Peter Schmidt – Der Junge vom Saturn

Hermine liest viel und vor allem auch viel „schwere Kost“. Deswegen hier auch die Aufgabe eine Biografie zu lesen. Und genau das habe ich letzte Woche mit Der Junge vom Saturn von Peter Schmidt getan. In diesem Buch beschreibt Peter Schmidt seine Kindheit und Jugend und vor allem seine Andersartigkeit, denn Peter Schmidt ist, was er damals noch nicht wusste, Asperger-Autist.

Bei vielen Schilderungen von Peter Schmidt über die Grausamkeit seiner Mitschüler musste ich schlucken. Ähnliches habe ich in der Schule durchmachen müssen, denn ich war auch anders als die anderen Kinder. Warum keiner Peter Schmidt verstanden hat, ist mir ein Rätsel, ich finde vieles was er tut sehr klar nachvollziehbar. Einiges jedoch kann ich nicht nachvollziehen, vieles finde ich mutig und hätte mich niemals getraut so zu handeln. So beschreibt er zum Beispiel, dass er als Kind von Haus zu Haus gegangen ist um um Ableger von Kakteen zu bitten. Ich habe früher mit niemandem gesprochen und erst recht nicht mit Fremden, sehr mutig so eine Aktion.

„Grün ist vier und vier ist grün“ schreibt Peter Schmidt in seinem Buch und ich hätte am liebsten laut „Genau!“ gerufen. Wie oft musste ich mich ermahnen nicht laut „Vier!“ zu rufen, wenn die Ampel auf grün umgesprungen ist und der Fahrer es verpasst hatte. Andere Zahlen haben bei mir keine so klar definierte Farbe, der Zahlenstrahl ist für mich aber gleichzeitig auch ein Farbenstrahl, ohne dass ich ihn wirklich erklären könnte.

Bücher wie diese wühlen mich auch, stelle ich mir doch immer und immer wieder die Frage, ob ich nicht auch betroffen bin. Tests im Internet sind recht eindeutig, da erfülle ich alle Kriterien. Ob das aber so wissenschaftlich fundiert ist, weiß ich nicht. Was aber sicher ist, ich bin anders, das kann Herr Baehr besonders gut bestätigen, aber sicherlich auch meine Mutter. Ich plane alles und kann einen richtigen Wutanfall bekommen, wenn es nicht so läuft wie ich es geplant habe. Ich kann absolut keinen Smalltalk, werde in solchen Situationen oft gefragt, warum ich jetzt lachen würde (dachte immer, man lacht/lächelt bei Small Talk). Ich verstehe Ironie nur, wenn sie sehr extrem ist oder wenn jemand es direkt dazu sagt. Ich verstehe viele Witze nicht und lasse mich besonders leicht veräppeln.

Andere Menschen, besonders fremde Menschen, finde ich sehr anstrengend. Selbst Freunde ertrage ich nur für eine bestimmte Zeit und brauche dann eine Rückzugsmöglichkeit und einfach meine Ruhe. Auch Herrn Baehr kann ich nicht dauerhaft ertragen, zum Glück spielt er ja gerne Computer, da kann ich ihn oft hinschicken, wenn es mir zu viel wird. Berührungen mochte ich schon als Kind nicht und das hat sich auch bis jetzt nicht geändert. Menschenmengen lösen bei mir ein Unwohlsein aus, enge Menschenmengen besonders.

Das alles macht es nicht immer leicht, gehört aber zu mir dazu. Und es ist wichtig, dass es Menschen wie Peter Schmidt gibt, die an die Öffentlichkeit treten und von ihrem Leben und Leiden berichten.

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