Gemeinsam lesen #3 – Die Dienstagsfragen von Schlunzen-Bücher

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Gemeinsam Lesen ist eine Aktion von Schlunzen-Bücher, die von Asaviel’s Bücher-Allerlei ins Leben gerufen wurde. Die Aktion findet wöchentlich immer Dienstags bei Steffi & Nadja von Schlunzen-Bücher statt.

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Erstaunlicherweise habe ich Karl Ove Knausgards Lieben immer noch nicht beendet. Dort befinde ich mich auf Seite 690 von 763.
Neu angefangen habe ich gestern Der Weg heim von Sejal Badani und bin bei 23%
 
2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
In Lieben: „Nein“, sagte ich.
In Der Weg heim: Mit dem Becher in meiner Hand habe ich die vielschichtige Bevölkerung von Palo Alto kommen und gehen sehen, alle auf der Suche nach dem einen, gemeinsamen Ziel – das Bedürfnis nach überteuertem Kaffee zu stillen.
 
3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Zu Lieben: Ich kann es wirklich nur empfehlen zu lesen. Ich werde in jedem Fall auch die andern Bände der Reihe lesen. Klar ist es manchmal etwas zäh und sicherlich auch für den deutschen Leser etwas schwer zu verstehen, wenn er viel von norwegischen und schwedischen Autoren spricht. Darüber kann man aber, meiner Meinung nach, hinwegsehen.
Zu Der Weg heim: Das Buch hat mich bis jetzt noch nicht wirklich mitgerissen, verbreitet aber durchaus eine bedrückende Stimmung. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich es grade nicht so flüssig lesen kann und oft weglegen muss.
 
4. Haben Autoren bei dir Star-Charakter?
Nein, es gibt Autoren, die ich gerne lese, aber Star-Charakter hat keiner davon. Wenn man mich zwingen würde meinen Lieblingsautor oder meine Lieblingsautorin zu nennen, würde ich mich für Astrid Lindgren entscheiden, denn ich liebe ihre Bücher
Wie sieht es bei euch aus? Was lest ihr zur Zeit? Habt ihr Autoren oder Autorinnen, die ihr vergöttert?

Friedrich Kalpenstein – Das Leben ist kein Zweizeiler

Alexander ist Single, geschieden und lebt mit Dackel Leopold in München. Er ist Autor, hat bisher einen Bestseller veröffentlicht und arbeitet krampfhaft am nächsten. Doch es gibt keinen nächsten, denn er hat eine Schreibblockade. Das einzige was er Zustande bringt sind schnulzige Groschenromane für die er sich schämt. Deswegen beschließt er eine Komödie über das Leben eines Singles zu schreiben, der sich auf Partnersuche macht. Und natürlich muss er sich zu Recherchezwecken auch auf Partnersuche machen. Unterstütz wird er dabei vom kleinen Finn, seinem Nachbarskind, mit dem er auf dem Spielplatz alle Blicke auf sich zieht. Eine viel größere Hilfe ist aber seine beste Freundin Michaela, die ihm Tipps gibt wie er sein Profil bei einer Datingseite einrichten muss, die ihn zu Singleveranstaltungen schleppt und die alles kommentiert, schließlich ist sie ja Psychologin.

Friedrich Kalpenstein ist es gelungen mit Das Leben ist kein Zweizeiler ein lustiges Buch zu schreiben, dass aus der Sicht eines Mannes zeigt, wie schwer es doch ist eine Frau für sich zu gewinnen. Vor allem wenn man wie der Protagonist Alexander nicht mehr der Jüngste ist und dazu kleidertechnisch eher von Vorgestern. Natürlich wird mit Klischees gespielt, so sagt Alexander irgendwann zu Michaela, dass sie ja nur rumsitzen und hübsch aussehen müsste, während er sich den Hintern aufreissen müsste um überhaupt wahrgenommen zu werden. Ob das heute noch genauso gilt ist fraglich, aber darüber kann man bei so einem lustigen Buch hinwegsehen.

Gut gefällt mir persönlich natürlich der Dackel Leopold. Ich bin jetzt nicht der größte Hundefan, mag es aber gerne wenn Tiere mit Persönlichkeit in Büchern eine Rolle spielen, aber weiterhin Tier bleiben. Es ist herlich zu lesen, wie Alexander den Dackel vermenschlicht. Das ein oder andere Mal wird sich da sicher der eine oder ander Hundebesitzer wiedererkennen. Aber genau das macht es aus.

In einigen Rezensionen zu dem Buch wurde kritisiert, dass man genau das was Alexander im richtigen Leben erlebt hat grade nochmal lesen muss, nämlich in Romananfängen von ihm. Aber genau das ist ja der Witz an der Sache, denn darum geht es hier ja. Es wiederholt sich natürlich auch nicht eins zu eins, viel mehr versucht Alexander das Erlebte immer wieder in Krimiform zu pressen. So sterben bei Verabredungen mal die Männer, mal die Frauen auf merkwürdige Weise. Schlecht geschrieben ist es noch dazu, das aber auch mit Absicht, denn Alexander regt sich selbst oft über das Geschriebene auf.

Mir hat das Buch gut gefallen, es ist eine nette Lektüre für zwischendurch, die nicht viel mehr will als zu unterhalten. Natürlich weiß man von vornerein wie es ausgehen wird, aber das ist hier nicht schlimm, denn die Liebesgeschichte steht hier nicht im Vordergrund sondern ist eher ein nettes Beiwerk. Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen.

Christian Zeitmann – Der ewige Wunsch

Da das Kind heute Vormittag nur in meiner Anwesenheit einschlafen konnte, hatte ich Zeit zu lesen und habe Der ewige Wunsch von Christian Zeitmann ausgelesen. Und irgendwie bin ich froh, dass ich es geschafft habe, den am Ende wurde das Buch noch flacher, als es schon am Anfang war. Christian Zeitmann erzählt die Geschichte von Lucien. Er ist ein erfolgreicher, hipper junger Mann, der mit zwei Freunden eine Designagentur hat, eine große Wohnung und eine hübsche Freundin. Doch ihn plagen seit einiger Zeit merkwürdige Träume, in diesen begegnet er einer jungen Frau, nach der er eine tiefe Sehnsucht verspürt. Als er eines Tages völlig kopflos das Büro verlässt trifft er den Taxifahrer Georg, der genau zu wissen scheint, was mit Lucien passiert. Er bringt ihn nicht nur zu einem kleinen Ort in der Eifel, der Lucien so vertraut erscheint, sondern auch zu einer Bekannten, die mit ihm eine Reise in seine Vergangeheit macht. Nach diesem Besuch ist Lucien überzeugt, dass die Frau aus den Träumen seine wahre Liebe aus einer anderen Zeit ist und will sie kennenlernen. Doch da ist noch seine Arbeit und seine Freundin Nadine, die überzeugt ist, dass Lucien an einem Burn-Out leidet.

Eigentlich hatte mir die Idee des Buches sehr gut gefallen, auch wenn von vornerein klar war, dass es kitschig-romantisch werden würde. Aber so Bücher muss es ja auch geben und ich lese das doch recht gerne. Interessant fand ich auch, dass solch ein Buch von einem Mann und aus der Perspektive eines Mannes geschrieben wurde. Ich hatte mir einen etwas anderen Einblick in eine solche Liebesgeschichte gewünscht, denn Männer ticken hier nun oft anders als Frauen.

Leider blieben aber alle Figuren recht flach. Lucien ist ein überheblicher Kerl, der meint er ist der Mittelpunkt der Welt. Mir ist er sehr unsympathisch und auch sein Verhalten ist für mich an vielen Stellen nicht nachvollziehbar. Aber auch die anderen Figuren bleiben flach, die Reinkarnationstherapeutin trägt wallende Gewänder, der ältere Taxifahrer ist etwas schrullig, Luciens Freundin Nadine ist hinterhältig und ganz plötzlich sehr verständnisvoll und Karla, seine große Liebe, ist natürlich perfekt.

Leider war die Geschichte auch sehr absehbar. Kurz hatte ich zu Ende des Buches (Achtung Spoiler) gehofft, dass es doch kein Happy End zwischen Karla und Lucien geben würde, als er zu einem verabredeten Treffpunkt mit Nadine kommt und ihr sagen möchte, dass er in diesem Leben alle Liebe die er hat mit ihr teilen möchte. Doch Nadine erkennt plötzlich, obwohl sie vorher gar kein Verständnis für Lucien und seine Situation hatte, dass sie ihn gehen lassen muss, damit er glücklich werden kann. Woher kommt diese Wendung?

Was mich, vielleicht bin ich da etwas kleinlich, aber auch noch gestört hat, der Autor schafft es nicht sich im Verlaufe des Buchs den Namen einer der Hauptprotagonistinnen zu merken. So ist die große Liebe von Lucien mal eine Karla, ein paar Seiten weiter heißt sie plötzlich Klara. Kann auch ein Tippfehler sein, sowas sollte aber beim Korrekturlesen spätestens dem Lektor auffallen.

Da das Buch sehr viele positive Rezensionen hat, scheine ich mit meiner Meinung wohl recht alleine zu sein. Ich würde keine Leseempfehlung aussprechen, kann mir aber vorstellen, dass es dem ein oder anderen sehr gut gefallen kann.

Gemeinsam lesen #2 – Die Dienstagsfragen von Schlunzen-Bücher

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Gemeinsam Lesen ist eine Aktion von Schlunzen-Bücher, die von Asaviel’s Bücher-Allerlei ins Leben gerufen wurde. Die Aktion findet wöchentlich immer Dienstags bei Steffi & Nadja von Schlunzen-Bücher statt.
Hier meine Antworten zu den Fragen der aktuellen Woche:
1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Ich lese, so wie letzte Woche auch, immer noch Karl Ove Knausgards Lieben. Parallel lese ich nachts Der ewige Wunsch von Christian Zeitmann. In „Lieben“ bin ich mittlerweile auf Seite 472 angekommen, in „Der ewige Wunsch“ bin ich bei 70% gelesen.
 
2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
In „Lieben“ lautet der Satz: „Im Hinterhof wehte ein kalter Wind.“
In „Der ewige Wunsch“: „‚Ich hatte diese Träume‘, begann Lucien, weil er etwas sagen musste, um das Beben in seinem Inneren zu beruhigen.
 
3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Wie schon letzte Woche, ich lese „Lieben“ sehr gerne und bin beeindruckt davon, wie offen Knausgard über alles spricht.
„Der ewige Wunsch“ hat im Grunde eine recht tolle Idee, die aber leider sehr flach und fast schon langweilig umgesetzt ist. Ich bin ein wenig enttäuscht, hatte ich mir doch viel mehr von dieser Geschichte versprochen.
 
4. Hast du eine Mindest- oder Höchstmenge an Seiten, die du liest? (Frage von KiraNear)
Eigentlich nicht. Nach Möglichkeit lese ich aber gerne bis zum Ende eines Kapitels, weil mir so der Wiedereinstieg am nächsten Abend oder später leichter fällt.
Für mich ist jede Seite, die ich zur Zeit schaffe in Ruhe zu lesen, genau die richtige Menge. Ich würde gerne viel mehr lesen, aber da lässt mich das Kind nicht. Ich freu mich schon auf die Zeit, wenn sie alt genug ist um selbst zu „lesen“ (Bilderbücher anschauen zähle ich mal als lesen).

Diana Gabaldon – Drums of autumn

Endlich, endlich, endlich habe ich Diana Gabaldons Drums of autumn zu Ende gelesen. Schon der dritte Teil der Outlander-Reihe war lang, dieser war gefühlt noch länger. Dabei hat er „nur“ gute 1100 Seiten, in den Folgeromanen werden es noch mehr. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es dann wieder spannender wird. Sehr schade, die Reihe fing stark an und hat leider stark nachgelassen.

In diesem Band beschreibt Diana Gabaldon die Ankunft von Jamie und Claire in Amerika. Die beiden schlagen sich bis zu Jamies Tante Jocasta durch, befreien auf dem Weg noch einen Gefangenen, der ihnen im Verlaufe des Buches immer wieder übel mitspielt und machen sich dann auf den Weg ins Hinterland um ihren Platz zum Leben zu finden. Den finden sie schließlich auch, ein abgeschiedener Ort an dem sie ein neues Leben beginnen können. Jamie schickt seinen Freund und Vertrauten Duncan los Weggefährten aus Ardsmuir zu suchen und für die Siedlung zu gewinnen. Während Duncan unterwegs ist beginnen Jamie, Claire und Ian sich am neuen Ort häuslich einzurichten.

Parallel wird die Geschichte von Brianna und Roger erzählt. Brianna ist immer noch verbissen auf der Suche nach Hinweisen, dass ihre Mutter ihren Vater gefunden hat und beide glücklich leben. Doch sie findet eine Zeitungsnotiz, die vom Tod der beiden berichtet und so macht sie sich auf den Weg zu den beiden, um sie zu warnen. Roger findet dies heraus und folgt ihr. Durch Irrungen und Wirrungen finden die beiden erst zusammen, nur um dann kurz darauf wieder getrennt zu sein. Brianna erlebt furchtbares aber auch viele schöne Momente mit ihrem Vater, während Roger bei den Indianern durch die Hölle geht.

Das alles hätte man sicherlich auch auf 500 Seiten erzählen können. Leider scheint Diana Gabaldon aber die Länge zu mögen und fügt so Seite um Seite der Geschichte hinzu. Ich blättere eigentlich nie einfach weiter, war hier aber verlockt es zu tun. Es macht es auch nicht unbedingt einfacher der Geschichte zu folgen, wenn immer irgendwelche unwichtigen Dinge erzählt werden. So erzählt sie zum Beispiel seitenweise von einer giftigen Schlange, die auf dem stillen Örtchen auftaucht. Das alles hat keinen Einfluss für die weitere Handlung und ist dafür auch gar nicht wichtig. Mich bringt das irgendwann raus, ich wusste am Ende nicht mehr wer am Anfang vielleicht irgendwo aufgetaucht war. Es werden immer wieder Personen eingeführt, die manchmal eine Rolle spielen, manchmal aber nicht. Da verliere zumindest ich schnell die Übersicht.

Des weiteren wird mir Jamie immer unsympathischer. Er ist ewig sturr und weiß alles besser. Er gibt den Ton an, alle haben ihm nachzufolgen. Auch Claire ist nur noch ein Schatten von der Person, die sie in den ersten beiden Bänden war. Im Prinzip ist sie die treu-doofe Ehefrau, die ihrem großen, starken Mann überall hin folgt. Romantisch ist zwischen den beiden schon lange nichts mehr.

Was mich aber fast am meisten an dieser Reihe stört ist die Bezeichnung als Highland-Saga. Denn bis auf den ersten Band haben die meisten Teile dieses Buches nicht in Schottland gespielt. Und nur die Tatsache, dass Jamie Schotte ist machen aus so einem Buch noch lange kein Highland-Buch. Das ist schade, lässt bei mir auch den Eindruck entstehen, dass Diana Gabaldon sich in Schottland nicht gut genug auskannte, um die Geschichte dort weiter zu erzählen und sie lieber in ihr Heimatland verlegte.

Ob ich die Folgebände lesen werde weiß ich nicht. In vielen Rezensionen zum Folgeband liest man, dass sie noch langatmiger werden. Hinzu kommt, das Lord John wohl extra Romane bekommt, die man auch gelesen haben müsste, um alles zu verstehen. Und das mag ich ja mal gar nicht. Wahrscheinlich werde ich die Bände dann doch lesen, zumindest die, die noch in meinem Sammelband enthalten sind. Aber das hat Zeit und braucht auch Zeit.

Gemeinsam lesen #1 – Die Dienstagsfragen von Schlunzen-Bücher

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Gemeinsam Lesen ist eine Aktion von Schlunzen-Bücher, die von Asaviel’s Bücher-Allerlei ins Leben gerufen wurde. Die Aktion findet wöchentlich immer Dienstags bei Steffi & Nadja von Schlunzen-Bücher statt.

Immer Dienstags gibt es bei Schlunzen-Bücher vier Fragen. Und heute wage ich mich auch einmal dran und beantworte diese.

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Zur Zeit lese ich parallel zwei Bücher. Einmal von Karl Ove Knausgard Lieben und dann von Diana Gabaldon Drums of autumn. In Lieben bin ich bei Seite 312 angekommen und schon etwas traurig, dass ich das Buch schon fast zur Hälfte gelesen habe. Da ich Drums of autumn auf dem Kindle lese und dieser beim schlafenden Kind liegt, werde ich die restlichen Fragen nur für das erste Buch beantworten.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Zum ersten Mal seit meiner Ankunft in Stockholm tauchte das Gefühl wieder auf, allein zu sein.“

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Das Buch habe ich als „das gute Buch“ von meinen Eltern zum Geburtstag geschenkt bekommen. Mein Vater schwärmte davon und ich finde es auch toll. Man kann es gar nicht greifen, aber schon alleine die Schilderung des eigentlich sterbenslangweiligen Kindergeburtstags zu Beginn des Buchs ist spannend. Es sind die kleinen Dinge, die dieses Buch so besonders machen, die Offenheit mit der Knausgard schreibt und der Einblick, den er dem Leser dabei in sein Innenleben gibt.

4. Welche Neuerscheinung steht auf deiner Wunschliste ganz oben?

Ich warte auf den nächsten Band der Rocky Mountain-Reihe von Virginia Fox. Ansonsten habe ich mich in letzter Zeit wenig mit den Neuerscheinungen auseinandergesetzt, ich bin froh, wenn ich immer mal Zeit finde nach neuen Büchern zu stöbern.

Catherine Ryan Hyde – Wohin wir gehören

WP_20160811_20_25_32_ProDie Tage habe ich Wohin wir gehören von Catherine Ryan Hyde ausgelesen. Dieses Buch erzählt die Geschichte von Angie und ihrer Familie, von den Schwierigkeiten mit einem besonderen Kind und von einer Freundschaft zwischen zwei ganz unterschiedlichen Menschen.

Angie, ihre kleine Schwester Sophie und ihre Mutter landen nach einer Odysee durch verschiedene Wohnungen bei einer Tante, in der Hoffnung dort ein wenig länger bleiben zu können. Aus allen anderen Wohnungen sind sie herausgeflogen, Sophie hat eine Autismus-Spektrum-Störung, redet nicht, kann aber andauernd schreien, wenn sie ihr Missfallen ausdrücken will. Das stört natürlich die Nachbarn, so dass kein Vermieter die kleine Familie lange behalten möchte. Angie und ihre Mutter tun alles, um Sophie ein gutes Leben zu ermöglichen. Sie lassen sich von ihr schlagen, beißen, kratzen und ertragen ihr stundenlanges Schreien.

Alles verändert sich, als Sophie im Nachbargarten der Tante einen Hund entdeckt. Eigentlich mag sie keine Hunde, diesen, den sie Är tauft, liebt sie. Warum weiß keiner, doch ist der Hund in der Nähe ist Sophie ruhig. Angie stellt Kontakt zum Nachbarn her und darf den Hund ausführen. Sophie ist glücklich, doch das Glück hält nicht lange an, der Nachbar zieht weg und schon schreit Sophie wieder. Als die Tante es nicht mehr aushält beschließt die Mutter alles einzupacken und dem Mann mit dem Hund hinterherzuziehen.

Angie schafft es schließlich das Vertrauen des Mannes, Paul, zu gewinnen und freundet sich im Laufe der Zeit mit ihm an. Sie ist auch diejenige, die dafür sorgt, dass die Familie dauerhaft ein Dach über dem Kopf hat und etwas zu essen auf dem Tisch.

Immer wieder beim lesen des Buches hätte ich am liebsten die Mutter geschüttelt und angeschrien um ihr klarzumachen, dass ihre Tochter Angie ein Teenager und kein erwachsener Mensch ist. Es ist traurig, wie einfach es sich die Mutter macht und ihre Verantwortung immer wieder auf Angie abschiebt. Angie erkennt es richtig, wenn ihre Mutter nicht mehr weiter weiß, wendet sie sich an Angie und hofft, dass diese eine Lösung für das Problem findet. Mir ist es schleierhaft, wie man so sein kann, wie man sein eigenes Kind so behandeln kann und einfach nicht sieht, wie wichtig es ist für ein junges Mädchen immer noch das Kind in der Eltern-Kind-Beziehung zu sein.

Erschütternd ist aber auch, was in den USA möglich ist bzw. wie alleine man doch mit seinen Problemen sein kann. Hier könnte einer alleinerziehenden Mutter mit einem behinderten (besonderen 😉 ) Kind sicher nicht einfach die Wohnung gekündigt werden. Angie und ihre Familie lebt zwischenzeitlich auf einem Campingplatz, beide Kinder besuchen keine Schule. Niemand fragt nach, es gibt keine Unterstützung in der Zeit in der die Mutter nicht genug verdient um die Kinder zu ernähren. Das ist traurig, vor allem da sie in einem Land leben, in dem es möglich wäre arme Menschen zu unterstützen.

Ich mochte das Buch sehr gerne, auch wenn ich mich beim lesen ab und an „aufgeregt“ habe. Besonders schön ist die Freundschaft zwischen Angie und Paul, da sie so besonders ist. Sie erscheint auch gar nicht merkwürdig, obwohl Paul fast 50 Jahre älter ist als Angie, wirkt Angie doch wie eine erwachsene Frau.

Jessica Koch – Dem Horizont so nah

Ich leihe mir über Kindle Unlimited oft einige Bücher aus, lade sie alle runter und lese sie nach und nach. So erinner ich mich oft gar nicht mehr, um was es in dem Buch gehen soll, fange es an zu lesen und finde es entweder gut oder schlecht. Bei Dem Horizont so nah von Jessica Koch ging es mir genau so. Ich wusste nur, dass es ein Liebesroman ist, mehr nicht. Ob das Buch nun einer ist oder nicht, wird in vielen Rezensionen diskutiert. Meiner Meinung nach ist es einer, erzählt er doch die Geschichte der Liebe von Jessica und Danny.

Jessica lernt Danny auf einem Volksfest kennen und verliebt sich in ihn. Und er sich ebenfalls in sie. Doch Danny versucht Jessica loszuwerden. Er hat zu viel Angst, dass sie ihn verlässt, sobald sie erfährt, dass er als Kind von seinem Vater missbraucht wurde und von diesem mit HIV angesteckt wurde. Doch Jessica bleibt bei ihm, als sie die Wahrheit erfährt. Und noch viel mehr, sie akzeptiert, dass Danny mit Christina zusammen wohnt und mit dieser eine sehr enge platonische Beziehung hat.

Doch schnell holt alle drei die Vergangenheit ein. Christina wird rückfällig und spritzt sich wieder Heroin. Sie kommt völlig vom Weg ab, gerät an die falschen Menschen und stirbt an verunreinigtem Heroin. Danny kann ihren Tod nicht verkraften und so bricht bei ihm die Krankheit aus. Zurück bleibt am Ende Jessica, die all ihre Trauer wegsteckt und erst Jahre später wieder hervorholt und ihre Geschichte aufschreibt.

Dass es hier um eine wahre Begebenheit geht und Jessica Koch einen Teil ihrer Lebensgeschichte aufgeschrieben hat, ist mir erst am Ende aufgegangen. Ob alles genau so passiert ist wie sie es beschreibt ist fraglich. Einerseits verschwimmen Erinnerungen oft, andererseits dichtet man in einem Buch auch gerne mal etwas hinzu. Es gibt jedoch zwei Punkte, die mich etwas stören. Zum einen lässt Jessica ihre Familie und Freunde völlig fallen, nachdem sie mit Danny zusammen gekommen ist. Sie erzählt ihren Eltern nichts über Danny und seine Krankheit und lügt sie auch später immer wieder an. Es hört sich jedoch nicht so an, als hätte sie furchtbare Eltern, die kein Verständnis hätten aufbringen können. Im Gegenteil, ich denke eher, zumindest aus dem was man erfährt, dass sie für Jessica eine Stütze hätten sein können.

Ein zweiter Punkt ärgert mich jedoch viel mehr. Danny beschließt selbst zu bestimmen wann er geht und nicht zu warten, bis er an seiner Krankheit stirbt. Das ist in Ordnung, er sagt auch irgendwann, dass er es so machen will, dass niemand anderes in Mitleidenschaft gezogen wird. Da er am Ende Heroinsüchtig ist, hätte er ja ein schönes Mittel gehabt seinem Leben ein Ende zu setzen. Stattdessen reist er in seine Heimatstadt Atlanta und springt dort von einem Hochhaus. Auch wenn es mitten in der Nacht geschieht, es vielleicht keiner gesehen hat, es betrifft doch völlig fremde Menschen. Die, die ihn dort unten völlig zerschmettert finden und die, die ihn da wegkratzen müssen. Sehr egoistisch.

Dirk Trost – 24/7 für Pilsum

Ich lese ja zur Zeit parallel auf zwei Kindlen (Luxus pur), den mit Licht benutze ich Abends und Nachts im Schlafzimmer, der andere liegt im Wohnzimmer. Und so lese ich auch zwei Bücher parallel, so dauert es zwar etwas länger eins fertig zu bekommen, aber es macht Spaß und verwirrt mich bisher noch nicht. Vor allem da ich tagsüber auf Englisch lese.

Heute Morgen, als das Kind noch ein Nickerchen im Schlafzimmer eingelegt hat, habe ich 24/7 für Pilsum von Dirk Trost ausgelesen. Dies ist der zweite Fall für Jan de Fries. Er wird von seinem Freund Uz zu einem Nachtclub gebeten und findet dort entsetzliches. Schon alleine der Club ist unheimlich, handelt es sich doch um einen SM-Club mit sehr spezieller Ausstattung. Neben allen erdenklichen Folterwerkzeugen finden sich dort auch gehäutete Leichen, zum Glück nur aus Plastik. Doch an diesem Abend ist auch eine echte Leiche im Nachtclub, ein Toter hängt von der Decke, seine Finger wurden mit einem Seitenschneider abgezwickt. Die Nachtclubbesitzerin, eine Freundin von Uz, braucht dringend einen Anwalt. Widerwillig übernimmt Jan de Fries den Auftrag, ist er doch eigentlich im Ruhestand und hat auch noch mit einer Entzündung im Kiefer zu kämpfen, weswegen er zum Stammgast bei seinem Zahnarzt wird.

Jan de Fries taucht in die SM-Szene ein und beginnt zu ermitteln. Leider holt ihn der Fall schneller ein als es ihm lieb ist, sein Hund Motte wird entführt und er von einem Maskenmann überfallen und in Folie gewickelt in einen Baum in seinem Garten gehängt. Davon lässt er sich aber nicht abschrecken und ermittelt weiter. Dabei stößt er auch auf Geheimnisse, die er nie kennenlernen wollte.

Leider ist es schon eine Weile her, dass ich den ersten Band gelesen habe, so dass ich nicht genau sagen kann, welcher mir besser gefallen hat. Wie bereits in einigen Rezensionen zu lesen, war relativ früh klar, auf was es hinausläuft bzw. wer in den Fall verwickelt ist. Schade finde ich, dass zufällig sehr viel passiert und so sich alles sehr schnell fügt. Auch ist es merkwürdig, dass so viele Personen aus Jan de Fries Umfeld in den Fall verwickelt sind.

Laura Mercuri – All dein Schweigen

Die Tage habe ich All dein Schweigen von Laura Mercuri zu Ende gelesen. In diesem Buch wird die Geschichte von Emilia erzählt. Mit dem wenigen Geld, dass ihre Mutter für sie zur Seite gelegt hat, flieht sie nach deren Tod vor ihrem gewalttätigen Vater und ihren Brüdern in das kleine Dorf Bren. Die Bewohner dort stehen neuen Mitbürgern nicht gerade offen gegenüber und so hat Emilia auch mit der Ablehnung zu kämpfen. Doch ihr gelingt es zuerst einen Job bei Emma im Blumenladen und später auch bei Helga im Buchladen zu bekommen. Mit beiden freundet sie sich an, genauso mit Benedetto und seiner Frau Linda, die die örtliche Bar leiten. Und dann ist da noch Aris, der Schreiner. Ein schweigsamer Typ, in den Emilia sich sofort verliebt. Und auch Aris findet an Emilia gefallen. So werden die beiden recht schnell ein Paar und entdecken wie schön Liebe sein kann. Doch sie werden beide von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Ich muss sagen, dass mir Aris nicht grade sympathisch war, aber auch Emilia mochte ich nicht wirklich. Sie war sehr naiv in vielen Punkten, was vielleicht noch auf ihre Kindheit und Jugend zurückzuführen sein könnte, in vielen Dingen wusste sie aber auch wieder ganz genau Bescheid. Aris und sein Schweigen waren mir unsympathisch, vielleicht auch, weil ich Menschen nicht gut lesen kann und darauf angewiesen bin, dass man mit mir spricht. Trotzdem ein nettes Buch für zwischendurch.