwölf Chinesen durch Europa. Christoph Rehage liebt China und seine Einwohner, im chinesischen YouTube ist er so etwas wie ein Star. Als ihm in München eine chinesische Reisegruppe begegnet beschließt er genau solch eine Reise zu machen, um zu erfahren, wie die Chinesen Europa erleben.

Natürlich ist es für ihn zuerst nicht ganz leicht eine Gruppe zu finden. Und auch als er diese gefunden hat muss er eine Art Bewerbungsgespräch mit dem Reiseleiter absolvieren. Der beschließt, dass Christoph Rehage mit darf und so macht er sich 10 Tage vor dem chinesischen Neujahr mit seinen Mitreisenden auf den Weg nach Europa. Das, was für ihn zuerst als ein Nachteil erscheint, die Gruppengröße, wird schnell zum Vorteil. Christoph Rehage lernt seine Mitreisenden, auch dank seiner sehr guten Chinesischkenntnisse, schnell kennen und schließt sie nach und nach in sein Herz.

In dem Buch berichtet er ungeschönt über den Alltag solch einer Reise. Über grauenhaftes Gruppenessen in chinesischen Restaurants, Verkaufsshows in Lederfabriken oder chinesischen Verkäuferinnen in den Kaufhäusern. Doch er erlebt auch viele besondere Momente mit seinen Mitreisenden, er sieht, wie sie Europa entdecken und in eine fremde Welt eintauchen. Er kauft mit seinen Mitreisenden ein und berät sie über gute deutsche Wertarbeit.

Doch das Buch endet nicht mit dem Heimflug, denn Christoph Rehage kehrt nach China zurück und besucht alle seine neugewonnenen Freunde in ihrer Heimat und lernt sie dort noch einmal auf eine ganz andere Art kennen.

Mir hat das Buch gut gefallen, es ist kurzweilig und lässt sich schnell in einem weg lesen. Christoph Rehage ist ehrlich und das gibt dem Buch einen besonderen Charakter. Er schönt nichts, beschreibt die Dinge wie sie sind und das ganz ohne sehr wertend zu sein.

Interessant auch die App, die der Verlag anzubieten scheint. PapeGo nennt sie sich. Ist diese auf dem Handy installiert kann man das Buch an der zuletzt gelesenen Stelle fotographieren und dann auf dem Handy weiterlesen. Ausprobiert habe ich es aber nicht, da es die App anscheinend nur für Android und iOS gibt.

Rindert Kromhout – Brüder für immer

img_5713Nachdem Rindert Kromhout Charleston besucht hat, beschließt er ein Buch über das Haus und seine Bewohner zu schreiben. Doch er möchte keine Biografie über eine der Personen schreiben oder ein Sachbuch über das Haus und die Kunst, nein er möchte einen Roman schreiben. Und so erzählt er aus der Perspektive von Quentin Bell über das Leben in Charleston, über die Menschen und vor allem über die Freundschaft, die Quentin und seinen Bruder Julian verband. Und genau diese Freundschaft führt auch zum Titel des Buchs, denn Quentin verspricht Julian ein Buch über ihn zu schreiben, sollte er vor ihm sterben. Julian besteht darauf, dass er dieses Buch dann Brüder für immer nennt.

Julian stirbt in jungen Jahren und so beginnt Quentin das Buch über seinen Bruder zu schreiben. Hilfe bekommt er dabei von seiner Tante Virginia Woolf. Doch nicht nur seine Tante ist eine bekannte Persönlichkeit, Quentin und Julian wachsen mit Künstlern, Schriftstellern, Ökonomen und anderen wichtigen Persönlichkeiten auf. Für die beiden ist es eine Selbstverständlichkeit, dass diese immer ein und aus gehen. Ebenso ist es für die beiden nichts besonderes, dass ihre Mutter nicht mit ihrem Vater zusammen lebt, sondern mit ihrem Maler-Freund Duncan. Dieser wiederrum hat wechselnde Liebschaften, junge Männer. Aber auch der Vater der beiden ist nicht komplett aus ihrem Leben verschwunden, er kommt immer wieder mit einer seiner Freundinnen zu Besuch. Allein dieses Lebensmodell ist heute schon schwierig für viele Menschen, damals war es das um so mehr. Und so erleben Quentin und Julian zuerst auch Ablehnung und Unverständnis bei den Dorfbewohnern.

Brüder für immer erzählt nicht nur die Geschichte von Quentin und Julian, es erzählt auch die Geschichte der Bloomsburry-Group, erzäht von ihren Aktivitäten und Aktionen. Zu Beginn war ich etwas verwirrt, dass so viele Leute eingeführt wurden, die ich nicht zuordnen konnte. Wer ist nun wer und in welchem Verhältnis steht er zu wem? Diese Frage hat sich mir immer wieder gestellt. Zuerst hat mich das extrem gestört, doch irgendwann hat sich das komplett gedreht und ich fande es eigentlich gut. Denn nicht nur mir als Leser geht es so, es muss auch damals den Menschen in der Umgebung so ergangen sein.

Das Buch ist schnell durchgelesen und mich hat es dazu angeregt mehr über die einzelnen Personen im Internet zu lesen. Außerdem habe ich nach Bildern von diesem einzigartigen Haus gesucht und habe jetzt auf meiner Reiseliste ein Ziel mehr. Lediglich der Einband des Buchs hat mir nicht gefallen, es ist viel zu fest gebunden, so dass man es nicht bequem aufschlagen konnte. Bei mir führt das schnell zu Krämpfen in den Händen, ich bin da aber auch etwas empfindlich.

Rosalind James – Auszeit in Neuseeland

img_5709Auszeit in Neuseeland von Rosalind James ist nicht der klassische Liebesroman, wie ich ihn erwartet habe. Zwar beginnt er so, wie viele Liebesromane beginnen. Hannah hat ihr Leben lang gearbeitet, ihre Geschwister groß gezogen und eigentlich nie an sich selbst gedacht. Hinzu kommt, dass sie von sich selbst nicht wirklich überzeugt ist und sich immer zurückstellt. Doch sie sieht ein, dass sie auch einmal etwas für sich tun muss und gönnt sich einen dreiwöchigen Urlaub in Neuseeland. Kaum dort angekommen bringt sie sich in Lebensgefahr, sie schwimmt zu weit im Meer raus und gerät in eine gefährliche Strömung. Als sie schon mit ihrem Leben abschließen will taucht Drew in seinem Boot auf und rettet sie. Drew sieht gut aus, hat Geld und Interesse an Hannah. So kommt es wie es kommen muss, die beiden kommen sich sehr schnell näher und verlieben sich ineinander. Den Rest von Hannahs Urlaub verbringen sie gemeinsam. Doch damit endet das Buch nicht, wie es sicherlich bei vielen Liebesromanen der Fall gewesen wäre. Hier beginnt es erst.

Hannah kehrt zurück in die USA und führt von nun an eine Fernbeziehung mit Drew. Der versucht sie so oft wie möglich besuchen zu kommen, ist das für ihn doch leicht möglich, denn er ist der berühmteste Rugby-Spieler Neuseelands. Doch Hannah kann nicht aus ihrer Haut und tut sich schwer Drew in ihr Leben zu integrieren. Sie macht sich Gedanken, wie sie weiterhin für ihre Geschwister da sein kann und wie sie die viele Arbeit mit den Besuchen von Drew vereinbaren kann. Als dieser ihr vorschlägt nach Neuseeland zu ziehen beginnt Hannah über ihr Leben nachzudenken.

Zu Beginn war ich mir nicht sicher, ob mir das Buch gefallen würde. Ich lese gerne Liebesromane und kann da so schön mitleiden. Hier jedoch schien es mir zu Beginn fast etwas zu kitschig und ich hatte befürchtet, dass es jetzt immer so weiter geht. Die beiden haben Sex, sind getrennt, beteuern sich wie sehr sie sich lieben und so weiter. Doch so kommt es nicht, viel mehr geht das Buch streckenweise sehr viel um Hannah, darum wie sie ihr Leben gestalten kann und möchte und wie weit sie aus ihren Gewohnheiten ausbrechen kann.

Nicht viele Romane dieser Art haben eine Protagonistin, die so sehr an sich zweifelt und dabei so real ist. Und besonders schön ist, dass Hannah keine plötzliche Veränderung durchlebt, ihre Einstellung nicht einfach ändert oder gegen ihre Überzeugung handelt. Viel mehr lernt sie im Verlaufe des Buchs immer mehr mit sich selbst ins Reine zu kommen und sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Sie erkennt, dass nicht alles was ihre leichtsinnige aber lebenslustige Schwester tut falsch ist und dass es wichtig ist sich auch einfach mal etwas zu gönnen.

Ein wenig schwierig fand ich den Aufbau des Buches bzw. die Szenenwechsel. Hier würden einige Absätze dem Buch wirklich gut tun und den Leser nicht verwirren. Von einem Moment zum anderen ändern sich Situation und Umgebung, ohne dass im Text erkennbar ist, dass hier nun ein neuer Abschnitt beginnt. Auch hatte ich am Anfang den Eindruck, dass an einigen Stellen Text fehlen könnte, denn die Gedankensprünge bzw. Gespräche waren für mich nicht mehr nachvollziehbar.

Wer dieses Buch liest darf sich auch nicht schämen, wenn der Sex von Hannah und Drew in all seinen Einzelheiten beschrieben wird. Ich finde sowas ja nicht schlimm, solange ich es nicht in der vollbesetzten Bahn lese, dann würde ich wohl doch rot werden. Drews Fantasien finde ich nur etwas merkwürdig, aber gut, jeder wie er mag.

Für mich auf jeden Fall ein Buch, dass mich überzeugt hat. Es ist sprachlich vielleicht nicht der Knaller, aber es lässt sich gut nebenher lesen und Hannah ist eine sympathische junge Frau, die man so überall treffen könnte.

Nele Neuhaus – Schneewittchen muss sterben

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Vor drei Tagen habe ich wieder angefangen zu arbeiten und so habe ich jede Menge Zeit auf dem Hin- und Rückweg zum lesen. Und so war es auch kein Wunder, dass ich Schneewittchen muss sterben von Nele Neuhaus im Rekordtempo durchgelesen habe. Da ich Nele Neuhaus und ihren Schreibstil sowieso gerne mag, hat es die ganze Sache noch beschleunigt. Auch hier ist ihr wieder ein Krimi gelungen, den man nicht aus der Hand legen möchte.

Tobias Sartorius kommt nach Verbüßung seiner Haftstrafe wegen doppeltem Mordes wieder nach Hause zurück. Doch dort hat sich einiges geändert, die Dorfgemeinschaft hat sich gegen seine Eltern verbündet, diese sind finanziell ruiniert und auch ihre Ehe ist zerbrochen. Natürlich ist Tobias dort nicht willkommen und die Bewohner geben ihm das sehr deutlich zu verstehen. Nur Amelie, die gerade von Berlin zu ihrem Vater nach Altenhain gezogen ist, steht auf Tobias Seite. Sie glaubt an seine Unschuld und versucht ihm dabei zu helfen herauszufinden, was an dem Abend, als die beiden Mädchen verschwanden, wirklich passiert ist. Doch dann verschwindet wieder ein Mädchen und ein Skelett wird gefunden. Es ist kein Wunder, dass Tobias der Hauptverdächtige ist und eine Hexenjagd im Dorf beginnt.

Wie auch in den vorigen Bänden ermitteln Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein. Und diesmal wird es für die beiden nicht einfach, denn auch innerhalb des K11 bleibt nicht alles so wie es war. Trotzdem gelingt es den beiden die vielen Fäden, die diese Geschichte hat, zu entwirren und den Fall zu lösen.

Ich schäte an den Krimis von Nele Neuhaus sehr, dass einem nicht von Anfang an klar ist wer der Mörder ist oder wie alles abgelaufen ist. Viel mehr lässt sie den Leser im Dunklen, jedoch nie so, dass man das Gefühl hat sie würde absichtlich etwas auslassen. Man weiß einfach immer genau so viel wie auch die Ermittler wissen und kann mit ihnen gemeinsam die Lösung für die vielen Rätsel suchen.

Besonders gelungen sind in diesem Buch die Einwohner von Altenhain, die Dorfgemeinschaft, die zusammen hält und sich gegen jeden stellt, der ihnen nicht passt. Nichts wirkt hier überzeichnet oder unglaubwürdig, führe man nach Altenhain würde man sicherlich erwarten genau diese Leute dort anzutreffen. Und so etwas macht ein besonders gutes Buch für mich aus.

Die nächsten Bände liegen schon bereit und warten darauf von mir gelesen zu werden. Darauf freue ich mich besonders und frage mich jetzt, warum ich die Bücher so lange unbeachtet gelassen habe.