Eve Harris – Die Hochzeit der Chani Kaufman

img_5670Ein Buch, bei dem ich einen Moment brauchte um in die Geschichte hereinzukommen war Die Hochzeit der Chani Kaufman von Eve Harris. Ich glaube, ich war zu Beginn von den Zeitsprüngen etwas irritiert und habe nicht ganz verstanden was genau die Lebensgeschichte der Rebbetzin mit der von Chani zu tun hatte. Im Laufe der Zeit ging es mir aber auf, dass beide eine gegenläufige Entwicklung durchgemacht haben.

Chani wächst als Chassidim, also streng gläubige Jüdin, auf. Mit knapp 20 ist sie schon fast eine alte Jungfer, doch sie ist für die Verhältnisse ihrer Welt sehr wählerisch, was den richtigen Partner angeht. Als Baruch Interesse an ihr bekundet und die beiden über die Heiratsvermittlerin zueinander gebracht werden, entschließt sie sich doch zu heiraten.

Auf dem Weg zur Hochzeit wird Chani von der Rebbetzin, also der Frau des zuständigen Rabbis, begleitet. Diese hält einen speziellen Unterricht mit ihr ab und erklärt ihr, in sehr blumigen Worten, was von ihr als Ehefrau erwartet wird. Doch Chani will mehr wissen, vor allem will sie wissen wie das mit dem Sex funktioniert und wie man es verhindert ein Kind zu zeugen. Antworten auf diese Fragen bekommt sie keine.

Doch es wird nicht nur Chanis und somit auch Baruchs Geschichte erzählt, sondern man erfährt auch, wer die Rebbetzin ist, wer sie war und warum sie heute so handelt wie sie handelt.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Vor allem gibt es einen Einblick in eine Welt, die für mich fremd ist. Mir ist es unbegreiflich, wie man seine Kinder so unaufgeklärt aufwachsen lassen kann und sie dann einfach aufeinander loslässt. Da ist es kein Wunder, dass die jungen Mädchen, und sicher auch die jungen Männer, sich ihre ganz eigenen Gedanken und Sorgen machen.

Für mich ist es völlig unvorstellbar, dass ich einen Mann heirate, den ich von ein paar Treffen kenne. Im Besten Fall kommt er aus der gleichen Gemeinde und man weiß ein wenig mehr über ihn. Chani formuliert das sehr treffend:

Wir kennen uns gar nicht, aber von uns wird erwartet, dass alles in einer Nacht von null auf hundert geht. Das ist absurd!

(Seite 442)

Absurd mag es uns erscheinen, gelebt wird es heute immer noch.

Spannend war für mich auch die Geschichte der Rebbetzin. Erst zu erfahren, wie sie zu einer Chassidin wurde und dann zu sehen, wie sie sich weiterentwickelte und welchen Einfluss die Schicksalsschläge auf sie und ihren Glauben hatten. Sie ist eine mutige Frau, die den Chanis dieser Glaubensgemeinschaft ein Vorbild sein kann.

Empfehlen kann ich das Buch auf jeden Fall. Jedoch sollte man es nicht, so wie ich, immer mal wieder stückchenweise lesen. Das hat mich immer wieder rausgebracht und durcheinandergebracht, da ich mich an manche Dinge nicht erinnern konnte.

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Ein Gedanke zu “Eve Harris – Die Hochzeit der Chani Kaufman

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